Heft 
(1.1.2019) 1/2
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;> Interesse besuchten, als sehr hoch ein und fühlten sich nur selten überfordert. Das "didaktische Geschick und das Engage­ment der Dozenten in solchen Veranstaltun­gen wird ebenso durchweg sehr hoch be­wertet. Pflichtveranstaltungen erweisen sich dage­gen nur effektiv in Hinblick auf die Teilneh­merzahl, die im Durchschnitt um 13 Teilneh­mer höher liegt. Betrachtet man aber die anderen, aus hochschuldidaktischer Sicht weit bedeutsameren Bewertungsdimen­sionen, So kann man den Eindruck gewin­nen, daß Dozenten im Studiengang Psycho­logie nur in geringem Maße das Lern- und Entwicklungspotential ihrer Studenten nut­zen, das dem natürlichen Interesse und Eigenantrieb studienwilliger junger Men­schen entspringt. Vielleicht ist einer der |Gründe für diese offensichtliche Diskrepanz in dem hochschulpolitischen Bemühen zu sehen, die Studiendauer zu verkürzen und das Studium generell zu effektivieren. Die

angestrebte Straffung von Studiengängen verursachte hohe Kosten, so scheinen aller­seits geteilte Merkmale guter universitärer Ausbildung und Lehre, wie beispielsweise die Diversifizierung und Verbreiterung des Studienangebotes oder die individuelle Profilbildung der Studenten im Studium, mehr und mehr der Vergangenheit anzuge­hören. Eberhard Schröder

Die Abbildung zeigt Unterschiede in der studentischen Bewertung, links zugunsten der Veranstaltungen mit BesuchsgrundPflicht und rechts zugunsten der Veranstaltungen mit BesuchsgrundInteresse. Für diesen Vergleich wurden alle Lehrveranstaltungen, die über drei Semester durchgeführt und evaluiert wurden, in eine Rangreihe bezüglich des Besuchsgrundes Interesse gebracht. Dann wurden die unteren 25 Prozent der Veranstaltungen in der Rangreihe (d.h., solche, die von allen Studenten als verpflichtend eingeschätzt wurden) und die oberen 25 Prozent der Veranstaltungen(d.h. jene, die mehrheitlich aus Interesse besucht wurden) ausgewählt. Abb.: ES.

Unterschiede in der Bewertung zwischen Veranstaltungen mit BesuchsgrundPflicht oderInteresse

Z Differenzwert zwischen obersten und untersten Quartil

Anzahl Referate

Qualität Referate

Themenrelevanz

Arbeitsaufwand

Mitverant­wortlichkeit

Strukturiertheit

Lehrkompetenz

Dozenten­engagement

Klima

Bewertungsdimension(1 7)

pp

Auseinander­setzung

Lernerfolg

Interessiertheit

Überforderung L

Gesamtnote(1 6)

Teilnehmer­anzahl(x 10)

°

1 2

-1 Besuchsgrund Pflicht Besuchsgrund Interesse

MODELLIERUNG ATMOSPHÄRISCHER KLIMAPROZESSE

Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Klaus Dethloff

Es gibt nach wie vor große Unsicherhei­_ ten bei der Bewertung zukünftiger Klima­_ veränderungen. Das wird unter anderem mit dem noch unklaren Einfluß der natür­; lichen Variabilität des Klimasystems er­| klärt. Unabhängig vom Einfluß der atmo­_ sphärischen Aerosole und der Wirkung | zunehmender Konzentrationen der Treib­3 hausgase auf das Klima, variiert dieses in _ der Zeitskala von Jahrzehnten und Jahr­

