Heft 
(1.1.2019) 1/2
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SLAVISCHE SPRACHEN IM BLICKPUNKT

2. Europäische Konferenz der Slavisten und Linguisten

Nachdem die formale Linguistik in den vergangenen Jahrzehnten weltweit einen enor­men Aufschwung erlebt hat, rücken in jüngster Zeit auch die slavischen Sprachen im­"mer mehr in den Blickpunkt der formalen Sprachbeschreibung. Hat sich in Nordame­rika die Slavistik schon seit längerem modernen linguistischen Theorien geöffnet und ie Forschungstätigkeit in jährlich stattfindenden TreffenFormal Approaches to Slavic

Zn SCH(FASL) koordiniert, so fehlte in Europa bis vor kurzem noch ein vergleich­

bares Forum für den wissenschaftlichen Austausch auf diesem Gebiet. Vor zwei Jah­

"ren wurde der erste Versuch unternommen, Linguisten auf dem Gebiet der formalen _Sprachbeschreibung slavischer Sprachen aus der ganzen Welt, insbesondere aber aus den ost- und westeuropäischen Staaten, zusammenzubringen.

Die Erste Europäische KonferenzFormal Description of Slavic Languages FDSL1 fand 1995 in Leipzig statt und hatte ein gu­"tes Echo in ganz Europa und darüber hin­aus, Der Erfolg dieser Konferenz veranlaß­te die damaligen Organisatoren dazu, die­|se zu einer im Abstand von zwei Jahren wie­1 derkehrenden Einrichtung zu machen. Als ‚Ort der zweiten Konferenz FDSL2 wurde Potsdam als eines der linguistischen Zen­|tren dieser Forschungseinrichtung vorge­Schlagen. Und so tagten rund 70 Referen­] ten und an die 120 Teilnehmer aus Europa ‚und den USA Ende November 1997 an der | Universität Potsdam. | Organisiert wurde die Zweite Europäische ; Konferenz zurFormalen Beschreibung der slavischen Sprachen vom Institut für | Slavistik und dem Institut für Linguistik/All­| gemeine Sprachwissenschaft. Die slavisti­\ sche Linguistik sah darin die Möglichkeit, De den theoretischen Fortschritt in der

neueren generativen Sprachtheorie anzu­knüpfen, um am Beispiel der slavischen | Sprachen die deskriptive und explanato­rische Adäquatheit der einzelnen Gram­| matikmodelle zu überprüfen. Die Konfe­renz behandelte unter anderem die neue­

ren Stadien der Entwicklung der genera­tiven Grammatik. Neben Vorträgen allge­meineren Charakters und solchen zu ein­zelnen Phänomenen der Grammatik slavischer Sprachen- Russisch, Polnisch,

Tschechisch, Serbisch, Kroatisch, Slove­

nisch, Bulgarisch, Sorbisch, Slovakisch,

Ukrainisch, Weißrussisch oder Altbul­

garisch- gab es auch interessante Beiträ­

ge zur maschinellen Umsetzung, zur

Computerlinguistik sowie zum Sprach­

erwerb.

Gefördert wurde die Konferenz mit Mitteln

des Ministeriums für Wissenschaft, For­

Schung und Kultur des Landes Branden­

burg und der Robert Bosch Stiftung. Deren

Unterstützung ermöglichte die Teilnahme

zahlreicher Wissenschaftler aus den ost­

und südosteuropäischen Ländern, darunter aus Rußland, Polen, der Tschechischen

Republik, Slowakei, Slovenien, Bulgarien,

Jugoslawien, Kroatien, Bosnien und der

Ukraine, Die Beteiligung der westeuropäi­

schen Länder, darunter Dänemark, Schwe­den, Norwegen, Großbritannien, Frank­reich, Finnland, Österreich, Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland unter­strich die Bedeutung dieser Tagung, neben dem wissenschaftlichen Aspekt auch die Brückenfunktion Brandenburgs als Mittler zwischen Ost- und Westeuropa wahrzuneh­men. Auch Wissenschaftler aus den USA fanden den Weg nach Potsdam. Auf die politische Dimension der Konferenz verwie­sen denn auch der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder,

Beteiligte sich am WISSEN­schaftlichen Austausch über formale Sprach­beschreibung slavischer Spra­chen: Prof. Dr. Leonard Babhby von der Prince­ton University/

Foto: Tribukeit

und die Vertreterin des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums, Dr. Ines Hilde­brandt.

Für die slavistische Linguistik an der Uni­versität Potsdam eröffnete sich nach Auffas­sung der Veranstalter mit dieser Konferenz die Möglichkeit, den theoretischen und methodologischen Fortschritt ihrer Disziplin entscheidend mitzubestimmen und ihr ge­genüber den eher traditionell arbeitenden slavistischen Linguisten in den alten Bun­desländern zum theoretischen Durchbruch zu verhelfen. PK.

NEUESCHEINWERFER IN DER ORGANISATIONSFORSCHUNG?

2. Potsdamer Seminar für Interdisziplinäre Organisationsforschung

Auf Einladung der Potsdamer Professo­ren Dr. Thomas Edeling(Organisations­und Verwaltungssoziologie), Dr. Werner Jann(Politik- und Verwaltungswissen­schaft) und Dr. Dieter Wagner(BWL mit dem Schwerpunkt Organisation und Per­sonalwesen) fand Ende November 1997 in der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät ein Workshop zu Fra­gen der Interdisziplinären Organisations­forschung statt.

Die Veranstaltung widmete sich dem The­maInstitutionenökonomie und Neuer Institutionalismus in der Organisations­theorie und wendete sich an Forscher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum und wie Institutionen entstehen und sich verän­dern. Diese Thematik zählt zu den For­schungsschwerpunkten der Wirtschafts­und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und kann sich z. B. auf die Herausbildung von Notenbanken und Währungssystemen in Transformationsgesellschaften, aber auch auf Privatisierungsvorgänge bei Bahn, Post, Energie und Telekommunikation oder auf die Verwaltungsmodernisierung beziehen. Insgesamt war es nicht verwunderlich, daß je nach disziplinärem Hintergrund unter­schiedliche Begründungszusammenhänge

geliefert wurden. So gab es Beiträge aus dem Bereich der Politik- und Verwaltungs­wissenschaft, der Soziologie und der Be­triebswirtschaftslehre. Einerseits wurde un­tersucht, inwieweit sich ökonomische und soziologische Erklärungsmuster integrie­ren lassen, andererseits wurden die Anwen­dungsmöglichkeiten und-grenzen der Transaktionskostentheorie auf unterschied­liche Erkenntnisobjekte diskutiert. Ab­schließend erfolgte ein Überblick über den Neuen Institutionalismus in der Finanz- und Bankwirtschaft.

Die Teilnehmer des Seminars begrüßten es, daß sie in Potsdam konkrete Probleme von gemeinsamen Feldern der Organisations­forschung in der Sprache unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen erörtern konnten. Ausdruck dessen war eine rege, fundierte und über jede Fachgrenze erhabene Dis­kussion der Beiträge, was nicht zuletzt auch durch eine ausgewogene Auswahl und Pla­zierung der Fachvorträge sowie durch eine geduldige und zuweilen auch humorvolle Moderation seitens der drei Gastgeber ge­lang. Insgesamt herrschte die Ansicht vor, mit den organisationswissenschaftlichen Workshops in Potsdam ein stabiles Forum zur kollegialen und fächerübergreifenden Verständigung gefunden zu haben, das fort­geführt werden soll. Sören Lieske

PUTZ 1-2/98

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