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Stellen in bedeutend füchtigerer Schrift finden sich häufig, so werden im ersten Teil zuerst Auszüge aus den Kirchenakten abgeschrieben, worauf die Akten des Stadtarchives folgen. Aber auch hier finden sich ab und zu Berichte über persönliche Unterredungen mit älteren Personen der Stadt. Wäre uns nicht dieses Buch der Feldmannschen Abschrift, das insgesamt 1162 eng beschriebene Quartseiten und 5 leere Seiten umfaßt, durch einen Zufall erhalten geblieben, so würden wir über die Geschichte von Neuruppin vor dem großen Brande so gut wie gar nichts wissen. Während dieses schrecklichen Ereignisses, das alle alten Denkmäler vernichtete, befand sich das Buch in Berlin. Wer es damals gehabt hat, ist nicht zu ermitteln. Es befand sich in dem Besitz der Frau Prediger Strietz und wurde später dem Neuruppiner Stadtarchiv einverleibt. Ale älteren Arbeiten über die Stadt Neuruppin beruhen auf dieser Chronik. Bratring, Riedel und Kampe benutzen sie als Unterlage ihrer Werke. Wir erfahren aus der Chronik, daß es in der Stadt an Familiensinn nicht gefehlt hat. Es werden Chroniken von verschiedenen ratsfähigen Familien angeführt. Zu beachten ist hierbei, daß oft auf einen Ursprung aus den Niederlanden hingewiesen wird. Aus solchen Chroniken oder aus anderen eingehenden Nachrichten bringt der Senator über fo gende Familien nähere Nachrichten: Bergemann, Bulch, Fischer, von Jürgas, Jury, Knackrügge, Kriele, Ludewig, Ney, die aus Hessen stammen sollen, Polzow, Schönberg, Schnackenburg, Siepmann, Witte und Woltersdorf. Ueber Litzmann, Metzmacher, Rose und Stenger werden keine zusammenhängenden Nachrichten gegeben. Dagegen wird an einzelnen Stellen zusammenfassend über berühmte Neuruppiner Fami ien gesprochen. Viel familiengeschichtliches Material enthalten auch die Auszüge aus den Leichenpredigten, die ich vielleicht an anderer Stelle behandeln werde.
Ich vermute, daß Feldmann ursprüng ich nur die Absicht hatte, familiengeschichtliches Material zusammenzutragen, und daß er dann auf Anregung des berühmten Historikers Bekmann dazu gekommen ist, Auszüge aus dem gesamten Aktenmaterial zu machen, soweit es ihm erreichbar war. Dadurch ist er zur Anlage des sogenannten ersten Bandes gekommen, den er gleichzeitig mit dem zweiten weiter fortführte. Und was hat er alles herangezogen?!
Zuerst im zweiten Bande! Nicht nur ungedrucktes Material wie Erbvergleiche, die er nur familiengeschichtlich verwertete, Urkunden, die sich im Besitze einzelner Familien befanden, Auszüge aus den Akten des Rektors Hoppe, der von 1729 bis zu seinem Tode( 1763) das Neuruppiner Gymnasium leitete, und die sämtlichen Inschriften der Sankt Marienund der Klosterkirche gibt er, auch die Dokumente, die in den Knöpfen der Kirchen gefunden worden, über iefert er uns. Er bringt Angaben über die Einwohnerzahl sowie Nachrichten über die reformierten Gemeinden. Den größten Teil nehmen aber die Auszüge aus den Kirchbüchern und den Ratsprotokollen ein. Diese sind uns mit wenigen Lücken im zweiten Teile von 1637 bis 1724 erhalten. Wichtig sind auch die Auszüge aus den Eidesformeln, die an verschiedenen Stellen stehen und mit dem Jahre 1461