Heft 
(1917) 25
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Kleine Mitteilungen.

teiligte ihr Heimatsdorf nur in der letztgenannten Aussprache kannten. Solche Fälle, bei denen eine Abweichung des auf den Landkarten verzeichneten Orts­namens von den im Volksmunde bekannten besteht, sind gar nicht so selten; sie kommen aber selten zu einer öffentlichen Kenntnis. Am auffallendsten ist der Name des zwischen Potsdam und Nauen gelegenen Dorfes Satzkorn, das in der Bevölkerung nur in der FormSotzker bekannt ist. Entweder hat zu solchen Abweichungen die Aufzeichnung eines landfremden älteren Kartographen Veranlassung gegeben oder, wie ich das bei Satzkorn für wahr­scheinlicher halte, das Vorgehen eines Gutsherrn ( Brandhorst?), der die dörfliche Aussprache etwas gewaltsam verfeinern wollte. Jedenfalls verdienen solche Spracheigentümlichkeiten die Aufmerksamkeit der Sprachforscher, die nach der Bedeutung eines Ortsnamens suchen. Wenn alle Karten, die ich zurate zog Baitz schreiben und das Volk Bätz spricht, dann verdient, wie es die Eisenbahnverwaltung auch anerkannt hat, die letztere als geschichtlich begründetere den Vorzug. R. Mielke.

Kuckucksspeichel und Bremsen. Kuckuckssueichel nannte man früher auf dem Lande und nennt wohl auch noch die weißen Schaumfiocken, die sich im Sommer auf den Blättern verschiedener Pflanzen, besonders auch der Weiden vorflnden, und von der Schaumzirpe herrühren, die sich darin einhüllt. Vormals glaubte man, daß der Kuckuck, wenn er ruft, diesen Schaum auf die Blätter spuckte, und man glaubte auch, daß aus diesem Kuckucks­speichel die Dasen oder Bremsen entstünden, die für Rindvieh und Pferde im Freien eine solche Plage sind. In Schiepzig sagte mir ein Mann:Aus dem Schaum kommen die bunten Bremsen. Jetzt, es war am 3. Juni,brütet sie die Sonne aus, nun kommen sie hervor." Vor Zeiten, wie mir der volks­kundige Hantscho-Hano mitteilte, verfuhren die Hirten in der Muskauer Gegend (Schlesien) und jedenfalls auch in den angrenzenden Dörfern der Mark in besonderer Weise mit den Bremsen. Sie machten unten in ihrem Peitschenstock ein Loch. Fingen sie dann eine Bremse, so taten sie die da hinein und machten dann die Öffnung zu, verspundeten sie. Das sollte bewirken, daß das Vieh nicht durch die Büsel von der Weide verjagt würde. Bekanntlich laufen manchmal im Sommer auf Weiden und Koppeln Kälber und Färsen mit hochgehobenem Schwänze plötzlich wie besessen davon, wenn sie von gewissen Bremsen verfolgt werden. Mir wollte es in der Westprignitz auf dortigen Koppeln scheinen, als wenn es besonders häufig vor Gewittern einträte. Daß der Glaube an den Kuckucksspeichel nicht nur hier und da noch besteht, sondern auch Veranlassung gab zu einer entsprechenden Be­tätigung gegenüber dem Kuckuck, hatte ich Gelegenheit i. J. 1909 auf dem Eiland Sylt zu erfahren. Ich traf, es war im Juni, unweit dem Schützenhause bei Westerland zwei Knaben, der eine Sohn des Schützenhauswirtes, die mir, da gerade der Kuckuck gerufen hatte, erzählten, daß sie im vorigen Jahre, in der Nähe des Rettungsboothauses, in einer größeren Talmulde zwischen den Dünen ein Lerchennest fanden, in dem zwei Lercheneier und ein Kuckucksei lagen. Zwei Lercheneier hatte der Kuckuck herausgeworfen. Die Lerche fütterte dann den Kuckuck groß und die zwei kleinen Lerchen. Diese verließen aber früher das Nest als der junge Kuckuck. Die beiden Jungen gingen nun öfter hin und fütterten den Kuckuck, der immer hungrig war und das