Heft 
(1.1.2019) 1/2
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KINDERTAGESBETREUUNG IM WANDEL

Innovationsbörse des Institutes für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung

Unsere Kinder werden in einer Zukunft leben, die neuartige, heute noch schwer ab­schätzbare Anforderungen an sie stellt. Die Familie, aber auch die öffentliche Kinder­tagesbetreuung tragen mit ihren Erziehungs- und Bildungsarrangements eine hohe Ver­antwortung dafür, daß Kinder ihre Begabungen und Talente entwickeln können und

Kompetenzen erwerben, die sie auf diese ungewisse Zukunft vorbereitet. Um verfügbaren Ressourcen diesen Anspruch zu erfüllen, bedarf es der pädago­gischen Kreativität der Erzieherinnen wie auch einer effizienten Verwaltung und Bedarfsplanung im Kita-Bereich. Das Institut für angewandte Famili­en-, Kindheits- und Jugendforschung(IFK), ein An-Institut der Universi­tät Potsdam, organisierte deshalb gemeinsam mit dem Landesjugendamt des Landes Branden­burg Ende November 1997 eine Innovations­börse, auf der 28 Aussteller aus zehn Bundeslän­dern Anregungen und Innovationen für die Op­

timierung der Kindertagesbetreuung unter pädagogisch-konzeptionellen und verwal­tungstechnischen Aspekten präsentierten.

Die Veranstaltung stand unter der Schirm­herrschaft des Landrates und Vize­präsidenten des Deutschen Land­kreistages, Karl-Heinz Schröter. F

Die Notwendigkeit einer neuen

Qualität von Kindertagesbetreuung wurde aus unterschiedlicher Perspektive beleuch­tet. PD Dr. Dietmar Sturzbecher, der als ge­schäftsführender Direktor des IFK die über­raschend hohe Zahl von über 360 Teilneh­mern begrüßte, zog hierzu Ergebnisse ei­ner jüngst veröffentlichten Jugendstudie heran, die gängige Klischees zu Ursachen wachsender Gewaltbereitschaft in Frage stellt und als entscheidende pädagogische Herausforderung unserer Zeit die Balance zwischen Selbstbestimmung und Eigenin­itiative einerseits sowie Solidarität und so­zialer Verantwortungsübernahme anderer­seits hervorhebt. Die Leiterin des Landes­Jugendamtes des Landes Brandenburg, Dr. Doris Scheele, verwies auf die enormen Strukturveränderungen in der Kindertages­betreuung, die vor dem Hintergrund knap­per finanzieller Ressourcen zum Erkunden neuer Wege auffordern.

Die Brisanz bezüglich der gesellschaftlichen Verantwortung, die Rechte der Kinder und die Ansprüche an eine qualitativ hochwerti­ge Kinderbetreuung zur Geltung zu bringen, arbeitete Prof. Dr. Wassilios Fthenakis vom Staatsinstitut für Frühpädagogik heraus. Zum einen wurde auf die Veränderungen der Fa­milie und die dabei zu bewältigenden Über­gänge als Entwicklungsaufgaben für Kinder und Eltern verwiesen, was neue, die Fami­lie und Kita integrierende Konzepte erfordert. Zum anderen wurde anhand von For­schungsbefunden aufgezeigt, daß sowohl strukturelle Aspekte, wie z. B. Gruppengröße und Personalschlüssel, als auch prozessua­le Aspekte der Betreuungsqualität, die sich in der Betreuer-Kind- sowie Betreuer-Eltern­Interaktion widerspiegeln, nachweislichen

it den

Andere Zeiten, andere Kindertagesbetreuung... Abb.: ZU,

Einfluß auf die Förderung der kindlichen Entwicklung haben.

