Heft 
(1.1.2019) 1/2
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Paßbilder. Eins neben dem anderen waren sie am Holz des Duchgangs befestigt wor­den und wirkten auf mich wie Phantombil­der, Student gegen Bildungs- und Sozialab­bau, Studentin gegen Bildungs- und Sozial­abbau, Student gegen Bildungs- und Sozial­abbau, Studentin gegen Bildungs- und Sozlalabbau, immer und immer wieder. Ich hatte zu tun mit kopieren. Es war inzwi­schen schon 10.30 Uhr und ich befand mich Am Neuen Palais in der Nähe des Streik­büros. Um 12.00 Uhr würde die Volksküche anlaufen und bis dahin wollten Holger und ich noch ein paar Flyer verteilen. Wir trafen uns um 11.30 Uhr an der FH. Ich lief 1os mit meinem Stapel von Zetteln.Haben Sie nicht Appetit auf einen heißen Eintopf?FH und Uni laden zum Mittagstisch ein!Be­suchen Sie unsere Volksküche!, versuchte ich die vorbeigehende Menge auf mich aufmerksam zu machen und verteilte die Zettel. Zur Volksküche kamen an dem Tag vielleicht 15 oder 20 Interessierte. Ein Ob­dachloser spendete uns seine Uhr. Nachmittags saß ich dann auf meinem Fahr­rad, schon nach kurzer Zeit triefend naß, und war bemüht meinem Begleiter zu folgen. Wir waren in höchster Eile, noch ein paar Minu­ten bis 17.00 Uhr. Dann sollte die Glienicker Brücke besetzt werden. Wir kamen rechtzei­tig. Trotz des starken Regens hatten sich ei­nige Studies aufgerafft. Wenige Minuten spä­ter standen wir nun da mit unseren Transpa­renten und blockierten die Straße nach Ber­lin. Es regnete fette Tropfen, vor und hinter uns wartende Autos, Polizisten mit ärgerli­chen Gesichtern- und obwohl es nur zehn Minuten waren, kam es mir vor wie eine Ewigkeit. Ich war beeindruckt von diesem Gefühl deszivilen Ungehorsams. Es be­gleitete mich sogar noch bis in die Golmer Kirche, wo ich den Tag, mehr müde als wach, von Weihnachtsliedern berauscht aus­klingen ließ. Simone Erdmann

45 PROZENT PERSÖNLICH BETROFFEN

Studierende untersuchten Streikverhalten

In der Zeit des Streiks fanden sich ca. zehn Studierende der unterschiedlichsten Fach­richtungen im Rahmen einer alternativen Lehrveranstaltung zusammen, um das Streikverhalten von Studenten der Uni Pots­dam zu untersuchen. Unter Mitwirkung von Dr. Antje Zapf, Zentrale Einrichtung für Infor­mationsverarbeitung und Kommunikation ZEIK), entwickelten sie eine theoretische Konzeption für einalternatives Forschungs­projekt. Im Mittelpunkt standen dabei Krite­nen wie Streikverhalten und Motivation von Studenten. Nach dertrockenen Vorarbeit folgte die Umsetzung: Nachdem 600 Frage­bögen gedruckt waren, ging es an deren Verteilung. Es mußte entschieden werden, WO man die Studenten am besten erreichen könnte. Schließlich wurden die Fragebögen während der Vollversammlung und in den Wohnheimen ausgegeben. DieHeimfahrer haben sich damit dem Projekt entzogen, insofern gelten die Aussagen überwiegend für dieAktiven.

Mit einem Rücklauf von rund 330 Stück wur­den alle Hoffnungen übertroffen. Der sehr zeitaufwendige Prozeß des Auswertens der Bögen dauerte mehrere Tage. Nachdem die

Warum hast Du an Streikaktionen

teilgenommen? es 9 Sonstige.

Ich befürchte zunehmend schlechtere 7 Bildungsbedingungen.

Ich schließe mich der Mehrheit an.

Ich bin persönlich betroffen.

Graphik: S.H. 0%" 10% 20%

Daten vorlagen, erfolgte die Interpretation. An dieser Stelle soll die Streikmotivation der Studenten vorgestellt werden: 45 Prozent der Studenten fühlten sich von der momentanen Studiensituation persönlich betroffen. Im­merhin nahmen 307 Potsdamer Studenten, das entspricht 92 Prozent der Befragten, an Streikaktivitäten teil, da sie zunehmend schlechtere Studienbedingungen befürch­ten. Diejenigen, die sich nurder Mehrheit angeschlossen haben, waren mit sieben Prozent eher unterrepräsentiert. Daraus läßt sich schließen, daß die Studienbedingungen in Potsdam heute zum großen Teil noch trag­bar sind. Dennoch, die überragende Mehr­heit der Studenten befürchtet für die Zukunft ungünstigere Studienbedingungen, was dem Streik eher prophylaktischen Charakter unterstellen läßt. Die Ergebnisse zeigen, daß die Zeit des StreikeS in Potsdam sinnvoll genutzt wurde. Den Teilnehmern des Projektes zur Erfor­Schung des Streikverhaltens schließlich bot sich durch die Aktionen die Möglichkeit, eine Untersuchung vom Anfang bis zum Ende durchzuführen. Tino Schuppan/ Peter Kolbe/Stefan Hohlfeld

30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

KEINNULL-EFFEKT DURCH REGIERUNGSUMZUG

Studie von Betriebswirtschaftlern der Uni Potsdam zum Büromarkt Berlin

Die Auswirkungen des Regierungsum­zuges auf den Berliner Büromarkt wer­den inzwischen von vielen Experten pessimistisch eingeschätzt. Das Stich­wortNull-Effekt macht in der Immobi­lienbranche der Hauptstadt die Runde. Die düsteren Einschätzungen sind jetzt in einer Studie von Betriebswirtschaft­lern der Universität Potsdam zumindest teilweise widerlegt worden. Demnach wird der Umzug unabhängig von der ge­samtwirtschaftlichen Entwicklung vor­übergehend deutliche Impulse für den Berliner Büromarkt bringen.

Für den Zeitraum zwischen 1998 und 2000 sei mit einer zusätzlichen Nachfrage von mindestens 31.500 Quadratmetern pro Jahr zu rechnen. Das entspreche rund neun Pro­zent der 1996 durch Makler vermittelten Bü­roflächen. Für dasZwischenhoch werden nach den Erkenntnissen der Wissenschaft­ler vor allem der Zuzug von Verbänden und der zusätzliche Bedarf an Dienstleistungen sorgen. Langfristig werde sich der Regie­rungsumzug allerdings nicht auf die Vermie­tung von Büroflächen auswirken.

Für die von Roland Hübner, Doktorand an der Uni und Mitarbeiter der Berliner Firma

Liljeberg, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Detlev Hummel erstellte Studie wurden 82 Verbände, 40 Banken sowie der größte Teil der Regierungsinstitutionen nach ihren Um­ZUgsS- und Investitionsabsichten in der Hauptstadt befragt. Zusätzlich wurden um­fangreiche Literaturrecherchen vorgenom­men sowie zahlreiche Expertengespräche geführt. Dabei stellte sich heraus, daß vor allem die Umzugsbereitschaft der Verbän­de bislang unterschätzt wurde. 46 Prozent haben sich laut Umfrage für einen Umzug nach Berlin entschieden. Davon wollen fast 90 Prozent noch bis zum Jahr 2000 mit>

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