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Eduard Zache:
III. Die geschichtlichen Ereignisse.
Die Napoleonischen Kriege. Die Landschaft und der Boden sind die Basis, auf welcher sich die kriegerischen Ereignisse einer Zeit abgespielt haben. Wenn auch die Fälligkeiten von Führer und Truppen die ersten Faktoren sind, so wird ein geschickter Feldherr jene beiden nicht vernachlässigen. Die Zeiten liegen ja nun bald hundert Jahre zurück als die Mark und Preussen Kriegsschauplatz waren. In den Napoleonischen Kriegen lag die Prignitz vor dem linken Flügel der feindlichen Operationsbasis. Nach der Schlacht von Jena und Auerstädt war Napoleon in gerader Richtung auf Berlin vorgegangen, während sein linker Flügel allein der geschlagenen Armee gefolgt war. Hohenlohe hatte von Magdeburg aus nicht die gerade Strasse über Berlin zur Oder als Rückzugslinie gewählt, sondern hatte die schützenden Brücher des Rhins und der Havel in seine rechte Flanke gelegt, als er in einem grossen Bogen durch die Prignitz und die Grafschaft Ruppin auf Stettin abmarschiert war. Er selber war am 22. Oktober mit der Hauptmacht über Genthin und Rathenow auf Ruppin aufgebrochen, während die Kavallerie, links ausbiegend, über navelberg und Kyritz folgte. Blücher war am 24. Oktober bei Sandau über die Elbe gegangen und Karl August war ihm hier am 26. gefolgt. In der That schützten die Brücher die preussische Armee mehrere Tage, und der Feind hatte vollständig die Fühlung verloren, denn erst am 28. Oktober trafen beide Armeen bei Prenzlau zusammen. An die Zeit der französischen Okkupation erinnert in Kyritz ein Denkmal, das die Stadt zweien ihrer Bürger, den Kaufleuten Schulze und Kersten errichtet hat, welche von den Franzosen standrechtlich erschossen worden waren.
Der dreissigjährige Krieg. Eine ganz besondere Bedeutung hatte die Prignitz im dreissigjährigen Kriege. Hier war sie selber Operationsbasis, und hinter den Briichern der Havel und des Rhins suchte die schwedische Armee wiederholt Schutz. Wie wichtig die Prignitz war, davon zeugen noch die Überreste von Schanzwerken, die sich in ziemlich bedeutender Erstreckung an dem Ufer der Dömnitz, des Nebenflusses der Stepenitz, erhalten haben. Es sind das gemauerte Kasematten, die heutigen Tages zusammengebrochen sind, sich aber immer noch verfolgen lassen. Sie lehren, dass in dem Winkel zwischen der Stepenitz und der Dömnitz für längere Zeit ein festes Lager bestanden hat. Berghaus berichtet von ähnlichen Schanzen längs der Löcknitz; auf der Karte aber findet sich keine Angabe, sie werden daher wohl seit der Zeit schon verschwunden sein. Berühmt ist die Schlacht bei