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Vom Jäger Kappel.
in der Bekannt ist der Versuch des Barons Warkotsch, in schwersten Zeit des siebenjährigen Krieges im Jahre 1761 den Großen König an die Oesterreicher zu verraten. Der Versuch miẞlang dank der Treue des Jägers Kappel, der im Dienst des Barons stand, zu seinem Landesherrn.¹)
In der Nacht zum 2. Dezember sollte das Vorhaben ausgeführt werden. Hätte es den gehofften Erfolg gehabt, dann wäre der Krieg schnell beendet und Preußens Schicksal besiegelt gewesen. Doch ein guter Stern waltete über dem König. Der Jäger Matthias Kappel war von der Vorsehung dazu erkoren, den schurkischen Plan zu vereiteln. Seine Aufgabe war, den auf den Anschlag bezüglichen Schriftwechsel zwischen seinem Herrn und dem katholischen Kuratus Schmidt im Dorfe Siebenhuben( nahe dem Schlosse des Barons Schönbrunn bei Strehlen in Schlesien) zu besorgen. Dabei schöpfte er Verdacht. Gleiche Bedenken tauchen bei seiner Frau auf, und ihre Neugier ist so groß, daß sie ihren Mann dazu bewegt, den am 1. Dezember, früh morgens, zur Besorgung vom Baron empfangenen Brief zu öffnen. Beide lesen da zu ihrem Entsetzen, daß in der nächsten Nacht der Anschlag ausgeführt werden soll. Es ist also die höchste Zeit, wenn noch etwas geschehen soll. Kappel läuft mit dem verhängnisvollen Brief zum protestantischen Geistlichen des Dorfes Schönbrunner selber ist Katholik und vereinbart mit diesem, daß eine Abschrift des Briefes angefertigt und dem Kuratus gesandt wird. Mit dem Original eilt Kappel in das Quartier des Königs. Auch hier große Bestürzung. Eine der ersten Fragen Friedrichs ist: ,, Aber wie habe ich denn Warkotsch beleidigt?" Kappel wird festgenommen, und unverzüglich gehen Streifkommandos los, um die Schuldigen zu fassen. Leider vergeblich. Dem Baron gelingt es, den zu seiner Festnahme entsandten Rittmeister zu überlisten und sich zu Pferde aus dem Staube zu machen; ebenso wenig glückt es, des Kuratus habhaft zu werden. Unter dem Vorwand, ein Bedürfnis zu befriedigen, flüchtet er durch das Abortfenster.
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Kappel wurde nach Breslau in Schutzhaft gebracht und Warkotsch und seinem Helfershelfer der Prozeß gemacht. Beide wurden verurteilt zum Köpfen und Vierteilen, und die Strafe ward in effigie auf dem GroBen Platz zu Breslau vollzogen.„ Meinetwegen," so schrieb Friedrich unter das Urteil ,,, die Porträts werden ebenso wertlos sein wie die Originale". Die Güter des Barons wurden eingezogen; er selber ging nach Wien und, weil man da von dem Verräter nichts wissen wollte, nach der Türkei, wo er arm und verlassen im Elend starb.
Unsere Teilnahme beansprucht an dieser Stelle der weitere Lebensgang des wackeren Kappel, weil er von seiner Heimat nach unserer Mark hinüberspielt. In der durch ihre Stoffülle auch sonst recht beachtenswerten Spandauer Chronik des Pfarrers Schultze von St. Nikolai
1) Eine eingehende Schilderung des Vorfalls bringt die Aussage des Kappel bei Franz Eyẞenhardt, Friedrich der Große pp., 2. Auflage, 2. Band 1910, S. 167 ff.