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Germanische Hausurnen und Wohnhäuser.
Schon das 3. Heft des 1. Jahrganges unserer Mitteilungen brachte die Abbildung einer Rundhaus-Urne von Luggendorf in der Ostprignitz.
Es sind nicht viel Hausurnen bekannt, die in der Provinz Brandenburg gefunden worden sind. Aus Mecklenburg kennt man eine von Kiekindimark bei Parchim. Wenn wir nur aus die Hausurnen angewiesen wären, um uns ein Bild des germanischen Hauses vorzustellen, so würden wir bald merken, wie
Hausure von Luggendorf (Ostprignitz).
wenig uns diese sagen, trotzdem sie doch den vorhandenen Häusern nachgebildet worden sind. Da müssen andere Umstände helfen, um uns ein Bild des germanischen Hauses zu geben. Unser Boden hat uns Reste der germanischen Wohnhäuser bewahrt, die wir in zumeist mühevoller Arbeit wieder herausgraben, um zu sehen, wie unsere Vorfahren lebten. Gerade unser Museum ist eins der wenigen in Ostdeutschland, die sich um solche Bodenreste kümmerten und schon frühzeitig anfingen, dem Hausbau und seinen Einzelheiten nachzuspüren. Bereits im Jahre 1908 grub ich in der Nähe von Dresden bei Coschütz einige Wohn- stellen auf, um dann später in der Prignitz das dort Gelernte zu verwerten. Hier bei uns waren viele Schwierigkeiten zu überwinden, so daß wir ein ganzes Dorf noch nicht herausgraben konnten, sondern uns mit einzelnen Häusern oder Hausteilen begnügen mußten. Eins der ersten waren die Reste vom Lango- bardischen Dorfe bei Dahlhausen, das uns nur noch eine Feuerstelle mit einem Bronzekessel ergab, der von Herrn Schneidermeister Schräpel, Dahlhausen dem Museum geschenkt wurde. Dann folgte ein Haus des 12.—13. Jahrh. n. Ehr., geschenkt von Herrn Stellmachermeister Hohe in Dahlhausen, das uns als besonderes zwei eiserne Schlüssel ergab, eine slawische Herdstelle im Garten des Herrn Gemeindevorstehers Guthke in Dahlhausen, und schließlich das im 6. Heft des ersten Jahrgangs beschriebene Slaven (Wenden) dorf bei Dahlhausen, das uns ebenfalls von Herrn Gemeindevorsteher Guthke geschenkt wurde. Kurz darauf konnte ich bei Seddin in der Westprignitz eine Dorfstelle feststellen, aber noch nicht ausgraben, da in diesem Jahre das Land bestellt wurde. Ein Slaven (Wenden) dorf konnte dann Herr Gemeindevorsteher Guthke in Dahlhausen aus Brüsenhagen melden. Dieses be-