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(1.1.2019) 1/2
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anderen formulierte Prämisse, eine wissen­schaftliche Begriffsbildung müsse sich unter anderem darum bemühen, den Erfahrungen der Zeitgenossen Rechnung zu tragen, blieb in der Abschlußdiskussion nicht unwider­sprochen. Peter Steinbach(FU Berlin) sah hier die Grenze zu harmonisierenden, letzt­lich geschichtspolitischen Betrachtungswei­sen überschritten.

DIE SATIRE MÜSSTE NOCH SCHÄRFER SEIN!" DAS KÖNNEN SIE LAUT SAGEN!

Zeichnung: Manfred Bofinger, 1979

Letztlich fand die Beschreibung der DDR als eine auf verschiedenen Ebenen von Spannungslinien geprägte Gesellschaft, bei der nicht zuletzt der politische Homo­genisierungsdruck desintegrierend gewirkt habe(Detlef Pollack, Frankfurt/Oder), als Theorie mittlerer Reichweite bei den Teil­nehmern erheblich mehr Zustimmung als die übergreifenden Etikettierungen. Und so gestand Christoph Kleßmann(Potsdam) in der Abschlußdiskussion denn auch, daß sich seine Vorbehalte gegen die Bezeichnung der DDR alsmoderne Diktatur im Verlauf der Tagung zu massiven Bauchschmerzen aus­geweitet hätten. Die Bedenken resultierten dabei offensichtlich auch aus der unklaren Bedeutung und positiven Konnotationen des Moderne-Begriffs. Die Bezeichnung der DDR als Diktatur war dagegen unter den anwesenden Wissenschaftlern gänzlich un­umstritten. Christoph Classen

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RUMÄNIEN NACH CEAUSESCU

Internationales Expertentreffen an der Universität Potsdam

Mit der Migration sowie der wirtschaftli­chen und sozialen Transformation in Süd­Osteuropa nach 1990 beschäftigten sich im November vergangenen Jahres 40 Wis­senschaftler aus fünf Ländern bei einer Ta­gung an der Universität Potsdam. Im Mit­telpunkt der Veranstaltung stand die Ent­wicklung in Rumänien nach dem Zusam­menbruch des Ceausescu-Regimes.

Der Potsdamer Sozial- und Kulturgeograph Prof, Dr. Wilfried Heller präsentierte zusam­men mit mehreren rumänischen Partnern erste Zwischenergebnisse eines For­schungsprojektes zur Transformation in Ru­mänien. Die Wissenschaftler hatten eine Befragung in unterschiedlich strukturierten Orten durchgeführt. Eines der überra­schendsten Ergebnisse: Vor allem die Be­wohner entlegener Bergdörfer bewerteten ihre Lebenssituation heute nicht viel schlechter als vor dem Umsturz, obwohl sich ihre wirtschaftliche Lage erheblich ver­schlechtert hat. Weitere Referenten aus dem In- und Ausland hielten Vorträge über die Wirtschafts- und Regionalpolitik Rumäniens und deren Aus­wirkungen auf die Bevölkerungsmobilität, die Transformation politischer Institutionen und die Proble­me der Dezen­tralisierung und Regionalpla­nung. Daneben waren Referate spezifischen Problemen des ländlichen Rau­mes, der Land­wirtschaft, dem Städtesystem und der Stadt­entwicklung in Bukarest gewid­met,

Ausgehend von der Überlegung, daß das Phäno­men Migration in seinen ver­

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Ist nach offiziellen Angaben Erwerbslosen noch viel höher

schiedenen quantitativen und qualitativen Dimensionen sozusagen alsSeismograph für ökonomische, soziale und politische Pro­zesse gelesen werden kann, stellten die Re­ferenten Bezüge zwischen den von ihnen behandelten Aspekten und den aktuellen Trends der räumlichen Bevölkerungs­mobilität her. Eindeutige Zusammenhänge können nur in Ausnahmefällen konstatiert werden, etwa bei seit 1991 bemerkenswert häufig gewordenen Stadt-Land-Wanderun­gen. Die De-Industrialisierungspolitik hat zu hohen Arbeitslosenraten in den Städten ge­führt, während der ländliche Raum seit der Bodenreform wieder an Attraktivität gewon­nen hat. Beide staatlichen Maßnahmen ge­meinsam dürften die Abwanderung aus den Städten maßgeblich stimuliert haben. Solch eindeutige Zusammenhänge stellen nach bisherigem Kenntnisstand allerdings Aus­nahmen dar.

Die von der Deutschen Forschungsgemein­schaft und der Südosteuropa-Gesellschaft geförderte Veranstaltung gab nicht nur einen Überblick über den internationalen Stand der Forschung, sie zeigte auch deren Defi­zite auf und stellte den Rahmen für neue in­ternationale Kooperationen und gemeinsa­me Folgeprojekte her, Carsten Felgentreff

Der Aufschwung läßt auf sich warten: In dem 1 ‚500 Seelen-Dorf Rociu hat sich die wirtschaftliche Situation Wie in den meisten anderen Orten in der Provinz

Ohne Arbeit. Tatsächlich dürfte die Zahl der liegen.

Foto: Heller

INTERNATIONALE TAGUNG ZUR DATENANALYSE

An einem internationalen Workshop zur Da­tenanalyse an der Universität Potsdam ha­ben im November rund 50 Wissenschaftler aus vier Ländern teilgenommen. Im Mittel­punkt der Tagung standen die Mehr­ebenenanalyse und ihr Einsatz in der Längsschnittforschung. Angewendet wird diese Analyseform unter anderem in der Soziodemographie und Sozialstruktur­

forschung, aber auch in der Wahl- und Bildungsforschung sowie im Marketing­bereich. Die wichtigsten Konferenzbeiträge Sollen in einem Buch mit dem Titel Multilevel Analysis of Complex Survey Data" Zusammengefaßt werden. Organi­Sıert worden war die Tagung von dem Pro­fessor für Sozialstrukturanalyse an der Uni­versität Potsdam, Prof. Dr. Uwe Engel. zg.

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