Heft 
(1914) 1
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Ich glaube, man kann aus seinen Versen ohne weiteres ersehen, daß der Bischof solche Gebäude gesehen haben muß, Gebäude, die den im 2. Heft des ver­gangenen Jahrganges beschriebenen von Kyritz Wohl ähnlich gesehen haben werden.

Auch die alten Gesetzbücher der Germanen, die lex Salica, die leges Alamannorum und Baiuwariorum, nahmen auf die Sitte des Holzbaues ein­gehend Rücksicht. Von den Burgundern erzählt Socrates scholasticus, ein Geistlicher, der damals lebte, daß sie alle Zimmerleute gewesen seien. Das darf man natürlich nicht wörtlich auffasfen, sondern es sagt uns nur, daß jeder verstand, sich sein Haus selbst zu zimmern. Ich glaube, man kann aus diesem allen ersehen, daß das Holz der Stoff war, in dem der Germane zu arbeiten verstand. Das Holz der heimischen Wälder war es nur, mit dem er vertraut war, und Stein ist ihm lange fremd geblieben. Es ist Wohl auch erklärlich, daß wir nicht mehr germanische Bauten besitzen, da doch Holz so sehr vergänglich ist. Bei meinen Lichtbildervorträgen zeige ich allerdings viele germanische Holz­schnitzereien, doch stammen diese nicht aus unserer Heimat, sondern aus Schleswig, Jütland und Schweden, wo sie sich im Torfmoore erhielten. Es ist aber sehr Wohl möglich, daß wir auch in der Prignitz bei Moorarbeiten Holz- gegenftände finden, auf die ich besonders zu achten bitte. Aus vielem anderen ersieht man, daß auch die Einzelgehöfte bei den Germanen üblich waren. Da waren die Wirtschaftsgebäude, die Scheune, Ställe, Bienenhaus und anderes um däs Hauptwohnhaus gruppiert und das Ganze von einem Zaun umschlossen, manchmal auch mit Wall und Graben umgeben. Genau solche Gehöftanlage fand sich in Vehlow, wo auch die Nebengebäude sich um den Hauptbau gruppieren.

Wir finden die Grundrisse mit den Pfosten und Schwellen in der Erde, vom Dach natürlich sehr selten etwas, und ebenso sind wir bis jetzt bei der Höhe der Wände auf Vermutungen angewiesen. Einen Anhalt geben uns da wieder die Hausurnen, besonders die viereckigen, wie sie sich in Aschers­leben und andern Orten fanden. Sogar über die Dachkonstruktion klären uns diese viereckigen Hausurnen auf. Es ist meist ein hohes spitzes Dach, mit dem diese Urnen versehen sind, und es zeigt uns, daß die Dächer unseren heutigen sehr ähnlich waren. Nach den Hausurnen zu urteilen, müssen die alten Ger­manendörfer ähnlich ausgesehen haben wie unsere alten Bauerndörfer mit ihren strohgedeckten Häusern. Der Herd war aus Steinen aufgebaut, oft aus einer Lage von Steinen, doch auch aus mehreren Steinlagen übereinander bestehend, die mit Lehm verkleidet waren, so daß ein backofenähnliches, oben offenes Gebilde entstand, wie es der Herd Nr. 1 beim Kyritzer Hause und 2 von Vehlow dar­stellten. Die Wände der Häuser bestanden aus senkrecht in die Erde getriebenen, manchmal bis zu 60 cm starken Holzpfosten, zwischen denen sich Flechtwerk spannte aus Weiden oder anderem Holz. Dieses Flechtwerk war mit Lehm verstrichen, zwischen den kurzgehacktes Stroh gemengt war. Eine Bauweise, die man auch in der Prignitz jetzt noch bei ländlichen Fachwerkhäusern findet. Dieser Lehmbewurf ist oftmals hart gebrannt dadurch, daß das Haus vom Feuer zerstört wurde, und zeigt uns auch durch die Flechtwerkabdrücke, wie dieses beschaffen war. Eine zweite Bauart fand sich dann in Kyritz und z. T. in Vehlow. Hier ist an die Stelle des Flechtwerkes eine Lage von wagerechten Balken getreten, so daß der Bau ein Blockhaus ist, bei dem die wagerechten Balkenlagen durch die senkrechten Pfosten gehalten und gestützt werden. Ab­bildungen von solchen wagerechten Balken, die sich als schwarze breite Flächen im hellen Sande darstellen, zeigt dieses Heft. Man muß nicht denken, daß man noch wirkliche Balken herausholen kann aus der Erde. Nur die schwarzen Stellen im Hellen Sande deuten an, daß hier Holz vergangen ist. Das ist eine Erscheinung, die jedem bekannt ist, der Koppel- oder andere Pfähle einsetzte oder herausnahm. Manchmal finden sich dann auch mehrere Herde, so in Kyritz 3 in einem Hause. Neben den Herden fanden sich Absallgruben, die dazu dienten, zerbrochene Töpfe und die vom Feuer schließlich zerbrarmten Steine auf-