Fragekasten.
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bei städtischem Ausbau der Straße „An der Fischerbrücke“ landfest gemacht. Das nach den Enteignungen übrig bleibende Gelände ist noch immer sehr geräumig und für die Anlegung öffentlicher Etablissements wohl geeignet. Die ältesten Bauten auf dem Inselspeicher stammen aus dem 18. Jahrhundert und verraten noch immer trotz ihres jetzigen arg verfallenen Äußern, daß sie einst architektonisch hervorragende und sehr ansehnliche Häuser darstellten, die von anmutigen Blumengärten umgeben waren. Die jetzigen drei Besitzer des Inselspeichergrundstücks An der Fischerbriickestr. 17/18 sind die Rentieren Lewy und Lissauer sowieder Kaufmann Emil Strich. E. Fr.
Wer war der sogen. Zopfschulz und Aufklärungs-Dragoner Schulz in Gielsdorf? Das Wöllnersche Religionsedikt vom 9. Juli 1788 (F. W. II.), vom Minister Wöllner verfaßt, verbot den Geistlichen jede Abweichung von den Bekenntnisschriften in Lehre und Predigt bei Strafe der Amtsentsetzung. (Aufgehoben bereits 1797 durch F. W. III.).
Der Zopfprediger Johann Heinrich Schulz zu Gielsdorf, Kreis Ober-Barnim, war durch gutes Beispiel und sittliche Arbeit von seiner Gemeinde hoch geschätzt, hatte sich aber bald nach Erscheinen des Edikts „unüberlegteste Äußerungen gegen Moses und über symbolische Lehren“ zu Schulden kommen lassen. „Mit unglaublicher Unvorsichtigkeit und Roheit hätte er gegen verschiedene kirchliche Dogmen gepredigt und überdies durch seine moderne Haarfrisur Anstoß erregt.“ Seit Erscheinen des Ediktes war er deshalb in Untersuchung, wurde aber am 19. Mai 1792 vom Kammergericht freigesprochen (mit Stimmenmehrheit). Auf Wöllners Veranlassung erfolgte indes im September 1793 eine Kabinettsorder, welche gleichwohl die Absetzung des „Zopfschulzen und Aufklärungs-Dragoners“ Johann Heinrich Schulz zu Gielsdorf aussprach, während allerdings die Gnade des Königs ihn hinterher mit einer Zivilversorgung bedachte. Er starb 1823 in Berlin als pensionierter Geschirrschreiber bei der Kgl. Porzellanmanufaktur. A. G.
F. T. Vom Erfrieren tropischer Pflanzen. Sie wundern sich, daß bei uns dergleichen Pflanzen bei geringem Frost erfrieren, die in ihrer Heimat dieselben und noch höhere Kältegrade ohne Schädigung ertragen. Ich kann Ihnen nur mit den Worten eines unserer besten Sachverständigen Prof. Dr. Graebner vom Botanischen Garten zu Dahlem (Natunv. Wochenschrift N. F. VH, S. 720) antworten. „Es ist weniger die absolute Winterkält.e, die diesen Pflanzen so schädlich ist, sondern unser meist kurzer und kühler • Herbst bewirkt, daß das Holz, wie die Gärtner sagen, nicht ganz ausreift, daß (las plastische Material nicht völlig in den wasserunlöslichen Zustand (Reservesubstanz) übergeführt worden ist, wenn die Wmterfröste einsetzen. Dies ist der Grund, weshalb die subtropischen Pflanzen bei uns bei Kältegraden ganz vernichtet werden, die ihnen im Mittelmeergebiet nichts oder wenig schaden. Lorbeer, Myrte, Phoenix, Oleander u. a. sterben im Mittelmeergebiet selbst bei — 5 bis 7° nicht ab, bei uns sind sie bei ganz geringen Kältegraden tot. Tamarisken, Papiermaulbeerbaum usw. bilden in der