Heft 
(2019) 26
Seite
145
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Nachrufe Otis 26(2019): 145 – 149 Jürgen Mundt(20.6.1960 –24.8.2018) Im Alter von nur 58 Jahren verstarb nach langer schwerer Krankheit mein Freund und Schwedter Ornithologe Jürgen Mundt. Unser Mitgefühl gilt sei­ner Frau Katja und seinem Sohn Sascha. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Schwedt an der Oder blieb er zeitlebens seiner Heimat treu verbunden. Nach seiner Lehre zum Baumaschinisten/Baufacharbeiter im Pet­rolchemischen Kombinat(PCK) Schwedt/Oder war er im Werksschutz,im Fuhrpark und bei der Polizei tätig. Die Nachwendezeit brachte ihm berufliche Neuori­entierungen. So war er bis 1995 in der Naturwacht im Nationalpark Unteres Odertal und in der Projektgrup­pe NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle beschäftigt.Danach arbeitete er u.a.als Rettungssani­täter beim DRK und in der Forensischen Psychiatrie. Bereits seit früher Kindheit erweckte die Na­tur bei Jürgen großes Interesse. Mit dem Odertal bei Schwedt hatte er ein reiches Betätigungsfeld direkt vor der Haustür. Waren es zu Beginn Fische, Schmetterlinge und Libellen, für die er sich in­teressierte, kamen alsbald die Gefiederten dazu. Im Gründungsjahr 1975 wurde er Mitglied in der Fachgruppe Ornithologie Schwedt. Stellvertretend für seine vielen vogelkundlichen Aktivitäten stehen die Teilnahme an über 50 Wasservogelzählungen an der Unteren Oder und am Felchowsee, die Meldung von Großtrappen in der Uckermark bis zu ihrem Aussterben, Brutzeit-Erfassungen von Mehlschwalbe und Haubenlerche in Schwedt, jahrelange Brutpaar­Zählungen von Kiebitz, Großer Brachvogel und Braunkelchen im Altkreis Angermünde sowie die Zählungen von zugrastenden Goldregenpfeifern und Greifvögeln in der Randow-Welse-Niederung. Noch 2018 nahm Jürgen an der Drosselrohrsän­ger-Erfassung der ABBO in Berlin und Brandenburg teil. Über Jahrzehnte zählte er zu den aktivsten Feld­ornithologen der Region, die ihre Beobachtungen den Jahresberichten der Ornithologischen Arbeits­gemeinschaft Uckermark zur Verfügung stellten. Zur Insel Langenwerder an der Ostsee hatte er eine besondere Beziehung. Seit 1990 verstärkte er meist im Herbst für eine Woche als Beringungs-Helfer das Betreuungs-Team im Naturschutzgebiet. Mit der Grenzöffnung richtete sich sein ornitho­logischer Blick auch nach Osten. Nach einer ersten gemeinsamen Exkursion im Frühjahr 1991 an die Warthe-Mündung zwischen Kostrzyn und Slonsk in Polen(seit 2001 National­park) war klar,das war der Auftakt für eine jahrelange Beobachtungstätigkeit in diesem Gebiet. Nach über 25 Jahren kannte er jedes Steinkauz-Paarpersönlich und freute sich immer wieder, wenn er einen neuen Seeadler-Horst entdeckte. In einigen tausend Beob­achtungsstunden entstand ein Datenschatz, dessen Auswertung ihm nicht mehr vergönnt war. Zusam­men mit A. Jermaczek(Lubuski Klub Przyrodnikow) organisierten wir von 1997 bis 2000 alljährlich eine polnisch-deutsche Ornithologen-Tagung in Lagow Lubuski,die sich stets einer regen Teilnahme und pro­minenter Redner aus beiden Ländern erfreute. Als Mitglied eines Autoren-Teams erhielt er für eine Arbeit über den Gänsesäger Mergus merganser im Einzugsgebiet der Oder 1996 den Preis für Feld­ornithologie des Dachverbandes Deutscher Avifau­nisten(DDA).