Heft 
(1919) 27
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gefördert. Die reine voraussetzungslose Wissenschaft träte so unmittelbar in den Dienst des Volksganzen. Forschung und Lehre würden hier in weitestem Umfange Hand in Hand arbeiten, und es wäre in diesem Falle die wissenschaftliche Anstalt auch in den Dienst der Berufsbildung gestellt. Wichtige und schwierige Probleme der zukünftigen Lehrer­bildung wären gelöst, und der Arbeit unserer Schule wäre nicht nur ein neues Ziel gesteckt, sondern zugleich ein Mittel in die Hand gegeben, durch das sie diesem Ideal erfolgreich nachstreben kann.

Welche Schritte sind da zu tun? Darüber sind sich wohl alle klar: Es muss schnell gearbeitet werden. Die Frage der Gründung heimat­kundlicher Institute ist mit so vielen Lebensfragen aus dem Bereiche der Bildung und des Unterrichts verquickt und verwoben, dass wir nicht warten können, bis alle jene Fragen gelöst sind. Lehrerbildung, Um­gestaltung der Ausbildung der Oberlehrer, Universitätsreform erfordern noch reifliche Erwägung. Der beste und am schnellsten zum Ziele führende Weg wäre der, dass sogleich, also noch vor der Lösung oben genannter Probleme in der Reichshauptstadt ein Institut für Heimat­kunde" geschaffen würde im Anschluss an das Zentral- Institut für Erziehung und Unterricht", das Keime zu dieser Einrichtung schon enthält. Das anzugliedernde Institut für Heimatkunde" könnte zugleich Versuch und Vorbild werden für die in anderen Ländern und Provinzen zu errichtenden Institute. Es würde so alle Aufgaben über­nehmen können, die durch Umgestaltung der Lehrpläne und durch die in neuester Zeit von allen Seiten geforderte Umgestaltung des Unterrichts an die Unterrichtsverwaltung herantreten:

1. Fortbildung der schon im Amté befindlichen Oberlehrer und Lehrer in der Richtung der neuen Anforderungen des heimatkundlichen Unterrichts.

2. Verknüpfung der verschiedenen Unterrichtsfächer, die als Grund­lagen des heimatkundlichen Unterrichts zu betrachten sind.

3. Gründliche Ausbildung von Lehrkräften für den heimatkundlichen Unterricht der zukünftigen Lehrerbildungsanstalten( ganz gleichgültig, ob Universität oder Lehrerhochschule), soweit diese Ausbildung von den bisherigen Hochschulen nicht geleistet worden ist und nicht geleistet werden kann.

Der Besetzung der Lehrämter aller Lehrerbildungsanstalten mit ge­eigneten Kräften werden grosse Schwierigkeiten entgegenstehen. Schon aus diesem Grunde ist die beschleunigte Gründung eines Instituts für Heimatkunde eine unbedingte Notwendigkeit.( Vgl. Spranger, Gedanken zur Lehrerbildung S. 60.)

Zugleich würde mit diesem Institut für Heimatkunde der erste Schritt auf dem Wege der Umgestaltung der Lehrerbildung getan sein. Ohne irgend ein Vorwegnehmen und ohne irgend eine Bindung nach einer Richtung hin würde dieses Institut schon jetzt jedem