Heft 
(1893) 2
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Wanderfahrt nach Fürstenwalde an der Spree.

des ersten Inlandeises war, aber auch zugleich ein Zeichen, dass mit dieser Leistung der Höhepunkt erreicht war, d. h. dass die Bewegung des Eises zum Stillstand gekommen war.

Aber diese Thatsache der Verbreitung der grossen Blöcke erlaubt vielleicht noch eine weitere theoretische Auslegung. Es ist wohl zweiftdlos, dass die Eisdecke zunächst eine gewisse Mächtigkeit erlangt haben musste, bevor sie diese Kiesen überhaupt in Bewegung zu setzen ver­mochte, und deshalb mussten sie sich auch schon wieder in einem gewissen, rückwärts liegenden Abstande vom Bande des Inlandeises niedersohlagen. Bevor das Eis also die nötige Stärke hatte, ging es über die Blöcke hinweg, wobei die kleineren, schon beweglichen Ge­schiebe diese Blöcke schrammten und rieben; deshalb haben alle grossen eine glatte, polierte Oberfläche. Und die Auskehlung des einen der Markgrafensteine ist vielleicht die Folge dieses beständigen Scheuer­prozesses.

Am Schlusse des Vortrages machte der II. Vorsitzende, Stadtrat Friedei, noch einmal auf die Auskehlung aufmerksam und Ausschuss­mitglied, Prof. Pr. Krause führte dieselbe auf die Stetigkeit des Windes zurück, der den Sand beständig gegen den Stein getrieben habe, wo­durch die Abschleifung hervorgerufen worden sei.

Zum Schluss berichtete im Angesicht der Steine der I. Schriftwart, Ferdinand Meyer, dass aus dem grössten der Blöcke; ilie Kiesenschale im Lustgarten unter Cantians Leitung gefertigt worden sei. Die Arbeit begann im Mai 1827 und bereits nach .lahresfrist konnte die ltiOO Otr. schwere Schale von 69 Fass 7 Zoll Umfang auf Ilolzwalzen von ihrem Standort bis zu dem s /i Meilen entfernten Punkte an der Spree, und zwar auf einem zuvor gebahnten Wege, befördert werden. Dieser Transport erforderte 6 Wochen. Am 6. November langte sie auf einem besonders eingerichteten Spreekahn glücklich in Berlin an, das gesamte Steinruetzpersonal (44 Mann) auf ihrem Bande und den Meister ('mithin mit sich führend. Bei dem Transport durch die Stadt mussten die hölzernen Pfosten der zu engen Grünstrassen-Briicke um ein Bedeutendes ausgestemmt werden. Das Abschieden und Polieren der Schale erfolgte in einem am Spree-Ufer (an der Lustgartenseite) errichteten Gebäude mittelst einer Dampfmaschine, welche Arbeit nach 2 1 3 jähriger Dauer beendet 'war. Für die Aufstellung dieser grössten aller Vasen hatte der König die Kotunde des Bilder-Museums bestimmt, auf Schinkels Vor­stellung jedoch Abstand davon genommen. Leider erhielt die Schale während des Absehleifens einen Sprung und musste, nicht zu ihrem Vorteil, durch Granitwürfel gestützt werden.

Bevor der Abstieg nach Kauen angetreten wurde, machte unser Mitglied, der Hof-Goldschmied und Juwelier T eige, einige photo­graphische Aufnahmen der Steine. In Rauen wurde die ehrwürdige