Heft 
(1927) 36
Seite
187
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Werke: Annales Marchiae Brandenburgicae das ist Or­dentliches Verzeichnuß und beschreibung der fürnemsten und gedenck­wirdigsten Märckischen Jahrgeschichten und Historien/ so sich vom 416. Jahr vor Christi Geburt bis auffs 1596. Jahr im Churfürstenthumb Bran­denburg und dazu gehörenden Landen und Herrschafften von Jahr zu jahr begeben und zugetragen haben."

In dieser Chronik finden wir nun auf Seite 372: Am Palmsonntag ( im Jahre 1574) ist ein Mägdlein von siebenzehen jahren im Dorff Help/ eine halbe meilen von der Stadt Arnẞwalde in der Newen Marck gelegen/ neben andern zum Sacrament deß Altars gangen. Da sie aber deẞ Abends den andern Mägdlein/ die auf der Gassen umbher gelauffen und gespie­let zugesehen hat sie ein kalt Wind angeblasen davon sie im Häupt schwach worden/ also/ daß sie sich zu sampt den Kleidern ins Bette ge­leget und ist von der zeit nie aus dem Bette kommen hat auch biẞ ins fünffte jahr also lahm/ blind ungessen und unge­trunken gelegen und nichts geredet außgenommen/ Wenn sie ge­fraget worden/ hat sie entweder Ja oder Nein gesaget. Es habens viel dafür gehalten als solte sie besessen gewesen seyn. Wie es aber end­lich mit ihr kommen sol beym tausent fünff hundert acht und siebenzig­sten jahr angezeiget werden." Wie man sieht, begann unser märkischer Fall Konnersreuth" ganz ähnlich wie der heutige mit einer wohl durch Erkältung hervorgerufenen Neurose, die auch hier wie dort zur Erblindung und Lähmung führte. Die Enthaltung von jeglicher Nahrung fand freilich nach Ablauf von fünf Jahren eine höchst überraschende Erklärung, und zwar charakteristischerweise, als man unser., Mägdlein" in ein Kranken­haus geschafft und dort genau beobachtet hatte. So weit war man also schon im 16. Jahrhundert, und es wäre vielleicht zu hoffen, daß man heute gegenüber der Therese Neumann dieselbe Methode zur Anwendung brächte. Doch lassen wir nun unseren Chronisten selbst die Aufklärung berichten. Er fährt in seinem Buche unter dem Jahre 1578 auf Seite 378 folgendermaßen fort: ,, Den 2. tag des Augustmonats ist die Magd der unter dem 1574. jahr gedacht gen Arnẞwalde gebracht/ da sie denn im Hospital des H. Geistes tag und nacht bewachet wor­den. Als sie nu allda auch biß am vierden tage im Bette gelegen/ hat sie angefangen mit dem Munde anzeigung ihres hungers von sich zu geben/ und als sie gefraget worden/ ob sie essen wolte/ hat sie wider jhre ge­wonheit ja gesaget und ist ihr darauff eine Weinsuppe auf geheiß deß Pfarherrn allda gebracht worden die sie mit einem löffel gegessen. Da sie aber gefraget worden/ wie es schmeckete/ hat sie geantwortet: Wol. Letzlich hat sie der Wärterin auff jhre frage bericht gethan/ daß sie stets zuvor die fünff Jahr auch gessen und getrunken: Aber kleine Männlein und Jungfräwlein schön geschmücket/ die doch keiner im Hause/ ohn sie allein gesehen weren alle tage unter dem Bette herfür gangen und hetten jhr Speise gebracht von allem/ was sonsten im Hause gekocht oder anderswo gebraten gewesen/ hetten sie