_ hunderten, °

_ Mit der Untersuchung nichtlinearer dynami­scher Wechselwirkungen in der Atmosphä­_ Te setzte Prof, Dr. Klaus Dethloff, Professor für Physik der Atmosphäre an der Universität Potsdam und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, neue Ak­zente für die Klimaforschung. Langzeit­| Integrationen einfacher Modelle über Jahr­tausende zeigten, daß die Klimavariabilität in Zeitskalen von Jahrzehnten und Jahrhunder­ten durch nichtlineare Reaktion auf atmo­sphärische Fluktuationen mit Zeitskalen von Tagen und Wochen bewirkt werden können. Seine Antrittsvorlesung hielt Dethloff im No­vember unter dem TitelModellierung atmo­Sphärischer Klimaprozesse. Bevor der Phy­_ Siker sich den Fragen der natürlichen lang­zeitigen Klimavariabilität widmete, gab er einen Einblick in die Modellhierarchie, die für die Untersuchung von Klimaprozessen in _ den letzten Jahrzehnten entwickelt wurde. Bereits mit einfachen Energiebilanzmodel­len(EBM) läßt sich zeigen, daß der Gradi­ent der Strahlungsbilanz mit einem Energie­überschuß in den Tropen und einem Ener­

giedefizit in polaren Breiten durch dynami­sche Prozesse ständig ausgeglichen wird. Mit Strahlungs-Konvektionsmodellen 1äßt sich der Einfluß atmosphärischer Spuren­gase auf den vertikalen Temperaturgra­dienten berechnen. Diese sind entschei­dende Temperaturregler(Treibhauseffekt) in der Zeitskala von Jahren. Die Einflüsse von Aerosolen und Wolken können bei ge­eigneter Parametrisierung ebenfalls mit die­sen Modellen untersucht werden.

Dreidimensionale niederspektrale Modelle wiederum ermöglichen unter Berücksichti­gung ausgewählter, nichtlinearer Wechsel­wirkungen planetarer und barokliner Wellen die qualitative Berechnung globaler Klima­strukturen als Funktion von Breite, Länge und Höhe. Schließlich sind globale Zirkula­tionsmodelle(GCM) die gegenwärtig lei­stungsfähigsten Werkzeuge zur quantitativen Simulation globaler Klimaprozesse. Aller­dings müssen in diesen Modellen eine gan­ze Reihe physikalischer Prozesse(Strahlung, Niederschlag, Verdunstung, Kondensation, Wolkenbildung) aber auch turbulente verti­kale Austauschprozesse von Impuls, Wärme und Wasser zwischen der Erdoberfläche und der Atmosphäre parametrisiert werden. Die Ergebnisse dieser Simulationen sind jedoch noch zu unsicher, um künftige Klima­änderungen genau voraussagen zu können. Danach widmete sich Dethloff eigenen Untersuchungen zur hochauflösenden re­gionalen Klimasimulation in der Arktis. Re­gionale Modelle können in der Art eines Vergrößerungsglases auf eine ausgewähl­te Region angewendet werden. Das überra­

schende Ergebnis ist, daß sich in einem Regionalmodell für die Arktis durch Anwen­dung unterschiedlicher Parametrisierungen Differenzen in der gleichen Größenordnung entwickeln können, wie sie für die bislang vorhergesagten anthropogenen Klimasig­nale in dieser Region erwartet werden. Ein weiteres Problem sind die bislang nicht vollständig verstandenen Ursachen lang­zeitiger Klimaänderungen. Die verfügbaren meteorologischen Beobachtungsreihen sind zu kurz, um die Variabilität in Zeitskalen von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden zu bestimmen. Hinweise für eine signifikante natürliche Variabilität findet man in Eisbohr­kernanalysen oder in Paläcoklimadaten. In diesem Zusammenhang diskutierte Dethloff die Integration über 10.000 Jahre mit einem einfachen nichtlinearen baroklinen Modell der Atmosphäre. Dieses Modell produziert ohne Änderung in den externen Anregungs­parametern eine ausgeprägte natürliche Klimavariabilität.

Weitergehende Simulationen über vorerst 1.000 Jahre mit einem einfachen GCM des gekoppelten Systems Atmosphäre-Ozean ergibt nach der Wavelet-Analyse dominie­rende Frequenzen von zehn bis elf Jahren, 65 Jahren und 280 Jahren. Die Antrittsvor­lesung unterstrich, daß bei der Modellie­rung atmosphärischer Klimaprozesse un­terschiedliche Modellansätze verfolgt wer­den müssen. Dabei ist insbesondere die nichtlineare, interne Anregung im Klima­system für weitere Untersuchungen der natürlichen Klimavariabilität von großer Bedeutung. Hartwig Gernandt

PUTZ 1-2/98

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