Erst als alles vorüber ist, schlagen sie den Talar zurück und führen die Frauen an einen schnell beschafften Wagen, der sie zurückführen soll in ihr Haus voll stattlicher Wohlhabenheit, zurück zu den Kindern, die dort plaudern und lachen.
Es ist noch immer eine Art Morgenglanz in der Luft und hier draußen jubeln im Felde die Lerchen.
Die Prignitz (Dahlhausen).
Die Gegend von Dahlhausen war früher reich an Seen und Wiesen. Das Weideland lockte schon in der Steinzeit die Menschen zum Ansiedeln und bewahrte seine Anziehungskraft bis jetzt, lieber die Elbe und vom Norden her kamen die ersten Bewohner der Dahlhausener Niederung. Wann die erste Siedelung erbaut wurde, muß die Forschung erst aufklären. In der Bronzezeit gab es aber schon ein Dorf unweit der Stelle, wo heute der Ausbau des Herrn Schramm liegt. Hier konnte man sogar das alte Ackerland feststellen. Dort fand man alte Humuserde mit Scherben germanischen Ursprungs untermischt und das Ganze zugedeckt vom Sande einer alten Wanderdüne. Die hatte treulich gehegt und erhalten, was einst von ihr zerstört worden war. Nicht oft kommt es vor, daß man altes Ackerland so einwandfrei feststellen kann. Doch nicht nur in der Bronze-, auch in der Eisenzeit war die Dahlhausener Niederung bewohnt und auch bis zur Völkerwanderung saßen Germanen, unsere Vorfahren, hier. Viele von diesen wanderten fort. Der sonnige Süden, Ungarn und Italien lockte sie zu sehr. Sie sind zu Grunde gegangen in dem ihnen wesensfremden Lande. Viele aber unseres Volkes blieben in der Heimat und wichen erst den später andrängenden Slawen (Wenden>. Diese Zeiten kennen wir noch nicht. Wir müssen annehmen, daß die Germanen in langdauerndem, blutigem Kampfe zurückgingen zu den Volksgenossen, die jenseits der Elbe saßen. (Die Beweise für jene Meinung fehlten uns bis jetzt vollkommen; die Urnenfriedhöfe von Dahlhausen, Kpritz und Kuhbier haben sie uns erst in die Hand gegeben, aber auch nur zum Teil.) Diese kampfgewohnten Germanenkrieger schlossen sich andern Stämmen an. Die Sachsen, die sich aus verschiedenen germanischen Stämmen gebildet hatten, bekamen viel neues Blut und neue Volkskraft durch diese Leute, die sich nicht fremdem Joche beugten. Ein gut Teil des Sachsentrotzes und Stolzes ist so erklärbar. Fortgesetzt mußten diese Stämme auch jenseits der Elbe gerüstet sein, denn oft brachen die Wenden in ihre Gaue. Die altgermauische Freude am Waffenhandwerk wurde gestählt und gestärkt. Die Tüchtigen bestanden, die Schwachen gingen unter im Kampfe. Im Laufe der Geschichte hat sich gezeigt, daß durch diese Grenzkümpfe ein starkes Volk erwuchs, ein Volk, das fähig wurde, den deutschen Stamm, die deutsche Sprache gegen andere zu verteidigen und uns die ersten, wirklich deutschen Kaiser zu geben. Wir Prignitzer können mit Stolz sagen, daß auch unsere Volkskraft mit ihren besten Elementen dabei beteiligt war. Als dann die Flut der Slawenstämme, als die Ungarn dann über Deutschland hereinbrachen, war es wieder besonders unser Grenzvolk und sein Herzog, die diese Flut zum Stehen brachten und zurückdämmten. Unmöglich wäre unser heutiges Deutschland ohne diese harten trotzigen Krieger- und Bauerngestalten. Schwer nur vermochte Neues sie zu begeistern, ablehnend verhielten sie sich demgegenüber. Selbst das Christentum, das vom Rhein her, aus den, Frankenreiche Karls des Großen, zu ihnen gebracht wurde, hatte nur sehr schwer bei ihnen Eingang gefunden. Sie verstanden es nicht, die Religion der Liebe war dem Kri gsvolke fremd. Alach ihrer Väter Weise wollten sie leben und ihre Toten begraben. Karl der Große mußte schwere Strafen auf solch heidnisch Beginnen setzen. Oftmals schüttelten die Sachsen das fremde Joch des Frnnkenkaisers ab, sich zugleich gegen zwei Feinde wehrend, Franken