Heft 
(1.1.2019) 1/2
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NEUER BAUSTEIN IM AUSBILDUNGSPROFIL

Uni Potsdam mit StudienangebotIntegrativer Behindertensport

Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Verein zur Förderung der Sportwis­senschaft e. V. zu seinem Jahrestreffen ge­laden. Das Fest stand dabei deutlich un­ter dem Zeichen des gerade eingeführten StudienangebotsIntegrativer Behinder­tensport. Und das nicht ohne Grund: Schließlich ist Potsdam die erste deut­sche Universität mit einem Angebot in dieser Form. Wohl auch deshalb zeigte sich in der Gästeschar viel Prominenz. So fanden sich neben Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder auch Branden­burgs Bildungsministerin, Angelika Peter, der ehemalige Wissenschaftsminister des Landes, Dr. Hinrich Enderlein, die Präsidentin des Weltrates für Körperer­ziehung und Sport, Prof. Dr. Gudrun Doll­Tepper, sowie das Mitglied des Interna­tionalen Olympischen Komitees und zu­gleich Präsident des Nationalen Olympi­schen Komitees, Prof. Walther Tröger, auf dem Campus Am Neuen Palais ein.

Das neue Studienangebot trägt einer in Brandenburg schon seit Jahren sanktionier­ten Entwicklung Rechnung. Festgeschrie­ben ist sie im derzeit gültigen Schulgesetz, das aus dem Jahr 1996 stammt. Das Papier gibt einer gemeinsamen Erziehung von Be­hinderten und Nichtbehinderten den Vor­rang. Integration also statt Isolierung.

Noch allerdings bestehen Unterschiede. So erhalten Blinde, geistig Behinderte und Gehörlose nach wie vor fast vollzählig ihre Ausbildung in Förderschulen. Bei Seh-, Gehör- und Körperbehinderten aber kommt die Eingliederung in Klassen der Regel­schulen voran. Schon rund 2800 Schüler mit estgestelltem sonderpädagogischem För­derbedarf drückten hier 1996/97 die Schul­bänke. 1991/92 waren es im Vergleich dazu ur 200 Mädchen und Jungen! Und die Ten­enz setzt sich fort. Experten sind sich des­alb einig: die Lehrerbildung muß sich auf e neuen Gegebenheiten einstellen. n die Adresse des Bildungsministeriums nd der eigenen Einrichtung richtete so uch Prof, Dr. Horst Philipp, entscheidend n der Einrichtung des Studienangebots beteiligt, die Empfehlung:Integrations­Pädagogik sollte in der Lehramtsprüfungs­ordnung unseres Schulministeriums und in den Studienordnungen der Universität für alle Bereiche der Schule als verbindlicher Studieninhalt sowie darüber hinaus aus­drücklich als eminenter Bestandteil der Ausbildung ausgewiesen werden. Ihre derzeitige Berücksichtigung allein im Primarstufenbereich und im Studium der Sonderpädagogik reiche angesichts der veränderten Situation nicht mehr aus.

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Den Rahmen der Jahresveranstaltung bildeten Vorführungen der RollstuhltanzgruppeAuftakt" aus der FU Berlin. Ihr Repertoire reichte vom Tango-Mediey über langsamen und Wiener Walzer, Rock and Roll bis hin zur Rumba. Den behinderten und nichtbehinderten Akteuren sah man den großen

Spaß am gemeinsamen Tanzen an

Die Vorbereitung des jetzt im Institut für Sportwissenschaft der Potsdamer Alma mater angelaufenen Studienangebots hat fast zwei Jahre gedauert. Stolz ist man ge­genwärtig auf die gerade erhaltenen, maß­geblich über die Franz-Beckenbauer-Stif­tung und die Firma SOPUR MEDICAL fi­nanzierten elf neuen Rollstühle. Weitere für die Ausbildung erforderliche Geräte sollen später hinzukommen.Integrativer Behin­dertensport steht sowohl für Lehramts- als auch für Diplom-Studenten auf dem Studi­enplan. Vorlesungen und Seminare gibt es zu ganz unterschiedlichen Themen.

‚Wir wollen in den Lehrveranstaltungen aber nicht nur den theoretischen Hinter­grund beleuchten, sondern zugleich auch praktische Erfahrungen vermitteln, erläu­tert Prof. Dr. Jürgen Beckmann, Leiter des nun eingeführten Studienangebots. In ein­zelnen Übungseinheiten wird zum Beispiel das Miteinander vonFußgängern und Rollstuhlfahrern trainiert. Das Wechseln der Rollen oder das Einschränken der Bewe­gungsamplitude bei Fußgängern führen da­bei zur Schulung der Wahrnehmung. Auf den späteren praxisbezogenen Einstieg in die Arbeit mit Behinderten und Nichtbe­hinderten legen die Uni-Wissenschaftler zu­dem wert. Dazu gehören Hospitationen und Lehrproben der Studierenden am Pots­damer Oberlinhaus. Ein entsprechender Kooperationsvertrag mit der Partnerein­richtung liegt demnächst unterschriftsreif auf dem Tisch.

Mit dem Studienangebot, betont Beck­

Foto: Fritze

mann,möchten wir auch das Defizit, das in diesem Bereich in der Forschung besteht, verringern. Dazu sollen in Zukunft vermehrt Forschungsprojekte eingeworben werden. Eines davon gibt es bereits:Tauchen mit Behinderten und Nichtbehinderten.

Der eingeschlagene Weg verspricht Erfolg. Das Potsdamer Uni-Institut, das zeigen ak­tuelle Immatrikulationszahlen, ist bei Abitu­rienten in alten wie neuen Bundesländern stärker denn je gefragt. Sein nunmehr er­weitertes Ausbildungsprofil. dürfte für die Fortsetzung des Trends sorgen. PC.

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