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103 hören und die Lernfreiheit darf nicht soweit gehen, dass sie- wie Dittrich( ,, Die neue Universität, ein Reformversuch") S. 33 richtig sagt- ,, die Freiheit, nichts zu lernen und nichts zu tun" einschliesst; sie darf nicht, wie Becker( ,, Gedanken zur Hochschulreform" S. 27) treffend meint, zum ,, Unfug", zum Raubbau mit Kraft und Zeit unserer Jugend werden. Vorlesung. Der Wert der Vorlesung wird
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wie mir scheint Natürlich darf sie nicht
in neuester Zeit gar zu sehr unterschätzt. ,, zum passiven Anhören und Nachschreiben, zum gedankenlosen Einpauken" und zum„ Stumpfsinn" führen( Dittrich S. 27). Eine gute Vorlesung wird den Hörern nicht nur Anregung geben, was schon allein von höchstem Werte ist, sie wird den Studenten vor verhängnisvoller Zersplitterung bewahren und dafür sorgen, dass sich sein Einzelwissen dem Ganzen einfügt. Sie gerade kann den Jünger der Wissenschaft vor dem Ueberwuchern des Spezialistentums schützen,„ den wissenschaftlichen Menschen im Gegensatz zu dem wissenschaftlichen Routinier oder Berufstechniker" erziehen und richtig angewendet zur höchsten Geistesarbeit, zur höchsten Kraftenfaltung, zur„, Synthese" im Beckerschen Sinne emporheben.
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Lehrausflüge. Natürlich muss die Vorlesung ergänzt, teilweise sogar ersetzt werden durch Lehrausftüge. Gerade auf dem Gebiete der Heimatkunde ist das möglich. Man führe die Hörer in die Sammlungen, vor allem aber an die Plätze, wo ihnen, Gelegenheit gegeben wird, unter Anleitung selbständig zu beobachten, geologische oder vorgeschichtliche Spuren zu deuten, alte und neue Siedlungen, Kunst- und Bauwerke zu beurteilen. Dabei lernen sie ganz gewiss noch mehr als in langen Stunden der Vorlesung, wo sie nur auf Hören und Aufnehmen angewiesen sind.
Uebungen. Zu den Vorlesungen und Lehrausflügen treten die Uebungen, ohne die an Forschungsbetrieb nicht zu denken ist. Auf diesem Gebiete haben die Universitäten Grosses geleistet. Nur müssen wir von dem Massenbetrieb stark besuchter Hochschulen zurückkommen zu kleineren Arbeitsgemeinschaften, in denen jeder Teilnehmer mitarbeiten muss und nicht untätig mitansieht, wie einige wenige Hochbegabte mit dem Leiter der Uebungen die Kosten der Arbeit tragen. denen der VorgeUebungen der Anfänger müssen von schrittenen getrennt werden, und den Abschluss bildet das eigentliche Forschungsseminar, in dem alle Eingeweihten mitarbeiten, auch frühere, völlig ausgereifte Studierende, die so zugleich in stetem Zusammenhange mit dem Institut gehalten werden. Hier laufen Studium und Fortbildung ineinander über. An diesem Forschungsseminar werden sich am besten alle Forscher und Lehrer gleicherweise beteiligen. Die Zusammenarbeit der tüchtigsten Kräfte aller Einzelwissenschaften, die als Grundlagen der Heimatkunde zu betrachten sind, würde denkbar beste Ergebnisse erzielen, die Arbeitsfreudigkeit aller immer wieder von