SLAVISCHE SPRACHEN IM BLICKPUNKT
2. Europäische Konferenz der Slavisten und Linguisten
Nachdem die formale Linguistik in den vergangenen Jahrzehnten weltweit einen enormen Aufschwung erlebt hat, rücken in jüngster Zeit auch die slavischen Sprachen im"mer mehr in den Blickpunkt der formalen Sprachbeschreibung. Hat sich in Nordamerika die Slavistik schon seit längerem modernen linguistischen Theorien geöffnet und ie Forschungstätigkeit in jährlich stattfindenden Treffen„Formal Approaches to Slavic
Zn SCH(FASL) koordiniert, so fehlte in Europa bis vor kurzem noch ein vergleich
bares Forum für den wissenschaftlichen Austausch auf diesem Gebiet. Vor zwei Jah
"ren wurde der erste Versuch unternommen, Linguisten auf dem Gebiet der formalen _Sprachbeschreibung slavischer Sprachen aus der ganzen Welt, insbesondere aber aus den ost- und westeuropäischen Staaten, zusammenzubringen.
Die Erste Europäische Konferenz„Formal Description of Slavic Languages“ FDSL1 fand 1995 in Leipzig statt und hatte ein gu"tes Echo in ganz Europa und darüber hinaus, Der Erfolg dieser Konferenz veranlaßte die damaligen Organisatoren dazu, die|se zu einer im Abstand von zwei Jahren wie1 derkehrenden Einrichtung zu machen. Als ‚Ort der zweiten Konferenz FDSL2 wurde Potsdam als eines der linguistischen Zen|tren dieser Forschungseinrichtung vorgeSchlagen. Und so tagten rund 70 Referen] ten und an die 120 Teilnehmer aus Europa ‚und den USA Ende November 1997 an der | Universität Potsdam. | Organisiert wurde die Zweite Europäische ; Konferenz zur„Formalen Beschreibung der slavischen Sprachen“ vom Institut für | Slavistik und dem Institut für Linguistik/All| gemeine Sprachwissenschaft. Die slavisti\ sche Linguistik sah darin die Möglichkeit, De den theoretischen Fortschritt in der
neueren generativen Sprachtheorie anzuknüpfen, um am Beispiel der slavischen | Sprachen die deskriptive und explanatorische Adäquatheit der einzelnen Gram| matikmodelle zu überprüfen. Die Konferenz behandelte unter anderem die neue
ren Stadien der Entwicklung der generativen Grammatik. Neben Vorträgen allgemeineren Charakters und solchen zu einzelnen Phänomenen der Grammatik slavischer Sprachen- Russisch, Polnisch,
Tschechisch, Serbisch, Kroatisch, Slove
nisch, Bulgarisch, Sorbisch, Slovakisch,
Ukrainisch, Weißrussisch oder Altbul
garisch- gab es auch interessante Beiträ
ge zur maschinellen Umsetzung, zur
Computerlinguistik sowie zum Sprach
erwerb.
Gefördert wurde die Konferenz mit Mitteln
des Ministeriums für Wissenschaft, For
Schung und Kultur des Landes Branden
burg und der Robert Bosch Stiftung. Deren
Unterstützung ermöglichte die Teilnahme
zahlreicher Wissenschaftler aus den ost
und südosteuropäischen Ländern, darunter aus Rußland, Polen, der Tschechischen
Republik, Slowakei, Slovenien, Bulgarien,
Jugoslawien, Kroatien, Bosnien und der
Ukraine, Die Beteiligung der westeuropäi
schen Länder, darunter Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Frankreich, Finnland, Österreich, Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland unterstrich die Bedeutung dieser Tagung, neben dem wissenschaftlichen Aspekt auch die Brückenfunktion Brandenburgs als Mittler zwischen Ost- und Westeuropa wahrzunehmen. Auch Wissenschaftler aus den USA fanden den Weg nach Potsdam. Auf die politische Dimension der Konferenz verwiesen denn auch der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder,
Beteiligte sich am WISSENschaftlichen Austausch über formale Sprachbeschreibung slavischer Sprachen: Prof. Dr. Leonard Babhby von der Princeton University/
Foto: Tribukeit
und die Vertreterin des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums, Dr. Ines Hildebrandt.
Für die slavistische Linguistik an der Universität Potsdam eröffnete sich nach Auffassung der Veranstalter mit dieser Konferenz die Möglichkeit, den theoretischen und methodologischen Fortschritt ihrer Disziplin entscheidend mitzubestimmen und ihr gegenüber den eher traditionell arbeitenden slavistischen Linguisten in den alten Bundesländern zum theoretischen Durchbruch zu verhelfen. PK.
NEUE„SCHEINWERFER” IN DER ORGANISATIONSFORSCHUNG?
2. Potsdamer Seminar für Interdisziplinäre Organisationsforschung
Auf Einladung der Potsdamer Professoren Dr. Thomas Edeling(Organisationsund Verwaltungssoziologie), Dr. Werner Jann(Politik- und Verwaltungswissenschaft) und Dr. Dieter Wagner(BWL mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen) fand Ende November 1997 in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein Workshop zu Fragen der Interdisziplinären Organisationsforschung statt.
Die Veranstaltung widmete sich dem Thema„Institutionenökonomie und Neuer Institutionalismus in der Organisationstheorie“ und wendete sich an Forscher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum und wie Institutionen entstehen und sich verändern. Diese Thematik zählt zu den Forschungsschwerpunkten der Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät und kann sich z. B. auf die Herausbildung von Notenbanken und Währungssystemen in Transformationsgesellschaften, aber auch auf Privatisierungsvorgänge bei Bahn, Post, Energie und Telekommunikation oder auf die Verwaltungsmodernisierung beziehen. Insgesamt war es nicht verwunderlich, daß je nach disziplinärem Hintergrund unterschiedliche Begründungszusammenhänge
geliefert wurden. So gab es Beiträge aus dem Bereich der Politik- und Verwaltungswissenschaft, der Soziologie und der Betriebswirtschaftslehre. Einerseits wurde untersucht, inwieweit sich ökonomische und soziologische Erklärungsmuster integrieren lassen, andererseits wurden die Anwendungsmöglichkeiten und-grenzen der Transaktionskostentheorie auf unterschiedliche Erkenntnisobjekte diskutiert. Abschließend erfolgte ein Überblick über den Neuen Institutionalismus in der Finanz- und Bankwirtschaft.
Die Teilnehmer des Seminars begrüßten es, daß sie in Potsdam konkrete Probleme von gemeinsamen Feldern der Organisationsforschung in der Sprache unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen erörtern konnten. Ausdruck dessen war eine rege, fundierte und über jede Fachgrenze erhabene Diskussion der Beiträge, was nicht zuletzt auch durch eine ausgewogene Auswahl und Plazierung der Fachvorträge sowie durch eine geduldige und zuweilen auch humorvolle Moderation seitens der drei Gastgeber gelang. Insgesamt herrschte die Ansicht vor, mit den organisationswissenschaftlichen Workshops in Potsdam ein stabiles Forum zur kollegialen und fächerübergreifenden Verständigung gefunden zu haben, das fortgeführt werden soll. Sören Lieske
PUTZ 1-2/98
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