Die Prignitz.
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ab. Östlich der Dosse breitet sich eine Depression aus, welche nur 60 m Meereshöhe besitzt. In ihr entspringen mehrere kurze Bache, welche zur Dosse strömen. Weiter nach Osten hebt sich das Gelände wieder ganz allmählich bis auf 90 m und bildet aufs neue eine ausgedehnte ebene Fläche, die südlich von Schweinrich auf dem Kootzen eine schildartige Ausbildung erhält, so dass die weitere Umgebung völlig verschwindet. Hier aber ist auch keine Spur mehr von der Grundmoräne vorhanden. Der Boden besteht aus dem ärmlichsten Sand. Es giebt in der Mark wohl wenige Striche, die in ähnlicher Weise den Eindruck der Verlassenheit machen wie dieser Streifen zwischen Zootzen und Schweinrich. Der Landstrasse fehlt eine scharfe Begrenzung. Ein paar halbverkrüppelte Birken stehen neben den Geleisen, und zwei oder drei solcher ziehen sich in flachen Windungen durch den tiefen Sand. Zwischen den Räderspuren wächst trockenes spärliches Gras oder ein paar Stielchen des Habichtskrautes, und einige blaue Köpfchen der Jasione recken sich empor. Graue Flechten über- spinnen den Boden der Forst und umwickeln auch die Stäinmchen der jungen Kiefern mit ihrem Filz. Die Stoppelfelder sind bedeckt mit den dürftigen grauen Pflänzchen des Ackeriilzkrautes (Filago arvensis). Der Grundsteuerreinertrag ist natürlich hier der geringste im ganzen Gebiet. Zootzen hat 9 Sgr. pro Morgen, Schweinrich 5 Sgr., Dranse 7 Sgr. und Zechlin 12 Sgr. Mit der traurigen Beschaffenheit des Bodens hängt es zusammen, dass hier die Kiefernwaldungen einen so grossen Umfang annelnnen. Die grösste ist die Zechliner Forst, welche über 10 kin breit und lang ist. Nachbarlich hängen mit ihr zusammen die Fretzdorfer, Rossower und Neuglienicker. Am bekanntesten ist die grosse Wittstocker Heide. Sie steht auf demselben öden Sand, er hat aber eine tiefere Lage und wird ausserdem durch den dichten Wald selber feucht gehalten; deshalb macht sie einen so günstigen Eindruck. Damit haben wir die Grenze der Prignitz erreicht, denn die Seen entwässern schon zum Rhin.
Das Havelberger Vorgebirge. Für die geologische Betrachtung bleibt endlich nur noch der südliche Zipfel übrig, welcher in das Havel- bergcr Vorgebirge ausläuft. Die orographische und geologische Ausbildung wird bedingt durch das nördlich vorgelagerte Geschiebelehmplateau von Pritzwalk. Am Südrande desselben entspringen, genau wie am Ostrande, zahlreiche kleine «Bäche und Flüsse, so dass auch hier das Gelände ähnlich zerrissen ist, womöglich noch mehr, denn die Bäche sind noch zahlreicher, und die Hügelung daher noch auffallender. Derartig gebaut ist ein ungefähr 5 km breiter Streifen, auf diesen folgt ein zweiter, noch eigenartigerer. Er umfasst mehrere ausgedehnte Luche. Eins davon heisst das grosse Luch südlich von Dannenwalde. In ihm liegen die Quellen der Karthan und der Jägelitz, die beide nach