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Reiches, Sitze großer Bischöfe und alter Kaiserpfalzen. Köln war um 1100 bereits eine große Handelsstadt, Utrecht ein Mittelpunkt der flamländischen Wollindustrie; die Zahl der steinernen Gebäude war größer, die Sladtmauer wahrscheinlich höher und besser, mit Türmen lind Außenwerken versehen, das Selbstgefühl der Bürger kecker, auch ihre Freiheiten besser und ihre Vornehmen stolz. Aber, obgleich sie noch im Vordergründe deutschen Städtelebeus standen, zu groß darf man sich den Abstand der alten und neuen Städte nicht denken, denn gerade bei mehreren neuen war die Entwicklung wunderbar schnell und kräftig gewesen.
Wüste Dörfer des Mittelalters in der Nordostecke der Prignitz.
Von Dr. W alter M atthes.
Am Anfang dieses Jahres wurden an der „Unteren Dorfstelle" in der Wittstocker Heide (Jagen 45 beim Steineroden Fundamente, Eisengeräte und Reste mittelalterlicher Gefäße gefunden, über die von Frl. von Auerswald in dem 7. Jahrgang der Mitteilungen (S. 43 f) berichtet ist. Durch diese Entdeckung wurde die allgemeine Aufmerksamkeit erneut auf die wüsten Dörfer des Mittelalters und damit auf ein sehr interessantes Theina der Heimatgeschichte gelenkt.
Durch die Arbeiten der archäologischen Landesaufnahme des Kreises ist in den letzten Monaten eine beträchtliche Anzahl weiterer vergangener Dörfer und deren genaue Lage bekannt geworden, über die hier ein vorläufiger Bericht gegeben werden soll. Die Aufzählung beschränkt sich auf den Kreis Ostprignitz, und zwar auf den Zipfel östlich der Dosse.
In manchem Dorf wissen die „Alten" von einem untergegangenen Ort in der Nachbarschaft zu berichten; oder man erzählt sich, daß das Dorf einst an einer anderen Stelle gestanden habe. Häufig findet man an diesen verlassenen Wohnplätzen Steinsundamente und Kohlereste, altes, zerbrochenes Tongeschirr und eiserne Geräte, lind Urkunden des Mittelalters nennen uns die Namen, die bisweilen auch die Erinnerung des Volkes die Jahrhunderte hindurch bewahrt hat.
Wenn man alle diese Beobachtungen zusammenträgt, ergibt sich ein sehr interessanter Einblick in die Besiedlungsgeschichte des Mittelalters.
Beginnen wir mit der Aufzählung im Osten des Kreises!
1. „Luhmer Dorfstelle". Auf der nördlichen Halbinsel im Zootzen-See trägt ein Ackerland südlich des Ziems-Sees allgemein den Namen „Luhmer Dorfstelle". Alte Mauerreste sollen hier früher gefunden sein und heute kann man auf der Oberfläche noch Gefäßscherben aufsammeln, die zum Teil der Wendenzeit angehören (Mus. Heiligengrabe, Geschenk von Herrn W. Wilke- Berlin). Wahrscheinlich hat hier im Mittelalter Lnhme gestanden, das 1626 und 1687 als wüste Feldmark bezeichnet wird. Das heutige Dorf Luhme ist erst unter Friedrich II. mit Kolonisten besetzt.
2. Repente. Auch das heutige Repente geht auf die friderizianische Zeit zurück. Vorher hatte es ebenfalls mindestens 2 Jahrhunderte wüst gelegen, es wird auch 1525 und 1687 wüste Feldmark genannt. Das mittelalterliche, vergangene Repente wird urkundlich mehrmals erwähnt, z. B. 1283 und 1303. Spuren davon haben sich unmittelbar südlich vom heutigen Ort gefunden. „Steine, Schutt lind Kohlereste" kommen auf deni Acker von Herrn Lück beim Pflügen häufig zu Tage. Außerdem finden sich Lehmbewnrfstücke und Scherben aus dem Mittelalter und der Wendenzeit (Mus. Heiligengrabe).
3. Scholle. Beim Absuchen des Geländes fand sich zwischen dem Weg, der von Repente nach Fleckeu Zechlin führt, und dem großen Zechliner See in der Nähe von „Schooks Ablage" eine mittelalterliche Dorfstelle, die aus dem Bewußtsein der Bevölkerung verschwunden zu sein scheint. Blaugraue, hart-