Heft 
(1914) 22
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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Der hieß Fortunas Lieblingssohn.

So klang's vor mehr denn dreißig Jahren,

Drum stand nach Rixdorf nie mein Sinn,

Denn nichts als Dünger sah man fahren Aus Spree-Athen nach Rixdorf hin.

Jetzt giebt's Palais und prächtige Straßen,

Daß jedes Auge staunen muß;

Nicht eine Kuh mehr sieht man grasen,

Auch führt dorthin ein Omnibus.

Man fragt nicht mehr nach Mund und Sternen Wie einst, sobald's hier finster ward,

Denn zahllos farbige Laternen Tun's dar, wo Labung unser harrt.

Wie begeistert würde der selige Karl Weise heute über das neuste Rixdorf-Neukölln sich freuen!

Kleine Mitteilungen.

Die Näpfchen an der Berliner Nikolaikirche. Um die Außenwand der Nikolaikirche läuft in geringer Höhe über dem Erdboden ein Gesims aus Sandstein. Darin befinden sich kugelrunde Vertiefungen oder Näpfchen in Größe einer halben Walnuß. Dergleichen künstliche Aushöhlungen kommen an mittelalterlichen Gotteshäusern anderer Stadte (Fürstenwalde, Bernau, Nauen, Spandau, Treuenbrietzen, Frankfurt a. O. usw.) außerordentlich häufig vor; doch selten in Berlin. Gelehrte und ungelehrte Leute haben sich über die Bedeutung dieser Zeichen schon den Kopf zerbrochen und Erklärungen in so großer Zahl horausgetüftelt, daß inan sie gar nicht alle aufzählen kann. So sicht man z. B. die Näpfchen an der Kirche zu Nauen als Kugelspuren aus der Franzosen- oder Schwedenzeit, in Bernau als Erinnerungszeichen an die Geburt von Mädchen an; anderwärts glaubt man, Kranke hätten sich ans den Steinen des heiligen Gebäudes etwas Rotstein herausgeschabt, um den Stoff ihren Salben und Mixturen zuzusetzen. In Berlin hat man die Sache natürlich zu erklären gesucht. Selbst die sogenannten alten Leute meinen hier, die fallenden Tropfen der Dachtraufe haben den Stein gehöhlt. Freilich übersehen sie dabei, daß vollkommen ähnliche Näpfchen an anderen Kirchen auch an solchen Stellen Vorkommen, die außerhalb des Bereichs der Dachtraufe liegen. Otto Monke.

Märkische Voksmedizin. Ein abergläubischer Brauch bestand bis vor ein paar Jahren noch in Lichterfelde bei Eberswalde, Kreis Ober- Barnim. Wenn jemand schwer krank wurde, schickte man zu den Kirchen- vorstchcrn, welche die durch die Gutsherrschaft 1651 gestifteten, noch jetzt vorhandenen Abendmahlsgeräte aufbewahrten. Die Kirchenvorsteher schabten alsdann etwas von dem Metall des Abendmahlskelches ab und geben dies in einem Stückchen Papier für den Kranken mit. Zu Hause wurde dies