Heft 
(1902) 10
Seite
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Die Prignit*.

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Die Stiftskirche ist ein Granitbau mit schönem Stufengiebel und stammt in ihren Grundzügen aus der Zeit der Gründung. Daneben befindet sich das Klostergebäude. Es umschliesst viereckig einen kleinen Hof und besitzt einen sehr schönen Kreuzgang. In dem einen Gebäude des Vierecks befindet sich der Conventssaal mit den Bildnissen der Äbtissinnen und die Kapelle zum Heiligen Grabe. Die übrigen Räum­lichkeiten sind als Schulstuben eingerichtet worden, denn die Stifts­damen haben Pensionärinnen, junge Mädchen, welche teils von ihnen selbst, teils von engagierten Lehrerinnen unterrichtet werden. Es residieren hier gegenwärtig zwölf Damen unter einer Domina. Die Damen selbst wohnen in besonderen Häusern, welche in einem umfang­reichen Garten liegen. Zu einem ähnlichen Damenstift ist das ehe­malige Jungfrauenkloster Marienfliess an der Stepenitz umgewandelt worden, das 1280 durch Johann Gans Edlen Herrn zu Putlitz gegründet worden war. Es beherbergt nur fünf Damen und eine Domina. Neben * diesen stattlichen Überresten frommen Eifers giebt es aber noch eine grosse Zahl bescheidener, welche wir nicht übergeheu wollen. Es sind das die Granitkirchen vieler Dörfer; ihre dicken Mauern haben den Ansturm der Zeiten überdauert, und die kleinen Fenster erinnern an Stürme, wo der Kirchturm des Dorfes und der Bergfried der Burg die letzte Zufluchtsstätte der Bedrängten werden konnte.

Die Kolonisation der Hohenzollern. Gründlich und nach allen Richtungen hin hatte die Kolonisation der Askanier das Land aufgeteilt, es war scheinbar kein Fleckchen übrig geblieben, trotzdem fanden die rastlos suchenden Augen der beiden grossen Hohenzollern- Kolonisatoren noch Platz für thätige Menschen. Friedrich Wilhelm I. verlegte in die waldreiche Gegend von Zechlin die Glashütte aus der Nachbarschaft von Potsdam. Nach dem Laudbuch der Grafschaft Ruppin von 1525 gab es in der Herrschaft Goldbeck einige wüste Feld­marken. Hier griff Friedrich der Grosse ein. Die wüste Mark Buchholz wurde 17801786 mit dem Vorwerk Friedrichsgüte besetzt und die Mark Lütken-Scharlank 1752 mit Kolonisten zu einem neuen Dorf Klein-Scharlank eingerichtet. Fiiedrich der Grosse griff aber in der Prignitz noch an einer anderen Stelle ein. Bis zum Jahre 1747 war das Silgebruch an der Einmündung der Löcknitz in das Elbthal ein unfruchtbares, wüstes Eisbruch. Bis zum Jahre 1750 ist es durch Abzugsgräben urbar gemacht worden. Diese Arbeit wurde 17821785 vervollständigt. Es wurde eine Kolonie gegründet, die sog. Lenzer Silge. Sie besteht aus einer Anzahl kleiner Wirtschaften mit Ackerland und Wiesen.