Die Forderungen, die Qualität der Kinder­tagesbetreuung künftig stärker aus der Per­spektive des Kindes zu definieren, unter­mauerte Prof. Dr. Ulrich Schmidt-Denter, Universität Köln, aus entwicklungspsycho­logischer Perspektive. Das Echo auf die Einladung zur Innovationsbörse zeigte, daß es ein breites Interesse, eine hohe Motiva­tion und ein großes Engagement gibt, eine hohe Qualität der Kindertagesbetreuung trotz oder gerade wegen des wachsenden Kostendrucks zu sichern und neue, zu­kunftsträchtige Wege in der Kindertages­betreuung zu verfolgen.

Die verschiedenen Interessengruppen, wie beispielsweise die Träger und das pädago­gische Personal von Kitas, das kommunale Verwaltungsmanagement und potentielle Neugründer von Einrichtungen konnten hierzu eine Fülle von Anregungen und Ide­en mitnehmen und sich von praktizierten Neuerungen inspirieren lassen. So stellten Anbieter aus Frankfurt/Oder, dem Saarland und aus Schleswig-Holstein Konzepte vor, die Kinder mit anderen Kulturen vertraut machen sollten und Wege aufzeigen, wie sich Mehrsprachigkeit im Elementarbereich umsetzen läßt, Unter dem Stichwort Öffnung der Kindertageseinrichtungen wurden ver­schiedene Wege und Konzepte vorgestellt: z, B. für die Entwicklung eines Kindertages­zentrums, eines Kinder- und Begegnungs­hauses für Eltern, für ein Familien-Service­Zentrum oder für die Integration von Hort­kindern bei Vernetzung mit Angeboten der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Zu Fragen der Altersmischung, gruppen­

übergreifenden Arbeit und der Eingewöh­nung bei offener Gruppenarbeit, aber auch zu solchen Themen wie der Integration er­ziehungsschwiernger und seelisch behinder­ter Kinder, der Suchtprävention im Kinder­gartenbereich sowie zur Bewegungserzie­hung und Naturerkundung informierten Aus­steller die Besucher sehr lebensnah mit Foto­dokumentationen, Videos oder der Möglich­keit, selbst Materialien praktisch zu erpro­ben. Heidrun Großmann

Der Messekatalog, der Informationen und Kontaktadressen aller Aussteller enthält, kann beim Institut für angewandte Famili­en-, Kindheits- und Jugendforschung e.V. an der Universität Potsdam, Burgwall 15, 16727 Vehlefanz; Tel. 03304/397010 ange­fordert werden. Bitte einen mit 3 DM fran­kierten A 5-Briefumschlag beifügen.

2. REGIONALTAGUNG DES SPRACHENZENTRUMS

Die Vermittlung von Fremdsprachen­kenntnissen an der Universität hat eine große Bedeutung für die europäische In­tegration und den globalen Wettbewerb. Mit dieser Feststellung eröffnete der Rek­tor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolf­gang Loschelder, die 2. Regionaltagung Berliner und Brandenburger Sprachen­zentren zum ThemaSpezifische Lern­und Lehrformen im universitären Fremd­Sprachenunterricht. In der Rede stellte er unter anderem klar, daß die Universität Potsdam trotz der prekären Haushaltslage an den mit der Gründung des Sprachen­zentrums verbundenen Zielen festhält.

Der Saarbrücker Romanist Prof. Dr. Albert Raasch kennzeichnete in seinem Plenar­vortrag einige Herausforderungen, denen sich die universitäre Fremdsprachenaus­bildung gegenübersieht. Er forderte die Universitäten auf, sich verstärkt in die von der Europäischen Union geförderten Sprachen­projekte einzubringen. Wie weit diese Forde­rungen in den Sprachenzentren der Bran­denburger und Berliner Hochschulen bereits verwirklicht sind, zeigten die Beiträ­ge in den:an­schließenden>

Den Plenarvortrag zum Tagungsthema hielt Prof. Dr. Albert Raasch von der Uni­versität des Saar­Jlandes., Foto: Fritze

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