Heft 
(1.1.2019) 1/2
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Dienstag, 2. Dezember 1997:

Am Vormittag mauern Aktivisten der stu­dentischen AktionsgruppeTu was unter dem MottoDie Mauer bleibt da, wir bau­en sie ums ZK den Eingang des Ministe­rums für Wissenschaft, Forschung und Kul­tur(MWFX) zu. Am Nachmittag beschließt eine Vollversammlung mit rund 2.300 Stu­dierenden an der Uni Potsdam, in den Streik zu treten. Angesichts neuester Horrormeldungen über Kürzungsvorhaben der SPD-Landesregierung an den Hoch­schulen wollen die Studierenden der Lan­desregierung auf den Pelz rücken. Ein Forderungskatalog wird von den Studieren­den verabschiedet. Im Anschluß an die Voll­versammlung besetzen rund 100 Studieren­de der FH und der Uni das MWFK, um den Politikern die Forderungen der Vollver­sammlung nahezubringen. Ministerpräsi­dent Stolpe und Wissenschaftsminister Rei­che lassen sich entschuldigen.

Mittwoch, 3. Dezember:

Der Lehrbetrieb ist lahmgelegt. Der Park Babelsberg wird von studentischen Aktions­gruppen mit Fahrradschlössern und Bau­zäunen abgeriegelt. Unter dem MottoEine schöne Bescherung- SPD-Landesregie­rung kriegt die Rute demonstrieren am Nachmittag rund 4.000 Weihnachtsfrauen und-männer durch Potsdam und verteilen mit Sprüchen ihre Ruten an Wissenschafts­minister Reiche und Ministerpräsident Stolpe. Innenminister Ziel und Staatssekre­tär Butler(MWFK) werden im vollen Audi­max nach einer dreiviertel Stunde von den Studierenden abrupt zurückgelassen we­genleerer Worthülsen und heuchlerischen Sympathiebekundungen.

Donnerstag, 4. Dezember:

Das Rektoratsgebäude Am Neuen Palais wird besetzt, Der Kleine Senatssaal wird zum studentischen Streikbüro umfunktio­niert. In den folgenden zwei Wochen fun­giert das Rektoratsgebäude als Diskus­sions-, Organisations- und Kulturzentrum der Streikenden. Die Wilhelmgalerie wird als fünfter Uni-Komplex eröffnet; öffentliche Vorlesungen finden statt. Im Foyer des Rat­hauses Potsdam Stadt werden alternative Seminare durchgeführt. Unter dem Motto Bildung geht baden stürmen am Nachmit­tag rund 100 Studierende die Schwimmhal­le am Brauhausberg. Das Uni-Orchester spielt in der Wilhelmgalerie. Am Abend fin­det eine kostenlose Streikparty in der Obe­ten Mensa statt,

Freitag, 5. Dezember:

Wissenschaftsminister Reiche besucht die PH. Die Studierenden der FH und der Uni Potsdam stellen ihre Schuhe mit Wunsch­

STREIKCHRONIK

zetteln und studentischen Forderungen vor dem Podium ab. Sie schließen sich damit einer bundesweiten Nikolausaktion an. Rund 70 Studierende sprengen die Konfe­renz der Bauminister im Potsdamer Hotel Voltaire. Die Minister müssen sich unver­richteter Dinge wieder in ihren Flieger set­zen. Anschließend findet eine Spontan­demonstration mit Studierenden der FH und der Uni Potsdam statt.

Samstag, 6. Dezember:

Ein studentisches Streikplenum beschließt, zum kommenden Wochenende studenti­sche Vertreterinnen und Vertreter aller ost­deutschen Hochschulen zu einem Vernet­zungstreffen nach Potsdam einzuladen.

Sonntag, 7. Dezember:

Die Studierenden organisieren ein Advents­cafe für die Potsdamer Bevölkerung im Rek­toratsgebäude.

