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6. Der von der am 3. April stattgefundenen gemeinsamen Generalversammlung der Vereine „zur Förderung der Heimatkunde in der Prignitz" (Havelberg) und „Verband für ländliche Wohlfahrtspflege und Heimatkunde in der Prignitz" (Verein des Herrn Pastor Kopp) einstimmig genehmigte und uns angebotene Vorschlag auf Vereinigung auch mit unfern Verein wurde einstimmig als in dieser Form unannehmbar erklärt, so sehr wir sonst die Vereinigung und das Zusammenarbeiten auf für uns möglichen Grundlagen wünschen würden. Da unter anderem in dem Vorschläge im gemeinsamen Vorstande für den Havelberger Verein mit ca. 70 Mitgliedern 3 Stimmen, ebenso für Herrn Pastor Kopps Verein mit ca. 120 Mitgliedern auch 3 Stimmen und für unfern Verein mit seinen über 800 Mitgliedern auch nur 3 Stimmen bewilligt wurden, so war die Ablehnung begründet.
Zu Punkt 7 fordert der Vorsitzende die anwesenden Mitglieder auf, etwaige Fragen oder Wünsche zur Aussprache zu briugen. Als sich darauf niemand meldet, erläutert er noch kurz das neue Ausgrabungsgesetz.
Nach Erledigung des geschäftlichen Teils wurde den Versammelten ein hochinteressanter Vortrag geboten, den Herr Apotheker Jaene aus Wittenberge über die geologischen Verhältnisse unserer engeren Heimat hielt. Herr Jaene begann seine Ausführungen mit dem Ausspruche eines großen Geologen, die Menschen machten Wohl weite Reisen um Interessantes zu sehen, aber sie beachten nicht, was vor ihren Türen liegt. Er meinte, dieser Ausspruch habe noch heute Gültigkeit und dabei bietet jeder Schritt unserer Heimat dem aufmerksamen Auge Bemerkenswertes, unsere heimische Erde sei wie ein großes Geschichtswerk, in dem man über die vergangenen Erdepochen lesen kann. — Nach einem kurzen allgemeinen Ueberblick über die geologische Entwicklung unserer Erde sprach Herr Jaene über die besonderen Verhältnisse unserer Heimat, führte vor allem an der Hand trefflicher bunter Lichtbilder in die Vorgänge der Eiszeit ein, von deren gewaltiger Wirksamkeit die Riesenfindlinge unserer Heimat erzählen, die Versteinerungen und Gesteine, die nicht aus unserer Gegend stammen, sondern die von den Gletschern aus Norwegen und Schweden herunter geschoben und getragen wurden, und die hier als Zeugen jener femer Vergangenheit zurückgeblieben sind, der Eiszeit, der wir sowohl die fruchtbaren als die unfruchtbaren Strecken unserer Mark verdanken. Auch über die Entstehung der Höhenrücken unserer Gegend, der Ruhnerberge, die auch Zeugen der Eiszeit sind, sprach Herr Jaene, ferner über die Entstehung der Moore und Hochmoore, über die Versandung der Binnenseen u. a. m. Wer dem Vortrag beiwohnte, wird ein ganz neues Verständnis gewonnen haben für die Sprache unseres Heimatbodens, und es ist nur zu bedauern, daß die Zahl der Anwesenden nicht noch größer war. Wenn aber unsere Mitglieder dessen inne werden, daß unsere Generalversammlungen ihnen nicht nur trockene geschäftliche Berichte bieten, sondern daß auch sie dem großen Zweck unseres Vereins, Heimatkunde zu verbreiten, dienen, so werden auch Weiterwohnende nicht die Mühe einer Fahrt scheuen, sondern gern kommen, um aufzunehmen, was ihnen geboten wird. Das wird dann auch den Vortragenden die größte Befriedigung schaffen, wenn sie vor einem großen Kreise, mit dem sie sich eins wissen in ihrem Streben, reden dürfen.
Herr Jaene hat in liebenswürdiger Weise seinen Vortrag für eins der nächsten Hefte zur Verfügung gestellt. Damit wird allen Mitgliedern unseres Vereins Gelegenheit geboten werden, sich mit den wichtigsten und interessanten Fragen, die er behandelte, näher vertraut zu machen.
Am 3. Pfingstfeiertage soll ein Vereinsausflug nach Zechlin stattfinden. Von Buschhof aus Fahrt mit Omnibus oder Leiterwagen nach Zechlin und Umgegend. Kostenpreis der Fahrt 1.60—2,00 M. (von Buschhof aus), Angehörige der Mitglieder willkommen. Anmeldung bis zum 24. Mai einschließlich an das Museum in Heiligengrabe. Näheren Tagesplan bringen noch die Zeitungen.
v. Goddenthow, Schriftführerin.