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Fragekasten.
sterbens im Jahre 1871 in Friedrichshagen Welse gesehen zu haben, welche noch grosser als das im Märkischen Museum befindliche, vorerwähnte und Kat. A. III Nr. 1G36 eingetragene Exemplar waren. Diese Fische wurden von den Wellen des Müggelsees — teilweise noch lebend — ans Ufer geworfen, von Leuten gesammelt und als Schweinefutter verwendet. Die Schweine frassen diese Fische begierig und haben diselben den Horsten- trägern auch nichts geschadet, während man die Milzbrandseuche, welche damals den Wildbestand im Grunewald vrnichtete, darauf zurückführen wollte, dass Brunsthirsche verendete Welse gefressen haben, eine Geschmacksverirrung, die bei einem Grasfresser allerdings verwunderlich ist. Nach dem erwähnten grossen Sterben ist mir nicht erinnerlich, dass in der Spree oder dem Müggelsee jemals wieder solch grosse Welse gefangen worden sind.
II. Maurer.
Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Die diesjährige Generalversammlung findet mit reichhaltiger Tagesordnung vom 1'). bis 18. September in Konstanz statt. Gleichzeitig machen wir unsere Leser darauf aufmerksam, dass das .Korrespondenzblatt“ als Organ des Gesamtvereins unter Redaktion des K. Ilausarchivars Dr. Rerner, in Vertriebsstelle von K. S. Mittler A Sohn, monatlich hierseihst zum Jahrespreise von 5 Mark erscheint.
Fragekasten.
Herr Oberbergrat V. in E. Über das Wort „Kalk-Reise“ Folgendes. In den Kalkgebirgen, namentlich in den bayrischen und tiroler Kalkalpen habe ich das Ihnen auch in der Mark vorgekommene Wort „Reise“ sehr oft im Volksmunde vernommen. Es bedeutet einen von oben nach unten führenden Riss im Kalkstein, der durch den Regen und Frost allmählich erweitert wird und sich von fern her schon durch Gesteinstiümmer merkbar macht. Wird im Gestein selbst Bergbau getrieben, wie im Rüdersdorfer Muschelkalk, so ist die „Reise“ ungefährlich, ist dies nicht der Fall, so kann sie sehr lästig werden, weil bei Wolkenbrüchen oben die anstossenden Partien unterwaschen und fortgerissen werden, unten fruchtbare Gellinde mit wüstem Triimmergestein überschüttet werden. Auch können auf diese Weise Wildbäche (im italienischen Karstgebiete „torrente“ genannt) in den Reisen zeitweilig entstehen und furchtbare Verwüstungen anriehten. Wird die „Reise“ grösser und breiter, so entstehen die in den deutschen Alpen so genannten „Muhren“, von denen die „Bischofs-Muhre“ bei Jenbaeh zwischen Kufstein und Innsbruck (so genannt, weil sie aus der Ferne wie ein die Hände zum Segnen erhebender Bischof aussieht) weltbekannt ist. In Thüringen und Sachsen sowie im Harz habe ich für „Reise“ das Wort „Schurre“ gehört. Abzuleiten ist „Reise“ von „reissen“, „Riss“ etc. Vorzugsweise eignet sieh das Kalkgebirge zur Entstehung von „Reisen“, auch