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Grube fand ich beim Nachgraben zu Füßen eines Gerippes das Gefäß, das uns die Abbildung zeigt. Dieses unzweifelhaft wendische Gefäß bestimmt nun alle andern Gerippe gleichzeitig als wendisch und zwar als frühwendisch. Bei den Wenden war es damals Sitte, die Toten zu begraben, während die Germanen die ihrigen verbrannten und die Gebeine in die Aschenurnen sammelten. Noch Karl der Große mußte den Sachsen unter Androhung von harter Strafe verbieten, die Toten nach heidnischer Weise zu verbrennen. Wir sehen daraus also, daß zu beiden Ufern der Elbe damals zwei so vollkommen verschiedene Grabgebräuche herrschten. Trotzdem die Wenden so lange bei uns wohnten, wissen wir sehr wenig von ihrem Leben und ihren Sitten. Das Wendentum ist dem Ansturm der nun hereinbrechenden Germanenvölker erlegen und hat nur geringe Spuren bei uns hinterlassen. Gerade über diese Zeiten ist noch viel aufzuklären. Man glaubte früher viel mehr darüber zu wissen. Neue Forschung hat gezeigt, daß vieles Täuschung war. Weder die sogenannten wendischen Ortsnamen, z.B. die aufow endigen, noch die runde Bauart der Dörfer hat sich als ursprünglich wendisch erwiesen. Wir finden runde Dörfer auch iu Gegenden, wo nie Wenden hingekommen sind, z. B. in Westfalen, und dort wo slavische Völker stets gesessen haben, z. B. in einigen Gegenden Rußlands finden wir Längsdörfer, also kann auch die Dorfanlage nicht als Beweis angesehen werden. Auch die Endung ow ist nicht bezeichnend für wendische Siedelung.
Diese Endung findet sich fast nur bei Dörfern, die von ausgedehnten Wiesen umgeben sind, und heißt wohl dasselbe, wie unser deutsches Wort „die Aue". (Bis jetzt ist man noch nicht vollkommen im klaren, was die Endung ow für eine Bedeutung hat.) Auf alteu Karten finden sich oft Ortsnamen, bei denen die Endung au lautet, wo wir jetzt ow schreiben, und umgekehrt. Wir können daraus ersehen, daß wirklich beweisend für den wendischen oder germanischen Ursprung einer Ortschaft nur die Ausgrabungen sind und die dabei gefundenen Scherben. Mau wird auch durch diese Andeutungen begreifen, wie viel Arbeit noch von unserer Heimatforschung zu leisten ist, bevor wir uns klar geworden sind, was ursprüngliche Siedelungen, und was später angelegte unter unseren Dörfern sind. lieber wendische Gefäße und neue Dorfaulageu aus der Zeit der beginnenden Germauenkämpfe des 0.—12. Jahrhunderts soll uns mehr im 5. Hefte unserer Mitteilungen berichtet werden. Für heute möchte ich schließen und Herrn Pickert, Gr. Welle, für das Geschenk des Skelettes den Dank des Museums aussprechen. P- Qu.