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Eduard Zache:
fache Mauer als ausreichend befunden worden ist, trennen zwei tiefe Wallgräben die Stadt vom Plateau.
Der Dorf plan. Wie überall im Kolonisationsgebiet, so treffen wir auch in der Prignitz zwei Typen von Dorfplänen, das Runddorf und das Langdorf. Bei dem echten Runddorf führt die Landstrasse neben dem Dorfe vorüber, und die Gehöfte gruppieren sich um den Dorfplatz. Bei dem Langdorf ist die Landstrasse die Dorfstrasse, und die Gehöfte liegen zu beiden Seiten derselben. Typische Runddörfer sind nur noch in geringer Anzahl vorhanden. Ein sehr schönes ist Jabel bei Wittstock, ferner Wilmersdorf und Kriissow zwischen Pritz- walk und Wittstock und Ilohenvier nördlich von Perleberg. Andere verraten wohl die alte Anordnung um den Dorfplatz noch, die Gehöfte sind aber schon weiter auseinander gerückt, da nach Bränden die Neubauten nicht mehr so eng aufgeführt werden dürfen. Das gilt z. B. von Wilmersdorf, das schon oben erwähnt wurde. Hier ist ein neues umfangreicheres Runddorf entstanden, in dessen Mitte sich nun, auf dem' alten Dorfplatz, eine Anzahl Gärten befinden. Andere Runddörfer halten neben dem ehemaligen einzigen Eingang deren mehrere erhalten. Auffällig ist es, dass an der Stepenitz mehrere Runddörfer hintereinander liegen, sie heissen Kohlsdorf, Kreuzburg, Seddin, Ilelle und Lockstedt.
Die Dorfnamen. Wie der Plan, so sind auch die Namen doppelter Art. Es giebt solche mit deutschem Klang und mit wendischem. Es lässt sich nun kein Gesetz finden zwischen dem Grundriss des Dorfes und seinem Namen. Es giebt Langdörfer mit wendischen Namen und Runddörfer mit deutschen. Wilmersdorf z. B. ist ein ausgesprochenes Runddorf, ebenso Klein -Woltersdorf, während Gross- Panko-w und Reetz Langdörfer sind. Überwiegend aber führen die Langdörfer doch deutsche Namen z. B. Giesensdorf, Buchholz, Kuhsdorf u. s. w. Die grosse Mehrzahl der deutschen Dörfer endet auf dorf, dann folgen solche auf liagen, hausen, heck und leben. Die Namen mit wendischem Klang treten zurück. Die Mehrzahl UDter ihuen endet auf ow, in und itz.
Der Gehöfteplan. Für den Aufbau der Gehöfte ist die Platzfrage das Entscheidende. In den meisten Gehöften steht das Wohnhaus mit der Front parallel zur Strasse, dahinter folgen zu beiden Seiten die Ställe, und die Scheune schliesst das Gehöft ab. In den kleinen Wirtschaften findet sich nur ein Stall und an der Stelle des anderen steht das Wohnhaus, das \iereck ist durch einen Zaun nach der Strasse hin abgeschlossen. Neben dieser Anlage trifft man, am häufigsten in dem westlichen Grenzstrich, die alte fränkische Hofanlage noch in einigen Wirtschaften: Es ist hier an der Strasse ein Thorhaus mit Scheune vorhanden, und das Wohnhaus steht im Hintergründe. Überall aber