Die Prignitz.
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am den Wechsel in der Ertragsfähigkeit des Bodens besser zu beleuchten. Am deutlichsten aber geht die Rolle des Bodens aus folgenden Zahlen hervor. Die Ostprignitz ist 188121 ha gross und hat 68 927 Einwohner, während die Westprignitz nur 146 382 ha misst und dagegen 72 926 Einwohner hat.
Der Siedelungsplan. Für die Verteilung der Siedelungen ist die Fruchtbarkeit des Bodens wohl der wichtigste Faktor, neben ihm muss aber noch ein zweiter in Betracht gezogen werden, es sind das die Thalzüge mit ihrem üppigen Graswuchs, welcher die Siedler angelockt hat. Dazu kommt noch, dass die Prignitz von allen Strichen der Mark der Meeresküste am nächsten liegt, so dass sich hier schon 600 bis 700 mm Regenhöhe finden. Am zahlreichsten sind die Siedelungen an der Stepenitz. Hier folgen die Dörfer aufeinander wie die Perlen auf einer Schnur. Ähnlich ist es auch mit der Löcknitz bestellt. Bedeutend weniger dicht liegen die Dörfer an der Dosse. Aber aucli seitwärts von dem llauptflusse folgen die Dörfer den kleinen • und kleinsten Nebenbächen mit ihren Wiesengründen. Am auffälligsten ist dies im Gebiet der Jägelitz und des Nadelbaches. Wo sich im Hiuter- lande der llavelberger Spitze die grossen Luche ausbreiten, liegen die Dörfer an den Rändern derselben auf den Plateauabhängen. In dem Landschaftsbilde der Prignitz bilden daher die Koppeln mit Rindvieh und Fohlen einen charakteristischen Bestandteil. Am intensivsten ist natürlich die Grasnutzung in der Elbniederung in den Lenzer Wischen, liier finden sich bei dem Dorfe Breetz sog. Fettweiden, d. h. Grasflächen, auf denen fast das ganze Jahr hindurch Mastochsen weiden und marktfähig werden. Und wenn man in diese Gegend zur Zeit der Heuernte kommt, dann duftet es überall nach Cumarin.
Im allgemeinen liegen die Dörfer ausserhalb der eigentlichen Niederung, aber es giebt auch Ausnahmen. Das Löcknitzthal ist etwas breiter als die übrigen, es beherbergt daher das Schloss Stavenow, das dem Grafen von Voss gehört, und das Dorf Mesekow. Vor allem aber sind es die Städte der Prignitz, welche in den Niederungen liegen. Natürlich müssen sie dazu besonders weit sein. Das gilt von Perleberg im Unterlauf der Stepenitz und von Kyritz im Thal der Jägelitz, während Wittstock und Pritzwalk sich dort angesiedelt haben, wo das Thal durch das Zusammentreffen zweier Bäche einen grösseren Umfang angenommen hat. Bei Pritzwalk sind es Rodane und Dömnitz und bei Wittstock Glinze und Dosse. Bei Wittstock, wo sich die alten Befestigungen noch in ihrem ganzen Umfange erhalten haben, kann man sehen, wie das Gelände in die Befestigung hineingezogen worden ist. Die Stadt liegt in dem Winkel zwischen Glinze und Dosse, wobei sie sich an die Plateauböschung lehnt. Während nun im Thale eine ein-