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zunehmen. Das zur Zeitbestimmung wichtigste aber sind für uns die Scherben, die sich im Hause finden, da sie durch ihre Verzierungen uns zeigen, welcher Zeit das Haus angehört haben muß. Ich möchte deshalb wieder meine Bitte wiederholen, keine Scherben fortzuwerfen, sondern sie aufzuheben, da sie uns in die Lage setzen, ein Bild der vergangenen Zeiten zu geben. Ich will später versuchen, eine Entwicklung des germanischen Hausbaues bis zu den geschichtlichen Zeiten zu geben, bis zu jenen Zeiten, die uns die gewaltigsten Bauwerke der Germanen, das Grabmal Theoderichs des Großen, den die Sage Dietrich von Bern nennt, und anderes geschenkt haben. Ebenso will ich die Abbildungen der Hausbauten auf den römischen Siegessäulen, die sowohl Lang- als auch Rundhäuser darstellen, beschreiben und ihre Stellung zu wirklichen Häusern untersuchen. Der germanische Rundbau, wie er sich in den Hausurnen von Kl. Gottschow, Gadow und Luggendorf zeigt, hat sich bis jetzt in der Prignitz noch nicht gefunden. Die runden Hausurnen stellen sich als steilwandige, mit einem kuppelförmigen Dach überdeckte Gebäude dar, die mit einer großen Tür versehen sind. Durch die Tür geht ein Stab, der in zwei erhöhte Wülste greift, so daß dadurch ein guter Verschluß bewirkt wird. Beim richtigen Hause muß man sich aber diesen Stab innen denken, so daß das Haus von innen verriegelt werden konnte. Ob
die Kl. Gottschower Urne mit an- geüeuteter Tür, die auf der Bodenfläche eirund, oben wirklich rund ist, einem wirklichen Wartturin mit hochliegendem Eingänge, wie man es im Mittelalter bei den Burgtürmen findet, nachgebildet ist oder eine Vorstufe der Hausurne darstellt, ist schwer zu entscheiden. Die Urne war in bald 200 Stücke zerbrochen und ist erst nach vieler Mühe wieder hergestellt worden. Es fand sich außerdem in dem jetzt im Klosterhof wieder aufgestellten Grabe eine große schwarze Urne mit Brandknochen, eine schwarze Henkeltasse, eine bronzene Haarspange, ein Bronzedolch sowie kleine Bronzebruchstücke. Da auch die Tür- oder Hausurne Brandknochen enthält, so stellt das Grab Türurne von Kl. Gottschow. eilt Doppelgrab dar. Es wurde
uns seinerzeit von Herrn Gehrann-Kl. Gottschow geschenkt. Die Luggendorfer Urne befindet sich im Museum für Völkerkunde in Berlin und die von Gadow iWestPrignitz) im Märkischen Museum der Stadtgemeinde Berlin. Sie sind dadurch unserer Heimat verloren gegangen.
Ich glaube, daß man aus dem Gesagten ersehen kann, daß das Studium der germanischen Häuser wertvoll ist und daß wir sie aus den Bodenfunden und den Urnen zusammen uns wiederherstellen können.
MM
Vereinsnacbricklen.
Am Mittwoch, den 6. Mai, tagte zu Pritzwalk im Leppinschen Saale die Generalversammlung unseres Heimat- und Museums-Vereins. Auf der Tagesordnung stand:
1. Bericht über die Kassenprüfung und Entlastungserteilung,
2. Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und Entlastungserteilung,