PALÄOKLIMAFORSCHUNG IN DER ARKTIS Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten
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Forschungsstützpunkt in der Arktis: Von der Koldewey-Station auf der norwegischen Inselgruppe
Spitzbergen aus erforschen Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) die Veränderungen des physikalischen und chemischen Zustands der Stratosphäre. Foto: AWT
„Menschliche Eingriffe in das System Erde können zu einer künstlichen Veränderung der natürlichen Klima- und Umweltbedingungen führen. Die Zerstörung der Ozonschicht oder eine mögliche Erwärmung, die durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan verursacht wird, sind in den letzten Jahren als ein herausragendes Problem für die Zukunft der Menschheit erkannt worden.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten, gemeinsam berufener Professor für Isotopengeologie am Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und
| Meeresforschung(AWI), seine Antritts
| vorlesung.
] Der Schlüssel zum Verständnis zukünftiger
Veränderungen liegt laut Hubberten in Polarregionen, da diese äußerst empfindlich auf globale Klimaveränderungen rea
| gieren und gleichzeitig steuernd in das glo| bale Klimasystem eingreifen. So werden | beispielsweise durch die großen sibiri| schen Flüsse Ob, Yenissey und Lena gewal
tige Mengen an Süßwasser in den arktischen Ozean und dann über die transpolare
Drift in den Nordatlantik transportiert. Auf _ den flachen sibirischen Schelfen wird stän
dig Meereis produziert, das ebenfalls mit der transpolaren Drift in den atlantischen Ozean gelangt. Klimaveränderungen wirken sich auf diese Süßwasser- und Meereisbewegungen aus und beeinflussen das Ozeanische Zirkulationssystem in noch nicht absehbarer Art und Weise. Selbst ein Versiegen des Golfstromes wird inzwischen für möglich gehalten.
Ebenfalls empfindlich auf eine Temperaturerhöhung könnten die weiten Permafrostlandschaften Rußlands reagieren, die im
merhin über 50 Prozent des Territoriums einnehmen. Diese, bis in 1.000 Meter Tiefe kontinuierlich gefrorenen Böden und Gesteine, tauen nur saisonal bis zu einer Tiefe von höchstens wenigen Metern auf. Eine Erhöhung der Auftautiefen könnte zu einer Freisetzung des im Untergrund gebundenen Kohlenstoffs in Form von Kohlendioxid und Methan führen, wodurch der Treibhauseffekt noch weiter verstärkt würde.
In einem deutsch-russischen Forschungs
BABELSBERGER UNI-GELÄNDE LOCKTE BESUCHER
Die Geschichte einer vergessenen Machtzentrale des„Dritten Reiches“ zu rekonstruieren, war das Anliegen einer Vortragsveranstaltung zum Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das sich bis 1945 zusammen mit dem DRK-Hauptlager auf dem heutigen Universitätsgelände in Babelsberg-Griebnitzsee befand. Regine Jaszinskı(3. v. 1.), Studentin an der FU Berlin, erläuterte in einem architekturhistorischen Vortrag und einer anschaulichen Führung die Planungs- und Baugeschichte des ehemalıgen DRK-Präsidialgebäudes, Markus Wicke(l.),
projekt, daß seit 1993 von der Potsdamer Forschungsstelle des AWI unter der Leitung von Hubberten durchgeführt wird, konnte ein vorläufiges Bild der Klima- und Umweltentwicklung im nördlichen Mittelsibinen seit der letzten Eiszeit vor rund 18.000 Jahren erarbeitet werden. Durch die Untersuchung von Bohrkernen aus Seeablagerungen, die von der Region der Taiga im Süden bis zu den vergletscherten nördlichen Inseln im arktischen Ozean reichen, konnte die Veränderung der Vegetation im Zusammenhang mit den natürlichen Klimaschwankungen lückenlos rekonstruiert werden. Durch die systematische Untersuchung von Niederschlägen der Vergangenheit, die heute in begrabenen Gletschern, Eiskeilen und anderen Eiskörpern konserviert sind, konnten darüber hinaus Veränderungen der Wintertemperaturen und des atmosphärischen Zirkulationssystems charakterisiert werden. Diese Beispiele zeigen, daß natürliche Klimaänderungen und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft rekonstruiert werden können, und damit Paläoklimaforschung entscheidend zum Verständnis möglicher künftiger Änderungen und ihrer Auswirkungen beitragen kann. In einem abschließenden Plädoyer regte Hubberten an, im Rahmen künftiger Paläoklima-Forschungsprojekte verstärkt auf die Wechselwirkung zwischen Land und Ozean unter Einbeziehung der vereisten Gebiete der Polarregionen einzugehen. Stefan Back
Student an der Universität Potsdam, rekonstrujerte in seinen Ausführungen die noch weitgehend unbekannten personellen Verbindungen der DRK-Führungsspitze zu Heinrich Himmlers SS. Wicke leitet seit einigen Jahren eine studentische Projektgruppe zur Geschichte des DRK-Präsidiums an der Alma mater. Die vom Studierendenrat und dem Studentenwerk Potsdam geförderte Veranstaltung fand zahlreiche interessierte Zuhörer und soll voraussichtlich in diesem Jahr wiederholt werden,
M.W./Foto: Tribukeit
PUTZ 1-2/98
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