;> Interesse besuchten, als sehr hoch ein und fühlten sich nur selten überfordert. Das "didaktische Geschick und das Engagement der Dozenten in solchen Veranstaltungen wird ebenso durchweg sehr hoch bewertet. Pflichtveranstaltungen erweisen sich dagegen nur effektiv in Hinblick auf die Teilnehmerzahl, die im Durchschnitt um 13 Teilnehmer höher liegt. Betrachtet man aber die anderen, aus hochschuldidaktischer Sicht weit bedeutsameren Bewertungsdimensionen, So kann man den Eindruck gewinnen, daß Dozenten im Studiengang Psychologie nur in geringem Maße das Lern- und Entwicklungspotential ihrer Studenten nutzen, das dem natürlichen Interesse und Eigenantrieb studienwilliger junger Menschen entspringt. Vielleicht ist einer der |Gründe für diese offensichtliche Diskrepanz in dem hochschulpolitischen Bemühen zu sehen, die Studiendauer zu verkürzen und das Studium generell zu effektivieren. Die
angestrebte Straffung von Studiengängen verursachte hohe Kosten, so scheinen allerseits geteilte Merkmale guter universitärer Ausbildung und Lehre, wie beispielsweise die Diversifizierung und Verbreiterung des Studienangebotes oder die individuelle Profilbildung der Studenten im Studium, mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören. Eberhard Schröder
Die Abbildung zeigt Unterschiede in der studentischen Bewertung, links zugunsten der Veranstaltungen mit Besuchsgrund„Pflicht“ und rechts zugunsten der Veranstaltungen mit Besuchsgrund„Interesse“. Für diesen Vergleich wurden alle Lehrveranstaltungen, die über drei Semester durchgeführt und evaluiert wurden, in eine Rangreihe bezüglich des Besuchsgrundes „Interesse“ gebracht. Dann wurden die unteren 25 Prozent der Veranstaltungen in der Rangreihe (d.h., solche, die von allen Studenten als verpflichtend eingeschätzt wurden) und die oberen 25 Prozent der Veranstaltungen(d.h. jene, die mehrheitlich aus Interesse besucht wurden) ausgewählt. Abb.: ES.
Unterschiede in der Bewertung zwischen Veranstaltungen mit Besuchsgrund„Pflicht“ oder„Interesse“
Z Differenzwert zwischen obersten und untersten Quartil
Anzahl Referate
Qualität Referate
Themenrelevanz
Arbeitsaufwand
Mitverantwortlichkeit
Strukturiertheit
Lehrkompetenz
Dozentenengagement
Klima
Bewertungsdimension(1— 7)
pp
Auseinandersetzung
Lernerfolg
Interessiertheit
Überforderung L
Gesamtnote(1— 6)
Teilnehmeranzahl(x 10)
°
1 2
-1 Besuchsgrund Pflicht Besuchsgrund Interesse
MODELLIERUNG ATMOSPHÄRISCHER KLIMAPROZESSE
Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Klaus Dethloff
Es gibt nach wie vor große Unsicherhei_ ten bei der Bewertung zukünftiger Klima_ veränderungen. Das wird unter anderem mit dem noch unklaren Einfluß der natür; lichen Variabilität des Klimasystems er| klärt. Unabhängig vom Einfluß der atmo_ sphärischen Aerosole und der Wirkung | zunehmender Konzentrationen der Treib3 hausgase auf das Klima, variiert dieses in _ der Zeitskala von Jahrzehnten und Jahr
_ hunderten, °
_ Mit der Untersuchung nichtlinearer dynamischer Wechselwirkungen in der Atmosphä_ Te setzte Prof, Dr. Klaus Dethloff, Professor für Physik der Atmosphäre an der Universität Potsdam und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, neue Akzente für die Klimaforschung. Langzeit| Integrationen einfacher Modelle über Jahrtausende zeigten, daß die Klimavariabilität in Zeitskalen von Jahrzehnten und Jahrhunderten durch nichtlineare Reaktion auf atmosphärische Fluktuationen mit Zeitskalen von Tagen und Wochen bewirkt werden können. Seine Antrittsvorlesung hielt Dethloff im November unter dem Titel„Modellierung atmoSphärischer Klimaprozesse“. Bevor der Phy_ Siker sich den Fragen der natürlichen langzeitigen Klimavariabilität widmete, gab er einen Einblick in die Modellhierarchie, die für die Untersuchung von Klimaprozessen in _ den letzten Jahrzehnten entwickelt wurde. Bereits mit einfachen Energiebilanzmodellen(EBM) läßt sich zeigen, daß der Gradient der Strahlungsbilanz mit einem Energieüberschuß in den Tropen und einem Ener
giedefizit in polaren Breiten durch dynamische Prozesse ständig ausgeglichen wird. Mit Strahlungs-Konvektionsmodellen 1äßt sich der Einfluß atmosphärischer Spurengase auf den vertikalen Temperaturgradienten berechnen. Diese sind entscheidende Temperaturregler(Treibhauseffekt) in der Zeitskala von Jahren. Die Einflüsse von Aerosolen und Wolken können bei geeigneter Parametrisierung ebenfalls mit diesen Modellen untersucht werden.
