Heft 
(1927) 36
Seite
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Witwen. Der junge Bauer hat einen Freiwerber. Dieser geht erst und macht ab, dann kommen Bräutigam und Freiwerber. Ehe die Hochzeit bestimmt wird, besichtigen die Eltern gegenseitig das Haus, Hof, Vieh und Acker, alles wird genau angesehen. Als Gäste fast das XX ganze Dorf geladen, manchmal schon 300 Menschen; viele sind verwandt, alle duzen sich. Der Brautdiener ladet ein; die Brutdiena haben breite, rote Bänder, und eine Schärpe um.

Scherben am Polterabend), der Donnerstags ist, bedeuten Glück. Stuten sind von Die Kinder, die sie werfen, bekommen Stuten. feinem Roggenmehl in Bro form. Am Polterabend werden allerhand Verkleidungen vorgenommen, z. B. als Briefbote u. dergl., es ist der Bräutigam noch im Elternhaus. Ehe sie zur Kirche geht, kommt die Braut in ein anderes Haus und wird da ausgeputzt. Sie trägt Myrten­kranz, Brautkranz, und Myrtenstrauß, weißen Schleier, schwarzes oder weißes Kleid. Der Bräutigam hat einen Myrtenstrauß auf der Brust. Dann kommt der Bräutigam mit Musik ins Haus, wo die Braut geputzt wurde, zusammen mit dem Brautdiener und den Unverheirateten, machen drei Tänze, den Brauttanz. Die beiden Brautdiener tanzen mit der Braut, der Bräutigam nicht, nur nach der Hochzeit. Haustür und Stubentür sind mit Girlanden( Laubgewinden) geschmückt. Nun geht es nach der Kirche, der Kirchgang. Heiratswagen werden ausgeputzt mit Girlanden( Gewinden) von Eichenlaub; dies wickelt sich schön. Die Pferde haben rote Bänder am Kopf, auch die Peitsche rote Bänder. Wenn es beim Kirchgang regnet, in den Kranz regnet, ist es gut( gutes Vorzeichen). Soviel Tröpflein Regen, soviel Glück und Segen, soviel Schnee, soviel Ach und Weh. Schnee ist nicht gut, oder wenn ein Man sagt: Die Leichenzug entgegenkommt, dann stirbt bald einer.

Braut hat die Katze gut gefüttert, sie hat einen guten Hochzeitstag." Wenn das Brautpaar aus dem Hause geht beim Kirchgang, legt jemand schnell eine blaue Schürze) auf die Schwelle. Gewöhnlich wirft die Mutter oder eine Verwandtin von der Hochzeitstafel sie hin.

Darüber

1) Daß der Donnerstag noch immer von solcher Bedeutung war im Volks­bewußtsein bis in unsere Zeit hinein, daß 1000 Jahre christlicher Kirche nicht im stande waren, diesen Volksglauben zu beseitigen, und das Heidentum. das ihm anhaftete im Gewittergott Donar, das bezeugt, wie fest dieser deutsch­germanische vorchristliche Glaube in den Gemütern unseres Landvolkes haftete, weil es mit der Mutter Erde immer in Verbindung geblieben war und unter den Einwirkungen der Natur sich befand. Besonders erweist das Mecklenburg. Nach Bartsch( Meckl. Sag. 1880, II) ist es verwerflich, manche Arbeit am Donnerstag vorzunehmen, man soll nicht ausmisten oder spinnen. Erbsen darf man nur am Donnerstag essen, wie in Berlin vielfach Erbsen und Sauerkraut. Herzog Gustav Adolph erließ in Mecklenburg 1684 ein Mandat an alle Beamte ,, zur Ausrottung des Aberglaubens, daß man am Donnerstag nicht spinnen dürfe." 2) Wilhelm Müller, Gedichte. Im Gedicht Bräutigamswahl( Mönkgut): Meine Schürze hat Mutter ans Fenster gehangen, Da sind viele Burschen vorübergegangen, Sprach Mutter: Jetzt hole dir einen ins Haus.. Ich möcht' an den Mast meine Schürze binden.. Und säh' er sie wehen von fern in der Luft, Er würd' es wohl ahnen, wohin sie ihn ruft.

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