Heft 
(1.1.2019) 1/2
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PALÄOKLIMAFORSCHUNG IN DER ARKTIS Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten

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Forschungsstützpunkt in der Arktis: Von der Koldewey-Station auf der norwegischen Inselgruppe

Spitzbergen aus erforschen Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) die Veränderungen des physikalischen und chemischen Zustands der Stratosphäre. Foto: AWT

Menschliche Eingriffe in das System Erde können zu einer künstlichen Verän­derung der natürlichen Klima- und Um­weltbedingungen führen. Die Zerstörung der Ozonschicht oder eine mögliche Er­wärmung, die durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan verursacht wird, sind in den letz­ten Jahren als ein herausragendes Pro­blem für die Zukunft der Menschheit er­kannt worden. Mit diesen Worten eröff­nete Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten, gemeinsam berufener Professor für Iso­topengeologie am Institut für Geowissen­schaften der Universität Potsdam und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und

| Meeresforschung(AWI), seine Antritts­

| vorlesung.

] Der Schlüssel zum Verständnis zukünftiger

Veränderungen liegt laut Hubberten in Polarregionen, da diese äußerst empfind­lich auf globale Klimaveränderungen rea­

| gieren und gleichzeitig steuernd in das glo­| bale Klimasystem eingreifen. So werden | beispielsweise durch die großen sibiri­| schen Flüsse Ob, Yenissey und Lena gewal­

tige Mengen an Süßwasser in den arkti­schen Ozean und dann über die transpolare

Drift in den Nordatlantik transportiert. Auf _ den flachen sibirischen Schelfen wird stän­

dig Meereis produziert, das ebenfalls mit der transpolaren Drift in den atlantischen Ozean gelangt. Klimaveränderungen wir­ken sich auf diese Süßwasser- und Meereis­bewegungen aus und beeinflussen das Ozeanische Zirkulationssystem in noch nicht absehbarer Art und Weise. Selbst ein Versiegen des Golfstromes wird inzwischen für möglich gehalten.

Ebenfalls empfindlich auf eine Temperatur­erhöhung könnten die weiten Permafrost­landschaften Rußlands reagieren, die im­

merhin über 50 Prozent des Territoriums einnehmen. Diese, bis in 1.000 Meter Tie­fe kontinuierlich gefrorenen Böden und Ge­steine, tauen nur saisonal bis zu einer Tie­fe von höchstens wenigen Metern auf. Eine Erhöhung der Auftautiefen könnte zu einer Freisetzung des im Untergrund gebunde­nen Kohlenstoffs in Form von Kohlendioxid und Methan führen, wodurch der Treib­hauseffekt noch weiter verstärkt würde.

In einem deutsch-russischen Forschungs­

BABELSBERGER UNI-GELÄNDE LOCKTE BESUCHER

Die Geschichte einer vergessenen Machtzen­trale desDritten Reiches zu rekonstruieren, war das Anliegen einer Vortragsveranstaltung zum Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das sich bis 1945 zusammen mit dem DRK-Hauptlager auf dem heutigen Universitäts­gelände in Babelsberg-Griebnitzsee befand. Regine Jaszinskı(3. v. 1.), Studentin an der FU Berlin, erläuterte in einem architekturhistori­schen Vortrag und einer anschaulichen Führung die Planungs- und Baugeschichte des ehemalı­gen DRK-Präsidialgebäudes, Markus Wicke(l.),

projekt, daß seit 1993 von der Potsdamer Forschungsstelle des AWI unter der Leitung von Hubberten durchgeführt wird, konnte ein vorläufiges Bild der Klima- und Umwelt­entwicklung im nördlichen Mittelsibinen seit der letzten Eiszeit vor rund 18.000 Jahren erarbeitet werden. Durch die Untersuchung von Bohrkernen aus Seeablagerungen, die von der Region der Taiga im Süden bis zu den vergletscherten nördlichen Inseln im arktischen Ozean reichen, konnte die Verän­derung der Vegetation im Zusammenhang mit den natürlichen Klimaschwankungen lückenlos rekonstruiert werden. Durch die systematische Untersuchung von Nieder­schlägen der Vergangenheit, die heute in begrabenen Gletschern, Eiskeilen und an­deren Eiskörpern konserviert sind, konnten darüber hinaus Veränderungen der Winter­temperaturen und des atmosphärischen Zirkulationssystems charakterisiert werden. Diese Beispiele zeigen, daß natürliche Kli­maänderungen und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft rekonstruiert wer­den können, und damit Paläoklimaforschung entscheidend zum Verständnis möglicher künftiger Änderungen und ihrer Auswirkun­gen beitragen kann. In einem abschließen­den Plädoyer regte Hubberten an, im Rah­men künftiger Paläoklima-Forschungs­projekte verstärkt auf die Wechselwirkung zwischen Land und Ozean unter Einbezie­hung der vereisten Gebiete der Polar­regionen einzugehen. Stefan Back

Student an der Universität Potsdam, rekonstru­jerte in seinen Ausführungen die noch weit­gehend unbekannten personellen Verbindun­gen der DRK-Führungsspitze zu Heinrich Himm­lers SS. Wicke leitet seit einigen Jahren eine studentische Projektgruppe zur Geschichte des DRK-Präsidiums an der Alma mater. Die vom Studierendenrat und dem Studentenwerk Pots­dam geförderte Veranstaltung fand zahlreiche interessierte Zuhörer und soll voraussichtlich in diesem Jahr wiederholt werden,

M.W./Foto: Tribukeit

PUTZ 1-2/98

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