Heft 
(1917) 25
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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Maul aufsperrte. Sie gaben ihmBrotkrumen und Vogelsamen, auch mit ihrerSpucke fütterten sie ihn, die erebenfalls gern nahm."' Sie sagten, daß sie gesehen hätten und daß es bekannt sei, daß der Kuckuck, d. h. der alte, auchSpucke" aus dem Setoabel von. sich. gibt. Sie wußten, daß der Schaum an Gräsern und Kräutern Kuckucksspucke genannt wird auf Sylt. Die Eltern beider Jungen waren nicht Friesen, sondern Eingewanderte. Ein älterer mir bekannter Mann, Friese aus Westerland, angestellt in der Badeverwaltung, sagte mir ebenfalls, daß Jungen einen jungen Kuckuck mit Kaupen und derlei gefüttert hätten. Die Jungen zeigten mir auch die Höhle einer Bergente. Es ging ein etwa spannen weites Loch einen Fuß tief in die Erde. Unten saß die Ente, sie brütete, stand aber auf und fauchte und zischte, als die Jungen ein vom Schützenwirt übergelegtes Brettstück mit Rasenpatzen abhoben. Sie sagten mir, daß die Ente noch mehre Ausgänge habe, und sie alles mit dem Schnabel mache. Dies könnte an sich möglich erscheinen, wenn man an die langen Gänge oder Höhlungen denkt, die die kleine und schwächliche Uferschwalbe im Erdboden zu ihrem Neste hin aus­gräbt. Indessen Naturforscher bekunden, daß die Bergente (Brandente, Brandgans) von Menschen oder Tieren hergestellte Höhlungen benutze, und daß sie sogar im Fuchsbau mit dem Fuchse zusammen lebe, diesem Würger alles Federviehes. Auf der anderen Seite von Sylt, seitwärts Keitum am Wattenmeer habe ich selbst noch eine Anzahl Bergentenhöhlen gesehen, denen die Friesen eine gewisse Menge Eier entnehmen. W. v. Schulenburg.

Gemüse von Baumblättern. Wie die Dorf-Alten noch (1880) zu berichten wußten, kochte man in wendischen Dörfern der Muskauer Gegend, aber auch hier und da in Nachbardörfern der Niederlausitz, als es noch keine Kartoffeln gab und außerdem zur Zeit von Hungersnöten, täglich ein Blätter­gemüse, wendisch loboda *) genannt. Dazu gebrauchte man alle Arten grüner Baumblätter, und auch Blätter von verschiedenen Kräutern, so mehreren Arten Knöterich, Melde, Beifuß u. a. Die Alten früher haben immer gesagt: Alles hat gut geschmeckt, nur die loboda von Lindenblättern nicht. Der Knöterich, wendisch drest, war, nach Aschersons freundlicher Bestimmung der von mir gesammelten Pflanzen, für Schleife (Schlesien) Polygonum Hydropiper L. Auf den Blättern des roten drest sieht man in der Nieder­lausitz die Blutstropfen Christi. Melde, Melle (Atriplex) heißt wendisch loboda, und wurde in einer übertragenen Bedeutung für das Blättergemüse gebraucht, wie man auch hörtSpinat von Brennesseln, deren junge Blätter im Frühjahr abgeschnitten und als Gemüse gekocht wie Spinat schmecken. Solch Brennesselgemüse wurde (und wird ?) in Westfalen (Soester Oberbörde) wenn man nichts Grünes aus dem Garten hatte," als Grünmus sogar am Gründonnerstag gegessen. Gemüse aus Baumblättern war also in Kreisen der Lausitzer Bevölkerung vor Alters bekannt. Baumblättergemüse für gewisse Mönche im Mittelalter scheint in der Mark geschichtlich verbürgt. Fontane sagt in seinenWanderungen durch die Mark Brandenburg (Havel-

*) Vergl. Niederlausitzer Mitteilungen III, 295; toboda ist Druckfehler.