Kleine Mitteilungen.
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Pächter Otto hat diese Erscheinung in seiner Praxis schon einige Male beobachtet und stets gefunden, daß dieses Massensterben der Fische bei stark mit Gewittern geschwängerter Luft eintrat, wobei sich allemal das Wasser dunkelgrün färbte. Bei kurz darauf eingetretenem hellen Wetter bekam das Wasser seine gewöhnliche helle Farbe wieder und hörte auch hiermit das Hinstcrben der Fische auf. Dieser Umstand ist auch diesmal wieder cingetretcn und haben sich neue todte oder sterbende Fische nicht mehr vorgefunden. Herrn Otto ist durch diese Kalamität ein Schaden von mindestens 1000 Mark erwachsen, indem insbesondere ihm viele seiner vor zwei Jahren mit bedeutenden Kosten und Mühen eingesetzten Zander, die schon fast durchschnittlich ein Gewicht von 3 bis 4 Pfund erreicht hatten, gestorben sind, da dieser Fisch besonders zart und empfindlich ist.
Berl. Tagebl. 24. Juli 1880.
Über die Ursache des Fischsterbens, wie es zum öfteren in der Havel und deren Seen, neuerdings wieder im Straußsee, zur Erscheinung gekommen ist, schreibt uns ein Naturkundiger, Herr Professor Dr. Kützing in Nordhausen: „Der Grund davon ist wahrscheinlich eine Alge, die ich in meinem großen Algenwerkc Tabulac phycologicae“ Bd. I Tab. 8 als Microcystis ichthyoblabe (Fischverderber, Fischtödter) abgebildet habe. Die erste Kunde dieser Alge erhielt ich im Jahre 1832 von Leipzig, von wo sic mir mitgeteilt wurde. Sie war hier auf einem Teiche erschienen, den sie weit hin überzogen hatte, indem sie eine grüne, schleimige, zusammenhängende Haut bildete. Die Fische waren auch hier massenhaft abgestorben. Auch in der Havel waren infolge des Auftretens derselben Alge im Jahre 1873, wenn ich nicht irre, die Fische massenhaft gestorben. Diese Alge ist wohl an sich nicht giftig, aber sie wirkt wahrscheinlich insofern schädlich auf die Fische, als sie durch ihre Bedeckung der Wasserfläche den Fischen das Athmen erschwert und zuletzt, wenn diese an die Oberfläche kommen, die Mund- und Kiemenöffnungen verklebt und sic dadurch erstickt.
Berl. Tagebl. 29. 7. 1880.
Über das Absterben der Fische wird uns mit Bezugnahme auf unseren nculichen Artikel von einem Freunde unseres Blattes geschrieben: Im Sommer bei großer Hitze, besonders an gewitterschwülen windstillen Tagen, erlangen flache oder langsam fließende Gewässer eine Temperatur, welche die schnelle Zersetzung aller in denselben enthaltenen organischen Stoffe bedingt. Der zur Zersetzung erforderliche Sauerstoff wird nicht aus der Athmosphäre entnommen, sondern aus dem Wasser selbst absorbiert; dadurch wird viel Wasserstoffgas frei, welches als Kohlenwasserstoffgas für Fische absolut tödlich wirkt. Sobald die Luft kühler oder das Wasser durch Winde bewegt wird, ist die Zersetzung eine weniger schnelle, es wird das Wasser durch Zutritt der atmosphärischen Luft wieder regencrirt und das etwa sich bildende Wasserstoffgas entweicht leichter. Nicht die Algen, Wasserblüthen genannt, sind die Ursache des Fisehsterbens, solche sind nur der Beweis für eine außerordentlich starke Zersetzung der dem Wasser