INFORMATIONSVERARBEITUNG PER QUANTENCOMPUTER
Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Martin Wilkens
Neben der Quantenoptik, der Atom- und Molekülphysik und der Quantenfeldtheorie zählt auch die Verarbeitung von Quanteninformationen zu den Spezialgebieten von Prof. Dr. Martin Wilkens. In seiner Antrittsvorlesung an der Universität Potsdam beschäftigte sich der neuberufene Physik-Professor mit den weitreichenden Möglichkeiten, die Quantenbits für die Informationstechnologie bieten.
Aus der Sicht von Physikern ist InformatiOnsverarbeitung ein physikalischer Prozeß, und umgekehrt kann jeder physikalische Prozeß als informationsverarbeitender Prozeß aufgefaßt werden. So berechnet beispielsweise Newtons fallender Apfel in der zurückliegenden Strecke das Quadrat seiner Fallzeit. Newtons fallender Apfel ist jedoch kein sonderlich praktischer Computer. Selbst wenn man sich damit zufrieden gibt, nur Quadratzahlen berechnen zu wollen, ist die Genauigkeit seiner Berechnung durch die Genauigkeit der Messung von Fallstrecke, Fallzeit und Erdbeschleunigung zu stark eingeschränkt, um von praktischem Nutzen zu sein.
Um sich von derartigen Unzulänglichkeiten physikalischer Analogrechner zu befreien, wurden in den 20er Jahren Modelle entwikkelt, in denen von der physikalischen Beschaffenheit von Rechnern abstrahiert wird. Die bekanntesten Abstraktionen sind der Digitalcomputer mit dem Bit als elementarer Informationseinheit und dem Algorithmus als Rezept, nach dem eine Folge von Bits nach genau festgelegten Regeln verarbeitet wird. Noch heute bilden das Bit und der Algorithmus das Rückgrat in der Komplexitätstheorie, das heißt in der TheoNe dessen, was mit vertretbarem Aufwand berechnet werden kann, und was nicht. Mitte der 80er Jahre wurde jedoch erkannt, daß sich die Kriterien der Berechenbarkeit grundlegend ändern, wenn der Begriff des Zustandes eines Computers quantentheoretisch verstanden wird. Ein Bit erscheint demnach nicht länger als„gesetzt“ beziehungsweise„nicht-gesetzt“, sondern durch als„gesetzt und nicht-gesetzt“. Einem Atomphysiker oder einem Laserphysiker ist ein solcher Zustand wohl vertraut, wenn nur„gesetzt“ mit„Atom im angeregten Zustand“ und„nicht-gesetzt“ mit „Atom im Grundzustand“ identifiziert wird. Das Quantenbit beschreibt dann ein Atom, das sich in einer linearen Superposition dieser beiden Zustände befindet. Lineare Superpositionen kennen kein klassisches Analogon. Es ist deshalb zu erwarten, daß Informationen, die in Quantenbits kodiert
sind, ganz neue Möglichkeiten der Informationsverarbeitung eröffnen.
Bislang ist jedoch noch nicht bekannt, ob Quantencomputer jemals realisiert werden können. Zwar gibt es erste Experimente mit kleinen 2-Bit-Computern, die Skalierung zu großen Maschinen ist aber noch ungewiß. Das Hauptproblem ist, daß ein erfolgreicher Quantencomputer zwei scheinbar unverträgliche Anforderungen stellt. Einerseits muß jedes einzelne Bit von außen ansprechbar sein, um den Computer programmieren zu können. Andererseits sollte das System so gut wie möglich von seiner Umgebung isoliert sein, damit die Lösung nicht durch unkontrollierbare„Quantensprünge“ verfälscht wird, Ob und inwieweit sich diese beiden Anforderungen prinzipiell vereinbaren las
sen, ist Gegenstand aktueller Forschung. Auch wenn sich im Laufe dieser Untersuchungen herausstellen sollte, daß große Quantencomputer prinzipiell nicht realisiert werden können — die Möglichkeit der Informationsverarbeitung auf kleinen Quantencomputern, Molekülen etwa, ist allemal interessant genug, weiterverfolgt zu werden. Zg.
Prof. Dr. Martin Wilkens Foto: Fritze
50 JAHRE MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG
Vortragsreihe zum Jubiläum gestartet
In Brandenburg häufen sich 1998 die Jubiläen. 150 Jahre bürgerliche Revolution, 900 Jahre Zisterzienser und 1050 Jahre Bistum Brandenburg stehen ebenso auf dem Programm, wie der 100. Geburtstag des Dramatikers Bertolt Brecht und der 100. Todestag von Theodor Fontane. Auch ein wichtiger internationaler Jahrestag darf im Terminkalender der geschichtsinteressierten Brandenburger nicht fehlen: Am 10. Dezember vor 50 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der UNO-Generalversammlung verabschiedet. Das Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam hat aus diesem Anlaß bereits Anfang des Jahres eine Vortragsreihe gestartet. Im Januar sprach der Jurist Norman Weiß über das Thema„Kinder— ein neuentdeckter Gegenstand des Menschenrechtsschutzes?“ Hier eine kurze Zusammenfassung des Vortrags.
Im Jahre 1989 wurde das Übereinkommen über die Rechte des Kindes von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Für die Bundesrepublik Deutschland trat es am 5. April 1992 in Kraft, inzwischen ist es in 191 Staaten gültig.
In der Folge des Abkommens gab es weltweit zum Teil beachtliche Gesetzgebungsaktivitäten, wie beispielsweise die N. ovellierung des Familienrechts in Deutschland. Zudem hat die Kinderrechtskonvention für ein verstärktes Bewußtsein der rechtlichen Lage von Kindern gesorgt. Das kommt beispielsweise bei der Diskussion um das Verbot von sogenannten Anti-Personen-Minen zum Ausdruck, da gerade Kinder einen hohen Anteil unter den Opfern stellen. Gleichwohl sollte nicht der Eindruck entstehen, daß die Rechte und der Schutz von Kindern erst vor wenigen Jahren in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten sind. Die Bemühungen der Vereinten Nationen reichen viel weiter zurück. So ist die Weltorganisation in den Bereichen Kriminalität, Arbeitsschutz, Bildung und Familie schon seit ihrer Gründung aktiv. Der Schutz von Kindern mag heute populärer sein als ehe
dem, aber er ist keine Erfindung unserer Zeit. Es ist zu wünschen, daß die Ergebnisse älterer Bemühungen durch das heutige Interesse noch verstärkt werden.
Das Menschenrechtszentrum der Universität wird seine Jubiläumsveranstaltungen das ganze Jahr über fortsetzen. Geplant sind unter anderem Vorträge zu den Themen„Menschenrechte in Deutschland“, „Menschenrechte in den verschiedenen Kulturen“,„Bedeutung der UN-Erklärung für den internationalen MenschenrechtsSchutz“ und„Praktische Menschenrechtspolitik“, Im August soll zudem eine Wanderausstellung zum Jubiläum starten. Ort und Zeitpunkt dieser Veranstaltungen werden Noch bekanntgegeben. Ein Termin steht allerdings schon fest: Am 10. Dezember, dem Jahrestag der UN-Erklärung, findet in Potsdam eine Festveranstaltung statt, zu der unter anderen auch der ehemalige polnische Ministerpräsident Tadeusz MazowieCki eingeladen ist. ZT:
Informationen erteilt das Menschen
Techtszentrum unter der Telefonnummer 0331/70 76 72.
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