Heft 
(1902) 10
Seite
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Eduard Zache:

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In Mödlich finden sich bei den grösseren Wirtschaften noch einige Nebengebäude, eine Scheune und ein Ausgedingerhaus.

Was das Baumaterial betrifft, so herrscht Steinfach werk mit Ziegeldach überall vor. Gebäude aus Holz sind gänzlich verschwunden. In Deibow fand ich noch einen solchen Stall mit der Jahreszahl 1690. In der Nähe der grossen Verkehrslinien, z. B. in Karstedt an der Berlin-Hamburger Bahn trifft man ganz massive Gehöfte mit Schiefer­dächern und Wohnhäusern mit 8 Fenstern Front. Im ganzen giebt es nur sehr wenige Dörfer, welche einen ärmlichen Eindruck machen, und das sind dann solche, welche in den Sandstrichen liegen.

Die Verkehrslinien. In dem Grundriss der menschlichen Betriebsamkeit in einer Landschaft bilden die Verkehrslinien einen wichtigen Faktor. Die von der Natur gegebenen Strassen sind in der Norddeutschen Tiefebene die Wasserstrasse, deshalb finden wir sie auch früher erwähnt als die Landstrassen. In der Priguitz war es natürlich die Elbe, welche die Richtung angab. In Lenzen befand sich ein Zoll, welcher in seinem Ertrage im Anfang des 17. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreichte. Der brandenburgische Kornzoll in Lenzen*) warf Crucis 1608 bis Crucis 1609 der kurfürstlichen Kasse 119 799 Tlialer 10*/ 2 Pf. ab. Es ist das allerdings die höchste Ziffer, die später nicht wieder erreicht wurde. Für den Ausbau des Verkehrsnetzes im modernen Sinne ist die Linie Hamburg-Berlin bestimmend gewesen. Zuerst war es die grosse Chaussee und darauf die Eisenbahn. Mit dieser Linie haben die übrigen Städte Fühlung gesucht, und es ist interessant, dass sich in Pritzwalk ein beachtenswerter Knotenpunkt herausgebildet hat. Die Steinbahn Berlin-Hamburg führte über Perleberg, während die Eisenbahn die alte Chaussee nur bis Neustadt a. D. begleitet und hier links abbiegt, um nach Wittenberge zu gehen. Hinter Wittenberge kreuzt die Eisenbahn die Hamburger Chaussee bei Karstedt. Auch in dem Nebengelände findet sich der enge Parallelismus zwischen Stein­bahn und Eisenbahn. Es ist sehr interessant den Einfluss der Eisen­bahn auf die Entwicklung der Städte zu verfolgen. Es ist nur Witten­berge, welches einen besonderen Zuwachs erfahren hat. Während z. B. Perleberg**) im Jahre 1800 schon 2766 Einwohner hatte, besass zu der­selben Zeit Wittenberge nur 884. Im Jahre 1845 wurde die Hamburger Bahn eröffnet. Die Folge war, dass Wittenberge 1850 schon auf 4176 Einwohner angewachsen war und Perleberg nur auf 6500. Im Jahre 1900 hatte Wittenberge mit 16 258 Bewohnern Perleberg mit 8000 weit überflügelt. Wittenberge ist im Laufe des vorigen Jahrhunderts

*) Die Elbzölle und Elbstapelplätze im Mittelalter v. Dr. phil. B. Weissenborn. Halle a. S. 1901.

**) Bergbaus: Landbuch der Mark Brandenburg. 1855.