Heft 
(1902) 10
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Die Prignitz.

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hervor, dass ihnen ein regio propria zugeschrieben wird, in welcher sie das Kloster Marienfliess gründeten, was sie wohl schwerlich mit landesherxiichem Pfandgute thun durften. Neben den Edlen Gänsen, die sich heutigen Tages alle nach dem Städtchen Putlitz nennen, sind noch die Familien Kröcher, Karstedt, Saldern, Winterfeld, Rohr, "Voss, Jagow, Klitzing und Wartenberg hier begütert. Einige von ihnen waren aus der benachbarten Altmark hierher übergesiedelt z. B. die Kröcher und die Edlen von Plotlio. Die Rohrs dagegen stammen aus Bayern, und ein Rohr wurde unter Ludwig dem Bayern mit Meyenburg, Neuhausen und Freienstein belehnt. Die berühmteste Familie ist aber die der Quitzows, welche jetzt nicht mehr in der Prignitz begütert ist. Ihre Glanzzeit liegt in den Jahren kurz vor dem Auftreten der Hohen- zollern, aber auch später waren sie noch reich und kunstliebend, dafür sprechen die prächtigen Grabsteine in den Kirchen von Rühstedt und Kletzke und das Denkmal auf der Dorfstrasse von Legde.

Die Städte. Mit besonderem Eifer betrieben die Askanier die Gründung von Städten. Sie gingen darin ganz systematisch zu Werke, indem sie eine Art Einteilung schufen, so dass eine Stadt der wirt­schaftliche Mittelpunkt für einen grösseren Landstrich wurde. Diese Bedeutung haben die Landstädte auch heutigen Tages noch. Pritzwalk ist hierfür das beste Beispiel. Es hat 1256 von Johann I. und Otto III. Stadtrecht erhalten.. Andere Städte wieder -waren Gründungen von Rittern oder der Geistlichkeit. Zu der ersten Gruppe gehörten Perleberg und Kyritz und zu der letzten Wittstock. Über die Entwicklung der Stadt Perleberg geben einige erhaltene Uikunden Aufschluss. Die Stadt ist eine Gründung Stendaler Kaufleute, welche sich dort im Schutze der Gänseburg niedergelassen hatten, offenbar angelockt durch die grosse Strasse, welche sich hier schon nach dem Osten hin auszu­bilden begonnen hatte. Nachdem der Platz um die Nicolaikirche zu eng geworden war, wurde der Marktplatz abgesteckt und die Jakobi­kirche erbaut; hieran schlossen sich die Jüdenstrasse, Krämerstrasse, ßäckerstrasse und die Kirchstrasse. Sicher wurde die Anlage durch die Edlen Gänse nach allen Richtungen gefördert, äusserlich z. B. durch die Abgabe von Grund und Boden. Aber auch die innere Entwicklung unterstützten sie. Im Jahre 1239*) schickten die Bürger der jungen Stadt mit Erlaubnis ihres Herrn des Edlen Herrn Johann Gans zu Putlitz zwei von den Vornehmsten aus dem Stadtrat an die Konsuln von Salzwedel, um zu erfahren, was Rechtens sei in dem schweren Zwist, welcher die Stadt zu gefährden drohte. Das Weistum, durch welches sie den Zwist beilegten, fand den Beifall des Stadtherrn. Dieses

*) E. Liesegang: Zur Verfassungsgeschichte von Perleberg. Forschungen zur Brandb.-preuss. Geschichte. IV. Bd. 1891. S. 77.

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