Montag, 8. Dezember:

Am Vormittag werden öffentliche Vorlesun­gen in der Potsdamer Innenstadt und in Griebnitzsee abgehalten. So auch auf dem Platz der Einheit zu Themen wie:Das Ministerproblem Ist eine optimale Part­nerwahl möglich? oderPlaneten, Aste­roiden, Kometen: Das Aussterben der Di­nosaurier- Eine kosmische Katastrophe oder zuviel Hirn, zuwenig Panzer? Die Sportwissenschaftler veranstalten einen Staffellauf durch die Innenstadt unter dem MottoWir geben den schwarzen Peter weiter. Am Nachmittag findet die zweite Vollversammlung der Studierenden der Uni Potsdam statt. Mit überwältigender Mehrheit beschließen die Studierenden, den Streik fortzuführen. Im Anschluß an die Vollversammlung versammeln sich rund 300 Studierende zu einer Lichterket­te auf dem Platz der Einheit, um auf die Situation an den Hochschulen aufmerksam zu machen.

Dienstag, 9. Dezember:

Öffentliche Vorlesungen zum Thema

Euro finden in der Innenstadt und in CGriebnitzsee statt, so am Bahnhof Potsdam Stadt und im Sterncenter. Am Abend zeigt der studentische Filmclub Filmriss in GolmThemroc,

Mittwoch, 10. Dezember:

Rund 7.000 Studierende, Mitarbeiter, Pro­fessorinnen und Professoren sowie Ge­werkschafter der FH und der Uni demon­strieren im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages durch die Potsdamer Innen­stadt. Die Sportwissenschaftler betreiben Selbstverteidigung gegen Kürzungen in der Brandenburger Straße.

Donnerstag, 11. Dezember:

Es werden Vorlesungen in der Innenstadt und in Griebnitzsee abgehalten, unter ande­rem zuArt. 7 GG Kürzungen im Hoch­schulwesen.

Freitag, 12. Dezember:

Im Audimax findet eine Podiumsdiskussion mit Staatssekretär Mentrup aus dem Finanz­ministerium, Ministerpräsident Stolpe, Wissenschaftsminister Reiche und studenti­schen Vertretern statt. Es wird über die Neu­fassung des Brandenburgischen Hochschul­gesetzes(BbgHG) und den Hoch­schulentwicklungsplan diskutiert. Die Lan­desregierung verspricht an diesem Abend, eine Arbeitsgruppe mit Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern zum BbgHG einzurichten, macht jedoch keine konkreten Zugeständnisse. Am Abend findet ein Streik-Soli-Konzert mit Seven Days, The Ruffians und The Shanes im T1-Club statt.

Wochenende 12.- 14. Dezember: Treffen ostdeutscher Studierender(OST) an der Uni Potsdam: Studierende aus rund 30 Hochschulen aus Ostdeutschland disku­tieren Forderungen zum Thema HRG, BAföG, Demokratisierung der Hochschu­len, Studienorganisation, die Aufgabe von Hochschulen in der Gesellschaft und Per­spektiven studentischer Proteste. Es wird ein Diskussionspapier erarbeitet, das in die Hochschulen gegeben wird.

Montag, 15. Dezember:

Neben weiteren öffentlichen Veranstaltun­gen und alternativen Seminaren wird die Demo am Dienstag vorbereitet.;

Dienstag, 16. Dezember:

Das neu gegründete Bündnis gegen Sozi­al- und Bildungsabbau, bestehend aus über 40 Organisationen und Vereinen, demon­striert durch die Potsdamer Innenstadt un­ter dem MottoDen Haushalt kippen Für eine Umverteilung von oben nach unten.

Über 10.000 Gewerkschafter, Studierende,

Arbeitslose, Behinderte, Schüler, Lohnab­hängig Beschäftigte und Migranten prote­stieren gegen den Haushalt der SPD-Lan­desregierung, die im Bildungs- und Sozial­bereich Millionen kürzt. Die Vollversamm­lung mit 1.500 Studierenden beschließt, den Streik bis ins neue Jahr fortzusetzen. Ein weiterer Forderungskatalog der Studieren­den wird verabschiedet. Am Abend findet ein Soli-Konzert mit mehreren Bands in der Oberen Mensa Am Neuen Palais statt,

Mittwoch, 17. Dezember:.

Am Brandenburger Tor findet eine Veran­

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