Heft 
(1902) 10
Seite
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Eduard Zache:

teilnng des Grundes und Bodens ist sicherlich in den grossen Zügen von alters her dieselbe geblieben. Sie stammt gewiss schon aus der Zeit der deutschen Besiedelung. So mannigfaltige Umwandlungen auch die rechtlichen Verhältnisse der Besitzer erfahren haben mögen, und so sehr auch die landwirtschaftliche Betriebsweise sich geändert haben mag, die Verteilung des Areals ist wohl ziemlich konstant geblieben. Leider wissen wir sehr wenig über die Besitzverhältnisse aus der wendischen Zeit. Die Chronisten hatten damals kein Interesse für diese Dinge, und das Schreiben wurde ihnen saurer als jetzt. Und wenn wir heutigen Tages klagen, dass zuviel geschrieben wird, so bedauern wir es, dass damals nicht genug aufgeschrieben worden ist. Es waren nur die lauten kriegerischen Ereignisse, die Interesse erregten, die friedliche Arbeit der Kolonisation wurde nicht beachtet. Und doch ist dieser Mangel an Urkunden lehrreich genug; es geht eben hieraus hervor, dass diese Arbeit eine durchaus friedliche war. Nur die geistlichen Herren, die ja geübter im Schreiben, auch eifriger auf den Besitz waren, haben etwas aufgeschrieben. Das Kloster Amelungsborn*) im Braun­schweigischen war in den Besitz mehrerer Dörfer in der Nachbarschaft von Zechlin gekommen. Unter ihnen war ein Dorf wüst geworden, deshalb sollten dessen Hufen an die Nachbargemeinden ausgegeben werden. Es heisst nun in der Urkunde, dasssie nicht der Gemein­schaft, sondern den zuverlässigen und sicheren Leuten im Dorfe gegeben werden sollten. Das deutet darauf hin, dass hier der Acker­bau zwischen LKMJ und U550 noch teilweise gemeinschaftlich betrieben wurde, so dass sich ein Rest altslavischen Kommunismus erhalten hatte. Es ist wohl sicher, dass dieser Kommunismus es war, welcher die Aufteilung bei der Besiedelung erleichterte, denn auch die Wenden erhielten hierbei ihren Anteil und waren gewiss selbst über ein geringeres Stück noch erfreut, da sie vorher doch gar kein persön­liches Recht darauf hatten.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Prignitz der erste Strich Osteibiens war, welcher besiedelt wurde, deshalb nahm er auch den grössten Schub der westelbischen Auswanderer auf. Albrecht der Bär verteilte das Land unter seine Waffengefährten, und auch die geistlichen Herren erhielten ihren Anteil. Es ist wohl möglich, dass auch wendische Häuptlinge sich unterwarfen und deshalb in ihrem Besitz blieben. Die grössten Grundbesitzer waren die Edlen Gänse von Putlitz, sie waren Herren von Putlitz, Perleberg und Wittstock. Bergbaus berechnet, dass ihr Besitz im 15. Jahrhundert noch 7 Quadratmeileu gross war. Ihre unabhängigere Stellung zum Landesherrn geht daraus

*) Guttmann. Die Gennanisierung der Slaven in der Mark. Forschungen Brdbg.-preuss. Geschichte IX. 1897. 8 . 39 .

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