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Eduard Zache:
10 Tuchscheerer, 4 W alkm filler und 4 Färber, welche für 110 000 Thaler Tücher, Friese, Boie und Flanelle anfertigten. Im Jahre 1854 arbeiteten 100 Tuchmacher, 8 Tuchscheerer, 6 Färber und dazu 4 Tuchfabriken. Der Grundbesitz der Stadt ist über eine Quadratmeile gross und schliesst die prächtige Wittstocker Heide ein, welche 3200 ha gross ist. Bei der Aufhebung des Bistums Havelberg ging der Besitz an den Kurfürsten Joachim II. über und wurde kurfürstliche Domäne. Von dem grossen Grundbesitz ist aber heutigen Tages nur noch wenig fiskalisch. Es ist das der zerfallene bischöfliche Schlosshof, das Vorwerk Scharfenberg und die Domäne Goldbeck. Frctzdorf ging bald nach der Reformation in den Besitz der Familie von Karstedt über, und die Plattenburg verlieh Joachim II. seinem ersten Hofbeamten Matthias von Saldem, dessen Nachkomme, der Ritterschaftsdirektor Siegfried von Saldern es heute besitzt. Zechlin endlich war bis in die Zeit des dreissigjährigen Krieges die Residenz kurfürstlicher Prinzen.
Während der Grundbesitz der geistlichen Herren sich gänzlich zersplittert hat, ist von dem Besitz der geistlichen Damen noch ein ansehnlicher Komplex übrig geblieben. Es sind das die beiden Fräuleinstifte Heiligen Grabe und Marienfliess an der Stepenitz. Ersteres ist hervorgegangen aus dein Cisterzienser Jungfrauenkloster zum Heiligen Grabe, das sich nachbarlich 10 km westlich neben Wittstock angesiedelt hat. Bischof Heinrich von Havelberg hatte 1287 die Gründung veranlasst und zwar an einer Stelle, wo man eine mit Blut
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Fig. 10.
Stiftshof Heiligen Grabe. Nach einer Photographie
befleckte Hostie wiedergefunden hatte, welche von einem Juden gestohlen worden war. Auch hier müssen reichliche Opferspenden geflossen sein, denn das Kloster erwarb allmählich umfangreichen Grundbesitz, von dem die Güter Bölzke, Könkendorf und Rapshagen übrig geblieben sind.