Heft 
(1914) 22
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13.(4. ordentliche) VenunwiiUnu? des XXI. Verein»j*brc*.

Kollektion zu einem städtischen Neuköllner Museum auf dem vormals Körnerschen Gartengrundstück, das von der verlängerten Jonasstraße durchschnitten wird, zusammengelegt werden. Der Neubau, für den bereits im neuen Etat 170 000 Mark beantragt sind, wird das Museum mit zwei Abteilungen aufnehmen, Abt. A für angewandte Naturkunde und Abt B für Vorgeschichte, Geschichte uud Völkerkunde. Diese öffentliche Sammlung, genau berechnet auf das Lehr- und Lernbedürfnis einer vorwiegend industriellen Bevölkerung, wird einen Vortragssaal und den ganzen Apparat, den die moderne Museumstechnik mit Rücksicht auf möglichste Nutzbarmachung erheischt, erhalten.

Wir können von den öffentlichen Bauten der Stadtgemeinde Neukölln nicht scheiden, ohne des großartigen Krankenhauses in Buckow zu gedenken, das allmählich zu einer mustergiltigen Anstalt entwickelt wird, das bereits meliere hundert Betten zur Verfügung stellt und dabei erweiterungsfähig ist. Die geschmackvolle, den Kranken besonders wohl­tuende äußere und innere Ausstattung des Pavillons verdient alles Lob.

Gehen wir zu Privatbauten über, so hat Neukölln etwas voraus vor allen andern Großberliner Gemeinden, das ist die genossenschaftliche Bautätigkeit der GesellschaftIdeal besonders auf dein Gebiet der Kleinwohnungen (1 bis 3 Zimmer), die mit allem Komfort der Neuzeit, Zentralheizung, Warmwasserversorgung für alle häuslichen Zwecke, Ent­stäuberanlagen (zur Vermeidung des lästigen Staubklopfens) eingerichtet sind. Niemand sollte versäumen, sich die auf vier großen Höfen (die Ideal-Passage) mit Gartenanlagen ausgestatteten Häuser zwischen der Fulda- und Weichselstraße, den gelben 1 , den grünen 2., den grauen 3. und den violetten 4. Hof anzusehen. Dieselbe Gesellschaft hat in dem an­stoßenden Britz 50 000 qm an der Hannemann- und Franz-Körner-Straße zu beiden Seiten der Runginsstraße erworben und bereits angefangen, Kleinhäuser mit ähnlicher Ausstattung zu bauen.

So sehen wir in und bei Neukölln überall pulsierendes frisches Leben, was und wie aber Alt-Rixdorf war, das mögen unsere Leser auf einer Wanderung nach dem Richardplatz, auf und an dem noch einige alte Bauern- und Kolonistenhäuser stehen, sich vergegenwärtigen. Den Rückweg wähle man an dem freundlich geschmückten Hertzbergplatz vorbei längs der Alleebäume der sich stattlich entwickelnden breiten Kaiser-Friedrich- Straße und der nach mir benannten Friedel- und Grünauer Straße zum Görlitzer Bahnhof, von wo vielfache Verbindungen nach allen Stadt­gegenden sich öffnen. Der Volksdichter Karl Weise aus Freienwalde a. O. war in einem im Jahre 1874 gedichteten Liede mit einem bescheidenen Hafer-Motor zufrieden:

Wer von Berlin nach Rixdorf reiste,

Den gab man einst verloren schon;

Und wen der Sand nicht ganz verspeiste,