Heft 
(1919) 27
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Alle die genannten Einrichtungen bemühen sich, Liebe zur ange­stammten Scholle in die Herzen der Heimatgenossen zu pflanzen und alle ernsten Bestrebungen der Heimatfreunde zu stützen; ja sie genügen auch vollkommen, um die Lehrer der heranwachsenden Jugend auf dem Laufenden zu erhalten, sie teilnehmen zu lassen an neuen Forschungen und ihnen die neuen Ergebnisse der Wissenschaft zeitig zu übermitteln.

II. Das Institut für Heimatkunde.

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Eine Aufgabe können die genannten Einrichtungen und Vereinigungen nicht übernehmen: die Vorbereitung der Lehrer aller Schulen zur Erteilung des heimatkundlichen Unterrichts. Da dem Unterricht in der Heimatkunde in allen Gliedern der zukünftigen Schule eine der Bedeutung des Faches angemessene Stellung eingeräumt werden wird, und nicht nur wie oben bemerkt in der Grundschule, sondern auch in sämtlichen höheren Schulen Heimatkunde als Fach und als Grundsatz Berücksichtigung finden muss, so bezieht sich die Frage der Vorbildung auf alle Lehrer aller Schulen. Ein ganz hervorragender Platz gebührt der Heimatkunde in der hoffentlich recht bald zur Durch­führung gelangenden Deutschen Oberschule" oder dem ,, Deutschen Gymnasium", wo sie neben der Deutschkunde eine beherrschende Stellung zu beanspruchen hat. Die Vorbildung der Lehrer für den heimatkundlichen Unterricht der Zukunft kann nur erfolgen auf einem neu zu gründenden, selbständigen oder an eine der übrigen Bildungs­anstalten anzuschliessenden Institut für Heimatkunde.

Die Frage der Gründung dieses Instituts hängt aufs engste zusammen mit der Frage der zukünftigen Lehrerbildung und kann nur gelöst werden im Zusammenhange mit der in naher Aussicht stehenden Schulreform.

Notwendig ist dieses Institut in jeder Provinz schon um deswillen, weil sich die Universitäten mit der Pflege der Heimatkunde nicht befassen konnten, jedenfalls nicht befasst haben. An der Universität kann wohl Geschichte, Erdkunde, Geologie, Naturwissenschaft und Kunstge­schichte studiert werden, Fächer, die alle zu den Grundlagen der Heimat­kunde gehören; Volkskunde wird der Studierende auf fast allen Universi­täten vergeblich suchen; Vorgeschichte wird nur auf wenigen Hoch­schulen gelehrt und auch da nicht in dem Umfange, wie das unbedingt notwendig wäre. Volkskunde und Vorgeschichte( letztere erweitert zur heimischen Altertumskunde) sind aber neben der Erdgeschichte sogar als Grundpfeiler einer umfassenden Heimatkunde zu betrachten. Träger des heimatkundlichen Gedankens waren und sind nicht die Universitäten sondern die grossen Heimatmuseen und die ihnen zumeist angelehnten Gesellschaften für Heimatkunde. Die gut geleiteten Museen¹) und

1) Vgl. meine Aufsätze in der Museumskunde" hsg. v. Kötschau, 1916 S. 1ff ,, Auf­gabe und Einrichtung der vorgeschichtl. Sammlungen"( als Forschungsinstitute und Bildungs­anstalten) und ebenda 1920: ,, Die vorgeschichtl. Abteilung des Märk. Museums in Berlin als Bildungs- und Lehranstalt".