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Gesellschaften sind heute über den Zustand des Dilettantismus und der nur nebenbei geübten Heimatpflege bereits hinaus. Jetzt ist aber höchste Zeit, dass auch noch die letzten Puppenhüllen fallen und die an das überwundene Entwicklungsstadium etwa noch gemahnenden Reste entfernt werden, dass Heimatkunde getrieben wird auf rein wissenschaftlicher Grundlage.
Es kann darum gar keinem Zweifel unterliegen, dass ein Institut für Heimatkunde nur ein Institut sein kann, an dem Lehre. und Forschung eng miteinander verbunden sind. Lehre ohne Forschung würde bald in seichter Oberflächlichkeit ausmünden und versanden. Lehre ohne Forschungsbetrieb ist heute geradezu unmöglich, in jedem Fache unmöglich, und mit vollem Rechte suchen selbst die auf breitere Grundlagen gestellten Volkshochschulen, soweit es irgend geht, Lehrer zu gewinnen, die zugleich Forscher sind. Zu den Quellen kann den Lernenden am besten der führen, der diese Ouellen selber erschlossen oder wenigstens an der Erschliessung dieser Quellen mitgearbeitet hat. Soweit es nicht oder noch nicht möglich ist, für diese Führung bahnbrechende Forscher mit Lehrtalent zu erhalten, wird man sich begnügen müssen und auch begnügen können mit Gelehrten, die imstande sind, bei gutem Lehrgeschick die Studierenden wenigstens den Weg der Forschung zurückzuführen, und sind es dann auch nicht eigene Wege, die ein solcher Lehrer wandelt, so führen sie doch sicher zum Ziele, zu den Ausgangspunkten und Quellen der Forschung zurück.
Die besten Kräfte der Wissenschaft und Forschung werden sich nicht für zu gut halten dürfen, um zukünftige Lehrer als wissensdurstige Schüler um sich zu versammeln, wobei es sich von selber versteht, dass diesen führenden Geistern Zeit gelassen werden muss, ihren eigenen Weg weiter zu gehen, neue Erkenntnis zu erschliessen, und sich neben der Lehre in ausgibigstem Masse der freien Forschung zu widmen. Man vergesse aber nicht, dass die Hörer in wenigen Stunden an der Hand eines wahren Forschers, der nochmals sei das gesagt- zugleich ein geschickter Lehrer sein muss, mehr Anregung empfangen, mehr Gewinn mit nach Hause nehmen als nach zahlreichen Unterweisungen durch eine Mittelmässigkeit. Fichte, Schleiermacher und Humboldt wussten sehr wohl, was sie taten, als sie vor 100 Jahren der Universität Berlin neue Wege wiesen und neue Ziele steckten.
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Die Methode. Die Art der Unterweisung der zukünftigen Lehrer ergibt sich aus dem Zweck und der oben geschilderten Eigenart des Instituts. Lehr- und Lernfreiheit in weitestem Sinne verstehen sich bei einem Forschungs- und Bildungsinstitut von selber. Beschränkt werden beide einzig durch den nie aus dem Auge zu verlierenden Zweck der Berufsbildung. Der Lehrplan muss so gestaltet werden, dass jeder Studierende Gelegenheit hat, während seiner Studiensemester alles zu