NEUER BAUSTEIN IM AUSBILDUNGSPROFIL
Uni Potsdam mit Studienangebot„Integrativer Behindertensport”
Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Verein zur Förderung der Sportwissenschaft e. V. zu seinem Jahrestreffen geladen. Das Fest stand dabei deutlich unter dem Zeichen des gerade eingeführten Studienangebots„Integrativer Behindertensport“. Und das nicht ohne Grund: Schließlich ist Potsdam die erste deutsche Universität mit einem Angebot in dieser Form. Wohl auch deshalb zeigte sich in der Gästeschar viel Prominenz. So fanden sich neben Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder auch Brandenburgs Bildungsministerin, Angelika Peter, der ehemalige Wissenschaftsminister des Landes, Dr. Hinrich Enderlein, die Präsidentin des Weltrates für Körpererziehung und Sport, Prof. Dr. Gudrun DollTepper, sowie das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und zugleich Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Prof. Walther Tröger, auf dem Campus Am Neuen Palais ein.
Das neue Studienangebot trägt einer in Brandenburg schon seit Jahren sanktionierten Entwicklung Rechnung. Festgeschrieben ist sie im derzeit gültigen Schulgesetz, das aus dem Jahr 1996 stammt. Das Papier gibt einer gemeinsamen Erziehung von Behinderten und Nichtbehinderten den Vorrang. Integration also statt Isolierung.
Noch allerdings bestehen Unterschiede. So erhalten Blinde, geistig Behinderte und Gehörlose nach wie vor fast vollzählig ihre Ausbildung in Förderschulen. Bei Seh-, Gehör- und Körperbehinderten aber kommt die Eingliederung in Klassen der Regelschulen voran. Schon rund 2800 Schüler mit estgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf drückten hier 1996/97 die Schulbänke. 1991/92 waren es im Vergleich dazu ur 200 Mädchen und Jungen! Und die Tenenz setzt sich fort. Experten sind sich desalb einig: die Lehrerbildung muß sich auf e neuen Gegebenheiten einstellen. n die Adresse des Bildungsministeriums nd der eigenen Einrichtung richtete so uch Prof, Dr. Horst Philipp, entscheidend n der Einrichtung des Studienangebots beteiligt, die Empfehlung:„IntegrationsPädagogik sollte in der Lehramtsprüfungsordnung unseres Schulministeriums und in den Studienordnungen der Universität für alle Bereiche der Schule als verbindlicher Studieninhalt sowie darüber hinaus ausdrücklich als eminenter Bestandteil der Ausbildung ausgewiesen werden.“ Ihre derzeitige Berücksichtigung allein im Primarstufenbereich und im Studium der Sonderpädagogik reiche angesichts der veränderten Situation nicht mehr aus.
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Den Rahmen der Jahresveranstaltung bildeten Vorführungen der Rollstuhltanzgruppe„Auftakt" aus der FU Berlin. Ihr Repertoire reichte vom Tango-Mediey über langsamen und Wiener Walzer, Rock and Roll bis hin zur Rumba. Den behinderten und nichtbehinderten Akteuren sah man den großen
Spaß am gemeinsamen Tanzen an
Die Vorbereitung des jetzt im Institut für Sportwissenschaft der Potsdamer Alma mater angelaufenen Studienangebots hat fast zwei Jahre gedauert. Stolz ist man gegenwärtig auf die gerade erhaltenen, maßgeblich über die Franz-Beckenbauer-Stiftung und die Firma SOPUR MEDICAL finanzierten elf neuen Rollstühle. Weitere für die Ausbildung erforderliche Geräte sollen später hinzukommen.„Integrativer Behindertensport“ steht sowohl für Lehramts- als auch für Diplom-Studenten auf dem Studienplan. Vorlesungen und Seminare gibt es zu ganz unterschiedlichen Themen.
‚Wir wollen in den Lehrveranstaltungen aber nicht nur den theoretischen Hintergrund beleuchten, sondern zugleich auch praktische Erfahrungen vermitteln“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Beckmann, Leiter des nun eingeführten Studienangebots. In einzelnen Übungseinheiten wird zum Beispiel das Miteinander von„Fußgängern“ und Rollstuhlfahrern trainiert. Das Wechseln der Rollen oder das Einschränken der Bewegungsamplitude bei Fußgängern führen dabei zur Schulung der Wahrnehmung. Auf den späteren praxisbezogenen Einstieg in die Arbeit mit Behinderten und Nichtbehinderten legen die Uni-Wissenschaftler zudem wert. Dazu gehören Hospitationen und Lehrproben der Studierenden am Potsdamer Oberlinhaus. Ein entsprechender Kooperationsvertrag mit der Partnereinrichtung liegt demnächst unterschriftsreif auf dem Tisch.
„Mit dem Studienangebot“, betont Beck
Foto: Fritze
mann,„möchten wir auch das Defizit, das in diesem Bereich in der Forschung besteht, verringern“. Dazu sollen in Zukunft vermehrt Forschungsprojekte eingeworben werden. Eines davon gibt es bereits:„Tauchen mit Behinderten und Nichtbehinderten“.
Der eingeschlagene Weg verspricht Erfolg. Das Potsdamer Uni-Institut, das zeigen aktuelle Immatrikulationszahlen, ist bei Abiturienten in alten wie neuen Bundesländern stärker denn je gefragt. Sein nunmehr erweitertes Ausbildungsprofil. dürfte für die Fortsetzung des Trends sorgen. PC.
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