Heft 
(1928) 1
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selbst faßte man mit einem großen Grabstein ein, der neben allerlei Bildern die Angabe trug, die Kapelle sei am 5. Juni des Jahres 1287, also nur wenige Wochen nach dem angeb- lichen Hostiendiebstahl, erbaut worden. Die Kapelle über dem heiligen Grabe" wurde allmählich zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. Es lag nahe, an dieser Stätte ein Kloster zu begründen. Markgraf Otto (V.) der Lange war bereit dazu. Das Kloster wurde in unmittelbarer Nähe der Grab­kapelle angelegt und mit Nonnen des Zisterzienserordens aus dem altmärkischen Kloster Neuendorf besetzt.

Die Zahl der Pilger, die dieheilige Stätte" besuchten, ließ nicht nach. Unaufhörlich strömten Menschen nach Heiligengrabe, wie der Ort bald nach der Stätte des Wunders hieß. Durch den Besuch der Pilger wurde Heiligengrabe bekannt und berühmt

und durch ihre Gaben und Spenden reich. Darum regte sich

bald der Neid der Nachbarn, die dem neuen Kloster um seiner

Macht und seines Ansehens willen wenig günstig gesonnen waren.

Etwa fünf gute Wegstunden von Heiligengrabe liegt am

Ufer der Stepenitz das Kloster Mari enfließ, das schon

1231 durch Gans den Aelteren von Putlitz begründet worden

war. Als nun Heiligengrabe um desWunderblutes" willen den Strom der Pilger anzog und an Reichtum und Geltung wuchs, da versuchten die Nonnen von Marienfließ etwa

zwischen l290 und 1300 durch eine gefälschte Urkunde den

Anschein zu erwecken, als bewahre auch ihr Kloster ein

heiliges Blut" auf. In dieser Urkunde wurde erzählt, wie man

schon sehr früh in den Besitz desheiligen Blutes" gelangt

sei, das Ritter Gans der Aeltere aus dem heiligen Lande mit-

gebracht habe, und das aus der Wunde des Heilands geflossen

sei, als ihm der Kriegsknecht mit dem Speer die Seite öffnete.

Ja, man erzählte sogar, das Kloster sei eigentlich nur gegründet

worden, damit dies Heiligtum recht verehrt werde. Strenge

Höllenstrafen und der Verlust des ewigen Heiles wurden dem

angedroht, der behaupte, dieUrsache dieses Heiligtums" sei allein die Habsucht der Geistlichen. Obwohl nun das Kloster Marienfließ von den Havelberger Bischöfen, in deren Gebiet es lag, vielfach mit Ablaßprivilegien ausgestattet wurde, kam

es dennoch zu keiner rechten Blüte. Es hat neben Hei ligen-

grabe immer eine nur kleine und bescheidene Rolle gespielt,

Heiligengrabe aber kam zu Wohlstand und Ansehen. Am Aus-

gange des Mittelalters lebten etwa 70 Nonnen im Kloster.

24 Dörfer und Feldmarken gehörten zu seinem Besitz, insgesamt

HK