ein Stück Heimatsgeschichte, und da es sich hier um die Kämpfe der germanischen und slawischen Rasse handelt, ist es Weltgeschichte, die sich bei uns abspielte. Das Dahlhausener Wendendorf ist in den Zeiten der Slawenkämpfe angelegt; es hat nur vorübergehendem Aufenthalte gedient. Vielleicht steht es im Zusammenhänge mit dem germanischen Dorfe aus dem 11.—13. Jahrhundert, das auch bei Dahlhausen gefunden worden ist.
Hinter dem jetzigen Dorfe zieht sich ein altes, durch Feuer zerstörtes Dorf hin, das in den Wendenkämpfen untergegangen sein muß. Jedes Haus ist wie eine Festung gebaut mit unterirdischen Fundamenten. Vielleicht ist gar das Wendenlager von den Zerstörern des Germanendorfes angelegt. Welche Kämpfe sich dort abgespielt haben, ist uns noch nicht bekannt genug. Die Geschichte dieser Kämpfe zu erforschen, ist wirklich eine Aufgabe für unser Heimatmuseum. Aber es sind größere Geldmittel dazu nötig, als wir augenblicklich zur Verfügung haben, und deshalb muß diese Arbeit noch 1—2 Jahre zurückstehen. Interessant ist vor allem, daß in den Kochlöchern noch die Töpfe standen, sicher ein Beweis dafür, daß das Dorf Plötzlich von den Slawen verlassen werden mußte. An den Verzierungen sieht man dann, daß die Scherben und damit das Dorf wendisch war. Vor allem die mit Wellenlinien verzierten Scherben sind kennzeichnend für slawische Gefäße. Man nennt diese Verzierungen auch Kammornamente, weil sie mit einem 3—4zackigen Kamm in den feuchten Ton eingeritzt sind. Ueberhaupt unterscheiden sich die wendischen Tongefäße von den germanischen durch ihre größere Festigkeit. Die germanischen vorgeschichtlichen Gefäße sind aus weichem und mit Steinen untermischtem Ton gemacht, während die wendischen Gefäße schon an unser Steingut erinnern. Die frühmittelalterlichen germanischen Gefäße aber sind gleichaltrig mit den wendischen, schon als echte Steingutgefäße zu betrachten und besitzen eine größere Haltbarkeit als die vorgeschichtlichen Tongefäße.
Solche frühmittelalterlichen Gefäße haben wir in den beim Bau der Bank in Kyritz gefundenen vor uns. Auch Kyritz ist ja sehr oft zerstört, und dabei ist wohl auch das Haus mit den Gefäßen verschüttet worden. Sie sind uns von Herrn Direktor Conrad in Kyritz geschenkt, ähnliche haben wir noch erhalten ausKolrepvon Herrn Schmiedemeister Lehmann und aus Hakenbeck von Herrn Pastor Klahre. Dieses letztere, in sehr viele Stücke zerbrochen, hat sich nur sehr schwer zusammensetzen lassen. Scherben aus einem frühmittelalterlichen Germanendorfe bei Vehlow wurden noch von den Herren Emil Blumenthal und Lehrer Voh, Vehlow, geschenkt. Aus einem Dorfe des 13.—16. Jahrhunderts, das wahrscheinlich durch die Pest zerstört worden ist, dem Dorf Glane bei Berlinchen, besitzen wir Scherben durch Herrn Johann Berlin aus Berlinchen.
Wendische Fundstücke sind uns nebst anderen Sachen, die an den zugehörigen Stellen beschrieben werden sollen, geschenkt: von Herrn Kgl. Strommeister Kriewitz, Kl.-Zerlang, ferner ein Eisenmesser, ein Knochenkamm und ein knöchernes Webegerät von Herrn Lehrer Zerler, Dossow; wendisches Geld gefunden in Herzsprung von Herrn Lehrer Brell, Kyritz; eine Münze des Wendenfürsten Pribislav von Herrn Lehrer und Amtsvorsteher Meyer in Prenzlau; wendische Skelette und Schädel von Herrn Pirkert, Gr.-Welle und Herrn Frahm, Alt-Schrepkow.