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findet sich auf den Acker des Herrn Schumacher in Brüsenhagen u nd soll voraussichtlich 1915 ausgegraben werden. In Vehlow konnten dann Herr Lehrer Boß und ich auf dem Acker unseres langjährigen Museumsfreundes Herrn Blumenthal ein Dorf von etwa 200 vor bis 200 nach Chr. feststellen. Dann erfolgte die Ausgrabung in Kyritz, die uns ein Dorf aus der sogen. Spätrömischen Zeit, 200—600 n. Chr., ergab, das sich auf dem Acker des Herrn Hermann Landt, Kyritz, fand nnd uns durch sein und seines Schwagers, Herrn Alb. Muth, Kyritz, Freundlichkeit geschenkt wurde. Die Ausgrabung ist in diesem Hefte beschrieben. Darnach konnte ich ein Dorf, bronzezeitlich, in Dossow feststellen, und ganz neuerdings wurde ein Dorf aus dem 2. Jahrh. vor bis 2. Jahrh. nach Chr. in Vehlow aufgegraben. Der erste vollständige Hausgrundriß liegt vom Acker unseres Vereinsmitgliedes Herrn Gärtnereibesitzers Wendt, Behlow, vor. Da dieses Haus eine ganz besondere Bauart zeigt, so soll es wieder aufgebaut werden und unser Mitglied Herr v. Oppen, Dannenwalde, hat sich bereit erklärt, soweit es ihm möglich ist, das Holz zum Wiederaufbau zu schenken. Ich möchte schon jetzt vorweg nehmen, daß ich beim Ausgraben dieses Hauses vor allem Herrn Gärtnereibesitzer Wendt, der uns täglich beim Graben half, ferner den Herren Lehrer Boh, Emil Blumenthal, Tischlermeister Giese und seinem Bruder, Gemeindevorsteher Hüselitz, Thiele, Schmiedemeister Beiersdorf, Kayatz, zu Dank verpflichtet bin für ihre Hilfe beim Graben; da Herr Wendt sich bereit erklärt hat, den Acker liegen zu lassen, so kann das Haus wieder aufgebaut werden. Alle Hilfe beim Graben wurde von den betreffenden Herren umsonst geleistet, und auch Herr Wendt läßt seinen Acker ohne Entschädigung unbestellt. Damit aber sein Schaden nicht zu fühlbar wird, hat sich Herr Fritz Hahn, Brüsenhagen, bereit erklärt, Herrn Wendt für die ausfallende Ernte einen Mispel Kartoffeln zu liefern. Wir wünschen nur, daß überall der Heimatsinn sich so entwickeln möge, wie er sich an diesen Beispielen zeigt, und wir können stolz darauf sein, daß sich so viel ideales Streben in unserer Prignitz findet.
Unser Heimat- und Museumsverein, der mit seinen über 800 Mitgliedern der relativ größte der Welt ist, hat auch durch sein Wirken und seine Tätigkeit viel dazu beigetragen, den Namen der Prignitz weit bekannt zu machen und vom Heimatsinn ihrer Bewohner Kunde zu geben. So hoffe ich auch von den vergangenen Völkern der Prignitz durch die Heimatliebe und den Opfersinn unserer jetzigen Bevölkerung noch manches Wertvolle zutage fördern zu können.
Es ist noch nicht lange her, geschieht zum Teil auch jetzt noch, daß man unsere Vorfahren, die Germanen, für vollkommene Barbaren hielt und ihnen jeden Geschmack und alle Kunst absprach. Gerade über die germanische Baukunst wußten wir sehr wenig, da fast alles in der Erde begraben lag oder vergangen war. Der Professor Albrecht Haupt in Hannover hat es unternommen, alles, was erreichbar war, zusammenzustellen, um uus ein Bild der germanischen Baukunst zu geben.
Unter den alten Nachrichten ist uns besonders wertvoll die des Bischofs Venantius Fortunatus von Poitiers, der um 560 n. Chr. von den Städten Mainz, Köln und anderen schrieb:
Weg mit euch, mit den Wänden von Quadersteinen! Viel höher Scheint mir, ein meisterlich Werk, hier der gezimmerte Bau.
Schützend verwahren vor Wetter und Wind uns getäfelte Stuben. Nirgends klaffenden Spalt duldet des Zimmermanns Hand.
Sonst nur gewähren uns Schutz das Gestein und Mörtel zusammen,
Hier aber bietet ihn uns freundlich der heimische Wald.
Luftig umziehen den Bau im Gevierte die stattlichen Lauben,
Reich von des Meisters Hand, spielend und künstlich geschnitzt.