Dreidimensionale niederspektrale Modelle wiederum ermöglichen unter Berücksichtigung ausgewählter, nichtlinearer Wechselwirkungen planetarer und barokliner Wellen die qualitative Berechnung globaler Klimastrukturen als Funktion von Breite, Länge und Höhe. Schließlich sind globale Zirkulationsmodelle(GCM) die gegenwärtig leistungsfähigsten Werkzeuge zur quantitativen Simulation globaler Klimaprozesse. Allerdings müssen in diesen Modellen eine ganze Reihe physikalischer Prozesse(Strahlung, Niederschlag, Verdunstung, Kondensation, Wolkenbildung) aber auch turbulente vertikale Austauschprozesse von Impuls, Wärme und Wasser zwischen der Erdoberfläche und der Atmosphäre parametrisiert werden. Die Ergebnisse dieser Simulationen sind jedoch noch zu unsicher, um künftige Klimaänderungen genau voraussagen zu können. Danach widmete sich Dethloff eigenen Untersuchungen zur hochauflösenden regionalen Klimasimulation in der Arktis. Regionale Modelle können in der Art eines Vergrößerungsglases auf eine ausgewählte Region angewendet werden. Das überra
schende Ergebnis ist, daß sich in einem Regionalmodell für die Arktis durch Anwendung unterschiedlicher Parametrisierungen Differenzen in der gleichen Größenordnung entwickeln können, wie sie für die bislang vorhergesagten anthropogenen Klimasignale in dieser Region erwartet werden. Ein weiteres Problem sind die bislang nicht vollständig verstandenen Ursachen langzeitiger Klimaänderungen. Die verfügbaren meteorologischen Beobachtungsreihen sind zu kurz, um die Variabilität in Zeitskalen von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden zu bestimmen. Hinweise für eine signifikante natürliche Variabilität findet man in Eisbohrkernanalysen oder in Paläcoklimadaten. In diesem Zusammenhang diskutierte Dethloff die Integration über 10.000 Jahre mit einem einfachen nichtlinearen baroklinen Modell der Atmosphäre. Dieses Modell produziert ohne Änderung in den externen Anregungsparametern eine ausgeprägte natürliche Klimavariabilität.
Weitergehende Simulationen über vorerst 1.000 Jahre mit einem einfachen GCM des gekoppelten Systems Atmosphäre-Ozean ergibt nach der Wavelet-Analyse dominierende Frequenzen von zehn bis elf Jahren, 65 Jahren und 280 Jahren. Die Antrittsvorlesung unterstrich, daß bei der Modellierung atmosphärischer Klimaprozesse unterschiedliche Modellansätze verfolgt werden müssen. Dabei ist insbesondere die nichtlineare, interne Anregung im Klimasystem für weitere Untersuchungen der natürlichen Klimavariabilität von großer Bedeutung. Hartwig Gernandt
PUTZ 1-2/98
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