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bereits als Abraum beseitigt war, und von meinen Hörern sogleich zwei größere Gefäße freigelegt werden konnten, deren Ränder über das Planum hinausragen. An einer senkrechten Wand zeigte sich auch wieder das„, Bucher Profil" mit Pfostenlöchern und Herdstellen. Die Siedlung wird von den Tangermünder Herren in Verbindung mit der vorgeschichtlichen Landesanstalt in Halle weiter untersucht. Herr Däthert verschaffte uns dann noch Einblick in die äußerst interessanten Akten des Brandstifterprozesses der Grete Minde, der Theodor Fontane den Stoff zu seinem gleichnamigen Roman geliefert hat.
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Am letzten Tage führte uns eine Autofahrt in den sonnigen Sonntagmorgen hinaus zu den gewaltigen Riesensteingräbern von Steinfeld und weiter nach Grünenwulsch. So arm die Mark an solchen Denkmälern der Urzeit leider geworden ist ich erinnere an das einzige Hünenbett bei Mellen so überreich ist ihre ältere Schwester, die Altmark. Krause und Schötensack haben ja dankenswerterweise alle in der Zeitschrift für Ethnologie 1893 zusammengestellt, so daß man bequem an einem Tage 20 und mehr besichtigen kann. Die Umgebung der Gräber wurde natürlich aufmerksam abgesucht.
Dann gings zu der seit den Tagen des großen Otto in der deutschen Geschichte hochberühmten Stadt Magdeburg. Dort galt es vor allem dem Besuch der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums für Natur- und Heimatkunde. Herr Engel, der die vorgeschichtliche Abteilung selber geordnet hat, führte uns. Mit großer Mühe und Sorgfalt ist bis jetzt namentlich die Steinzeit bearbeitet. Karten und Uebersichten dienen der Erläuterung. Aber das von Jakob Friesen in Leipzig und Hannover gehandhabte Prinzip ist hier auf die äußerste Spitze getrieben. Man sieht gar zuviel Papier; die Erläuterungen müssen unbedingt kürzer gefaßt werden. Auch etwas weniger Gips würde das Museum nur heben; die Origina'e kämen dann erst voll zur Geltung. Der Drang, möglichst viel durch Karten zu erläutern, birgt aber auch noch eine andere Gefahr in sich. Er täuscht den urteilslosen Besuchern eine Sicherheit vor, über welche die Vorgeschichtswissenschaft nach dem heutigen Stande der Forschung noch nicht verfügen kann. So glatt wie in Magdeburg fand ich bisher noch an keiner Stelle beinahe alle Probleme der Steinzeit gelöst.
Erfreulich ist, daß Leben in der Abteilung herrscht. Wo Leben ist, da muß es auch eine Aufwärtsentwicklung geben.
In der Stadt erregte natürlich bei allen Teilnehmern der Studienfahrt die Tautsche Farbenfreudigkeit Aufmerksamkeit und Interesse. Auch dieser Erscheinung gegenüber sind die Ansichten bekanntlich noch recht geteilt. Auf diesem Gebiete kommt es wohl vor allem noch darauf an, das richtige Maß zu finden.
Aus al'em aber möge ersehen werden, wie Anregungen und Eindrücke auf einer solchen Fahrt über die Grenzen der Mark hinaus, in die Nachbargebiete hinein, auf den Teilnehmer einstürmen. Die Kulturen unserer heimatlichen Mark sind aber überhaupt nur richtig zu beurteilen,
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