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und entwicklungsfähig. Die Schule der Vergangenheit hat zu sehr darauf Bedacht genommen, Wissende zu züchten. Die Schule der Zukunft muss Strebende, Suchende erziehen. Damit bannt sie den Dünkel aus der Schule, trägt in sie hinein aber unendlch viel Sonnenschein und Lebensfreude. Und gerade der heimatkundliche Unterricht ist Mittel- und Ausgangspunkt für die Betrachtung der gesamten Umwelt. Hier hat jedes Kind Gelegenheit, neue Beobachtungen zu machen, mindestens Beobachtungen, die ihm neu sind.
Das alles ist nur möglich, wenn dem Lehrer Gelegenheit gegeben wird, Heimatkunde gründlich zu studieren.
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Ich habe schon oben gesagt, dass die Frage des heimatkundlichen Instituts eng verknüpft ist mit der Lehrerbildungsfrage. Mag diese gelöst werden wie sie will. Mögen die zukünftigen Grundschullehrer auf der Universität, auf einer Lehrerhochschule oder einem pädagogischen Institut ausgebildet werden die Frage nach dem heimatkundlichen Institut wird dadurch nicht wesentlich berührt. Letzteres könnte mit jeder der genannten Anstalten verbunden werden. Wohl kaum hätte man heute den Mut, vom Staate Mittel zur Errichtung heimatkundlicher Institute zu fordern. Neue Mittel gibt es nicht. Wohl aber könnten die Mittel beschafft werden durch Zusammenlegung der Lehrerseminare. 16 Millionen werden nach Karstädt( Vortrag im Berliner Lehrerverein am 30. 1. 20) für die Umgestaltung der Lehrerbildung frei. Ein kleiner Teil dieser Summe genügt zur Gründung von heimatkundlichen Instituten, die einen erheblichen Anteil an der Lehrerbildung haben würden. Stützen müssten sich diese Institute auch auf Heimatmuseen und Gesellschaften für Heimatkunde. Die Sammlungen der Museen und die Bibliotheken der Gesellschaften würden vom ersten Tage an ein so reichhaltiges Studienmaterial zu bieten haben, wie es unter den heutigen Verhältnissen kaum noch zu beschaffen wäre.
So könnten diese Institute für Heimatkunde reichen Segen stiften. Die so notwendig in Angriff zu nehmenden Arbeiten über Mundarten, Sagen und Märchen der engeren Heimat, über Flurnamen, Dorf- und Hausformen, über vorgeschichtliche Siedlungsspuren, über heimische Geschichtsschreiber, Mundarten u. a. m. könnten und müssten auf diese Weise endlich in ausserordentlichem Masse Anregung empfangen. Die Zusammenarbeit der Heimatkundlichen Institute mit den Heimatmuseen und den Gesellschaften für Heimatkunde würde der Heimatforschung neues Leben geben. Die Heimatkunde als Wissenschaft würde in ungeahntem Masse aufblühen und Früchte zeitigen, die durch die ebenfalls gemeinsame Arbeit der Belehrung durch Schulen, Museen und Vorträge in Gesellschaftsversammlungen allen Kreisen übermittelt werden. So würde alle dem Quell reiner Wissenschaft entsprungene Erkenntnis durch zahllose Kanäle in reinster Form den weitesten Schichten unseres Volkes zugeführt und der Sinn für Heimatpflege und damit die Liebe zur Heimat mächtig