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Kleine Mitteilungen.
ihre Räubereien ungehindert auszufiihren, und zwar geschieht dies besonders zur Nachtzeit. Die Fischer finden oft genug ihre am Kummeisburger See und anderen fischreichen Stellen augelegten Netze und Kcuscn am Morgen geleert, aber sonst in ordnungsmäßigem Zustande vor. Gerade in der Weih- nachts- und Neujahrszeit, der lohnendsten Fisehrerkaufszeit des Jahres, macht sich die Dieberei für die Fischer recht empfindlich bemerkbar; da die Räuber die vielen gestohlenen Fische unmöglich selbst verzehren können, so werden sie jedenfalls verschwiegene Abnehmer finden. Berl. Tagebl. 3. 1. 1901.
Die Spreeherren (Fischer) von Berlin.
„Alhie endet sich der *
„Sprew Hern zv Berlin „Grentz v. Fischerei „Anno 1623.“
So lautet die Inschrift auf einer Kalksteinplatte, welche sich bis 1875 nahe der Kreuzung der Straße 10 mit Straße 12, Abt. V, Sektion III des Bebauungsplans von Charlottenburg auf einer Wiese aufgestellt befand und früher die Grenze der Berliner Unterspreefischerei bezeichnete. Inzwischen ist der Bebauungsplan dort geändert, auch der Lauf des Spreestroms ist anders geworden und entspricht etwa die nördliche Ausmündung der Straße 14 c in die Uferstraße 10 der Fundstelle. Der Stein ist trotz des heftigen Widerspruchs der Fischer i. J. 1875 an das Märkische Museum abgeliefert worden und war auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 ausgestellt.
E. Friedei.
Die National-Zeitung vom Sonntag den 21. Oktober 1883 enthält einen interessanten xVufsatz über Berliner Fische.
Über eine Untersuchung der Tiergartengewässer machte Herr Dr. Marsson in der letzten Sitzung des Fischereivereins einige interessante Angaben. Er hat nicht weniger als 213 Arten von Organismen in den Gewässern gefunden. Bis 1873 war in den Gewässern von Fischzucht kaum die Rede, jetzt sind sie verpachtet, und die Pächter haben die Verpflichtung, die Fischzucht darin zu pflegen, was auch mit wachsendem Erfolg geschieht. Da die Gewässer meist einen beständigen Zufluß von dem Landwehrkanal aus erhalten, ist es selbstverständlich, daß die in ihnen vorkommenden Organismen Spree-Organismen sind, besonders was die Diatomaceen anlangt. Sie bilden für niedere Algen, besonders für die Wasserblüte und manche Flagellaten geradezu Riesenkulturbecken. Das Plankton ist in ihnen besonders stark entwickelt, weil einerseits durch die vielen Wasservögel (wilde Enten und Schwäne) und die Fische viel Dungstofle zugeführt werden, und andererseits ganz systematisch alle höheren Wasserpflanzen daraus entfernt werden, so daß nun alle Dungstoffe den niederen Pflanzen (blaue, blaugrüne Algen, Kiesefalgen) zu gute kommen. Dies giebt einer reichen Mikrofauna die Entstehung, und so kommt es, daß die Tiergartengewässer besonders reich an Fischnahrung sind. Außer den üblichen Würmern, Insektenlarven und hinein-