Heft 
(2020) 27
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108 Otis 27(2020) 3 Diskussion Blauflügelenten brüten in Nordamerika und über­wintern vor allem in Gebieten von den südlichen USA bis ins nördliche Südamerika( R eeber 2015). Gemäß S vensson et al.(2017) gilt die Blauflü­gelente in Europa als seltene Ausnahmeerscheinung aus Nordamerika, die manchmal im Frühjahr zwi­schen heimziehenden Knäkenten Anas querquedula beobachtet wird. In Großbritannien tritt die Art als Gefangenschaftsflüchtling, aber jährlich auch als Irrgast aus Nordamerika auf( S now & P errins 1998). Allerdings muss man wie bei allen Wasservö­geln von einem sehr großen Potenzial an Gefangen­schaftsflüchtlingen ausgehen. Denn Wasservögel werden sowohl in Zoos als auch von zahlreichen Privatbesitzern in Freigehegen gehalten. Aufgrund des Kupierverbotes im deutschen Tierschutzgesetz dürfen die Flügelknochen der Jungvögel nicht wie früher beschnitten werden. Daher müssen die Vö­gel jährlich eingefangen und ihre Handschwingen abgeschnitten werden, damit sie nicht ihre Flugfä­higkeit erlangen. Dabei werden einzelne Vögel nicht rechtzeitig eingefangen, die dann abfliegen können. Jungvögel werden oft einfach fliegen gelassen, weil für nichtkupierte Wasservögel nur noch ein geringer Markt vorhanden ist. Solche Vögel werden auch häu­fig nicht beringt. Mit der angewendeten Methode kann nur über den Aufenthalt zum Zeitpunkt der Federbildung und über die vorherige Mauserzeit eine Aussage getroffen werden.Wenn Knochenmaterial der Ente vorgelegen hätte, so ließe sich eventuell, gemäß telefonischer Mitteilung des Instituts, auch etwas über die Zeit davor aussagen. Aus der Isotopenuntersuchung er­gibt sich, dass die Blauflügelente beim Erscheinen am Wandlitzer See im Dezember 2014 nicht unmit­telbar vom natürlichen Brutgebiet in Nordamerika stammt, denn die im Sommer 2014 gewachsene Armschwinge wurde in Europa gebildet. Daher lässt sich dieWildvogelthese nicht unterstützen. Danksagung Ein herzlicher Dank für die wertvollen Hinweise und kritische Durchsicht des Textes gilt Ulrike Häusler und Klemens Steiof. Literatur D ietrich -B ischoff , V.(2019): Eiderente: Isotopenuntersu­chung gibt Aufschluss über den Zeitpunkt der Verpaa­rung.Vogelwarte,Bd.57,Heft 3,August 2019,S.215 –216. R eeber , S.(2015): Wildfowl of Europe, Asia and North America. Christopher Helm, London, 656 S. S now , D. W.& C. M. P errins (1998): The Birds of the Wes­tern Palearctic, Concise Edition. Oxford University Press, Oxford, 1694 S. S vensson , L., M ullarney , K.& D. Z etterström (2017): Der Kosmos-Vogelführer. Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Stuttgart, 448 S. V oigt , C. C.& L. S. L ehnert ,(2015): Herkunftsabschätzung einer Blauflügelente( Anas discors ) aus dem Regierungs­bezirk Brandenburg anhand von stabilen Wasserstoff­isotopen. Auftragsarbeit des Leibniz-Instituts für Zoo­und Wildtierforschung in Berlin(unveröffentl.).