Heft 
(1916) 24
Seite
181
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Karl Wolfram. Platter zur Heimatkunde des Kirchspieles Nackel (Mark). 181

Siedlungsarchäologische Übungen und Studien im Märkischen Museum.

Blätter zur Heimatkunde des Kirchspieles Nackel (Mark).

Von Karl Wolfram, Pfarrer.

1. Die Heimatflur und ihre vorgeschichtlichen Spuren.

Das Kirchspiel Nackel gehört politisch zum Kreise Ruppin, kirch­lich zur Synode Wusterhausen an der Dosse. Zu dem Dorfe gleichen Namens als derMuttergemeinde gehören seit unvordenklichen Zeiten alsTöchter die Kirch-Dörfer Läsikow und Wutzetz (mit Vorwerk Damm), bis 1740 auch noch Vichei.

Der Name Nackel wird auf behördliche Anordnung jetzt zwar mit doppeltem K-Laut geschrieben, aber genau wie die bekannte Stadt an der Netze gesprochen.

Die Südgrenze des Kirchspiels, von Westen nach Osten gerechnet, gleichlaufend mit den Grenzen des früheren (ungefähr 1900) abgerissenen Vorwerks Birkholz (= Vorw. Nackel), der Gemeinde Wutzetz und der Ritter­güter Damm I und II, bildet zugleich auch die Grenze des Kreises Ruppin gegen das Westbavelland. Ihre wunderliche Zickzackform bat sie durch den Lauf des Rhines in dem sumpfigen, mit Horsten durch­setzten Luchgeläude erhalten, ehe dieser in seiner nördlichsten, bei Fehrbellin vorbeifließenden Abzweigung von Vorwerk Damm bis zum Dreetzer See in den Jahren 1774-78 gerade gelegt wurde. Einen Besuch des Königs Friedrichs II. in der hiesigen Gegend beschreibt Fontane (abgedruckt bei E. Schmidt, die Grafschaft Ruppin, Neuruppin, R. Petreus Nachf. 1907. Seite 149 f., einem Werke, dem ich für manche Jahreszahl dankbar bin). Eine Erinnerung an diese Zeit besitzt die Pfarre Nackel in der sog.Wiese am Rhincanal bei der Brücke der Hamburger Chaussee. Der Graf von Bredow auf Görne als Kirchen­patron schenkte der Pfarre diese, jetzt nach Abverkauf an die Chaussee und Hamburger Eisenbahn noch etwa 5 Morgen betragenden Ländereien, da sie durch den Kanal von seinem sonstigen Besitz abgetrennt wurden. Ein Chaussee- und ein Eisenbahuhaus gehören hier zum Kirchspiel.

Beim Vorwerk Damm nimmt der Rhin die Temnitz, von Norden kommend, auf. Mit steilen Ufern durchbricht er hier diluviales und Dünen-Gelände, das wohl stets eine Furt für eine uralte Straße darbot; Heerstraße auchalte Hamburger Poststraße bis auf diesen Tag genannt. Aktenspuren deuten darauf hin, daß hier auch eine alte Zoll­stelle sich befand. Wir werden sie in einem 1914 abgebrochenen sehr alten Hause zu suchen haben. Es lag anscheinend auf einer Düne und war z. T. unterkellert. Das ist liier, wo der hohe Grundwasserstand noch heute eigentliche Keller unmöglich macht, eine Merkwürdigkeit,